Mitte/West-Thüringen

Sparprogramm : Eisenach will aus Deutschem Städtetag austreten

Die Stadt Eisenach will als erste kreisfreie Stadt in Deutschland aus dem Deutschen Städtetag austreten. Der CDU-Fraktionschef im Stadtrat, Gerhard Schneider, sagte, eine Doppelmitgliedschaft im Städtetag und im Gemeinde- und Städtebund Thüringen sei überflüssig. Bisher zahlt die Stadt jährlich rund 10.000 Euro Beitrag dafür.

Die Stadt muss sparen

Blick auf den Marktplatz von Eisenach. Der Platz wird dominiert vom rot gestrichenen Rathaus, rechts und links davon stehen mehrere Gebäude aus verschiedenen Epochen, darunter Fachwerkhäuser.
Das Haushalts-Sicherungskonzept sieht bis 2022 Mehreinnahmen und Einsparungen von 65 Millionen Euro vor.

Die Entscheidung hatte der Stadtrat bereits Ende September gegen den Willen von Oberbürgermeisterin Katja Wolf getroffen. Hintergrund für die Austrittspläne ist die angeschlagene Finanzsituation der Stadt. Der Stadtrat hatte in einem Haushaltssicherungskonzept für die kommenden zehn Jahre neben dem Austritt auch Einsparungen von rund 35 Millionen Euro in allen Bereichen beschlossen. So sollen beispielsweise Museen, Volkshochschule, Musikschule und Bibliothek künftig mit Budgets wirtschaften, die deutlich unter ihren bisherigen Kosten liegen. Die Haushaltskonsolidierung sieht auch Steuererhöhungen um 10 bis 18 Prozent vor. Bis zum Jahr 2022 sieht das Papier Mehreinnahmen und Einsparungen von insgesamt rund 65 Millionen Euro vor.

Wolf bedauert Austrittspläne

Oberbürgermeisterin Wolf bedauert den Stadtratsbeschluss. Sie sehe zwar die Finanznot, aber mit diesem Schritt werde an der falschen Stelle gespart, so die Linken-Politikerin. Der Städtetag sei eine wichtige Interessenvertretung gegenüber dem Bund, um dort eine bessere Finanzausstattung für die Kommunen zu erstreiten.

Ein Austritt aus dem Deutschen Städtetag ist frühestens zum Januar 2014 möglich. Den Angaben zufolge gibt es eine sechsmonatige Kündigungsfrist im laufenden Haushaltsjahr. Der Deutsche Städtetag reagierte gelassen auf den Beschluss der Wartburgstadt. Ein Sprecher sagte, noch gehe der Stadt nichts verloren, weil sie erst zum übernächsten Jahr ausscheiden könne. Man hoffe, Eisenach noch für eine Fortsetzung der Mitgliedschaft gewinnen zu können. Die Stärke des Verbands beruhe auf einer breiten Solidargemeinschaft.

Eisenach bleibt Mitglied des Thüringer Städte- und Gemeindebundes

Wie eine Sprecherin der Stadt am Montag mitteilte, bleibt die Kommune aber Mitglied des Thüringer Städte- und Gemeindebundes. Auf diesem Weg sei sie auch im Deutschen Städtetag vertreten. CDU-Fraktionschef Schneider betonte, damit entgingen der Stadt keinerlei Informationen. Auf diesem Weg würden die Eisenacher Interessen auch künftig beim Städtetag vertreten.

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2012, 20:31 Uhr

1. Isenächer:
Was hat der Lobbyverband der dt. Städte erreicht? Wurde die EInnahmeseite der Kommunen auf eine breitere, weniger volatiele Basis gestellt? Nein! Wurde sichergestellt das Bund und Länder, wenn sie schon Aufgaben an das letzte Glied, die Kommunen delegieren, diese auch ausreichend finanzieren? Nein! Eisenach soll ruhig austreten! Die Einsparung mag vor allem vor dem Hintergrund, dass die Pleite-Stadt nochmal mehr als 6 Mio. EUR p.a. vom Land "weggenommen" bekommt, marginal erscheinen. Das Signal, was mit der Austrittsankündigung derzeit bundesweit Beachtung findet, ist aber scheinbar notwendig und aus Verzweiflung geboren...
09.10.2012
13:06 Uhr

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