Möglicher Moschee-Bauplatz Riesiges Holzkreuz sorgt für neuen Zoff in Marbach

Der Erfurter Ortsteil Marbach streitet um ein etwa zehn Meter hohes Holzkreuz. Das eilig aus Vierkanthölzern zusammengezimmerte Gebilde steht seit Samstag auf dem Grundstück neben dem beantragten Bauplatz für die Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde. Verantwortlich für die Aktion ist nach eigenen Angaben eine Gruppierung, die sich "Bürger für Erfurt" nennt und von der Thüringer AfD unterstützt wird. Hinweise auf eine Straftat gibt es laut Polizei nicht. Es sei aber noch zu prüfen, wem das Grundstück gehöre. Wie das Bündnis "Bürger für Erfurt" auf seiner Facebook-Seite mitteilte, lag das Kreuz am Sonntagmorgen auf dem Boden. Rund 30 Erfurter hätten es wieder aufgerichtet. Zudem sei ein weiteres rund vier Meter hohes Kreuz auf dem Grundstück errichtet worden.

Protest mit Holzkreuz gegen Moschee-Baupläne in Erfurt-Marbach
Moschee-Gegner haben ein riesiges Holzkreuz aufgestellt. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Die evangelische Kirche im Ortsteil kritisierte die Aktion. Pfarrer Ricklef Münnich sagte, es handelte sich keinesfalls um ein Christus-Kreuz. Es werde versucht, auf der grünen Wiese einen Kulturkampf "Kreuz gegen Minarett" auszurufen - von Menschen, die sich der Kirche offenkundig gar nicht zugehörig fühlten. Das sei ein Missbrauch eines christlichen Symbols, sagte Münnich. Mehrfach wollte die Kirchgemeinde im Streit um das Moschee-Bauvorhaben vermitteln. Es sei jedoch nicht erkennbar gewesen, dass die Kritiker, die nun das Kreuz aufgestellt haben, an einem Dialog überhaupt interessiert seien, so der Marbacher Pfarrer.

Protest mit Holzkreuz gegen Moschee-Baupläne in Erfurt-Marbach
Ganz in der Nähe will die Ahmadiyya-Gemeinde eine Moschee errichten lassen. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05.03.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2017, 18:17 Uhr

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58 Kommentare

07.03.2017 23:38 OH MEIN GOTT, was für eine Katastrophe! 58

Was den angeblichen Missbrauch eines christlichen Symbols betrifft: Woher will man das denn so genau wissen? Vielleicht gab es auch andere Gründe. Vielleicht wollten die Initiatoren wirklich auch ihre Religion repräsentieren. Woher nehmen einige die Gewissheit, dass das “Rechtsradikale“ waren? Oder ist es etwa in Ordnung, in Deutschland eine Moschee mit in den Himmel ragenden Minaretten zu bauen, aber ein zehn Meter hohes Christenkreuz daneben ist ein Skandal? Wird hier nicht wieder mal etwas unterstellt? Aber: Ich habe mehr Respekt vor Leuten, die ihre Meinung mit einer solchen, immerhin friedlichen und doch recht harmlosen (oder was ist an so einem Holzkreuz so schlimm?) Aktion zum Ausdruck bringen, als vor einer “KIRCHE“, die Andersdenkende pauschal verurteilt!

07.03.2017 23:27 Die Kirche hat immer recht! 57

Ja und wieder einmal sieht man, wofür “unsere? KIRCHE“ hier wirklich eintritt. Es geht nur um Selbstdarstellung - ach wie wohltätig und tolerant wir doch sind! Oder wurde schon einmal kundgetan, was die EIGENTLICHEN MITGLIEDER der Kirche in dieser Stadt und besonders in diesem Ortsteil dazu meinen - also ich meine die einfachen Leute, die diesen Verein mit ihrer Kirchensteuer und ihren Spenden durchfüttern (damit wieder irgendeine Kirchenorgel vergoldet werden kann) - und nicht diese Monoton-Synchron-Plauderer, die immer vor die Kamera oder vors Mikrofon gezerrt werden? Ist mir nicht bekannt! Dürfen die eigentlichen Mitglieder überhaupt was meinen oder nur bezahlen und spenden? Es heißt doch auch sonst immer nur: die Kirche, die Kirche, DIE KIRCHE!