Plattenbauten stehen am 28.10.2014 in Erfurt (Thüringen) in einem Wohngebiet im Ortsteil Herrenberg nebeneinander.
Ortsteil Herrenberg Bildrechte: dpa

Erfurt-Herrenberg Jugendclub soll rechten Angeboten Konkurrenz machen

Im Erfurter Ortsteil Herrenberg lockt die rechte Szene Jugendliche mit sozialen Angeboten, bietet Bewerbungshilfe, eine Online-Bibliothek und Freizeittreff. Doch nun fordert der Ortsteilrat städtische Bildungsangebote für Jung und Alt - und fühlt sich dabei alleingelassen.

von Matthias Thüsing

Plattenbauten stehen am 28.10.2014 in Erfurt (Thüringen) in einem Wohngebiet im Ortsteil Herrenberg nebeneinander.
Ortsteil Herrenberg Bildrechte: dpa

Die alte Bibliothek auf dem Erfurter Herrenberg ist zum Zankapfel zwischen Anwohnern und Verwaltung geworden. Ein Schandfleck im Ortsbild der Plattenbausiedlung war der Bau seit seiner Schließung vor Jahren. Doch dann organisierte Ortsteilbürgermeister Hans-Jürgen Czentarra Fördermittel aus einem Bundesprogramm für soziale Brennpunkte. Einen Ort der Bildung wollte er hier entwickeln - eine moderne Bibliothek für jüngere und ältere Einwohner mit Computerarbeitsplätzen, Leseecken und der Möglichkeit nachmittags hier die Hausaufgaben zu machen. Doch die ersten Gespräche mit der Stadtverwaltung, auch sie müsste Geld dazu geben, verliefen zäh. Denn die Sozialdezernentin der Stadt Erfurt, Tamara Thierbach, favorisiert bislang ein Stadteilzentrum mit eher kultureller Ausrichtung.

Rechte bieten Kinderfeste, Kinderfasching und Lebenshilfe

Hans Jürgen Czentarra
Ortsteilbürgermeister Hans-Jürgen Czentarra Bildrechte: dpa

"Wir haben schon ein Stadtteilzentrum im Viertel. Das ist nicht einmal vollständig ausgelastet", sagt Norbert Schirlitz, Mitglied im Ortsteilrat. Ihn ärgert das. Besonders weil es am oberen Herrenberg bislang kaum Angebote für junge Leute gibt. Das hat auch die örtliche Rechte Szene erkannt. Seit einem Jahr betreiben die Neonazis über den Verein Volksgemeinschaft hier einen Treffpunkt, der auch von vielen Jugendlichen aufgesucht wird.

"Mangels Alternativen", sagt Czentarra. Und was ihn besonders ärgert: "Sozialarbeiter haben mir gesagt, dort würde auch so etwas wie Jugendarbeit stattfinden." Die Facebook-Seite des Vereins nennt unter "zurückliegende Veranstaltungen" beispielsweise Kinderfeste und Kinderfasching. Auch heißt es dort: "Wir können euch ab sofort eine Internetbibliothek und die dazu benötigten Computer zur Verfügung stellen. Des Weiteren bekommt ihr von uns wenn ihr das möchtet, auch Bewerbungshilfe und könnt außerdem uneingeschränkt das Weltnetz in unserem Verein nutzen."

Auch Clueso kam vom Herrenberg

Clueso singend
Der Erfurter Clueso Bildrechte: MDR/Werner Lengenfelder

Gerade um der Volksgemeinschaft Freizeitangebote entgegenzusetzen, hat sich der Ortsteilrat einstimmig dafür ausgesprochen, der rechten Szene mit der Bibliothek ein eigenes Bildungsangebot entgegenzustellen. "Clueso kommt vom Herrenberg. Er hat im alten Jugendclub erste musikalische Schritte gemacht. Jugendarbeit wirkt", sagt Czentarra. Und das solle die Stadt doch bitte im Blick behalten.

"Macht sie auch", sagt die Pressestelle der Stadtverwaltung. Noch sei nichts entschieden. Bis Ende Oktober könne jeder seine Ideen einbringen. Die Idee der Bibliothek werde selbstverständlich in die Beratungen mit einbezogen", sagt Stadtpressesprecher Henry Köhlert. "Es ist wirklich noch nichts entschieden." Aus Sicht des Ortsteils von Vorteil könnte sein, dass die Entscheidungsfindung mitten in die Wahlkampfzeit für den Oberbürgermeister im nächsten Frühjahr fällt. Am Herrenberg wohnen schließlich mehr als 5.000 Wähler.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 20. Oktober 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2017, 20:17 Uhr

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18 Kommentare

22.10.2017 18:51 Dreintelhauser 18

Ich würde meine Kinder garantiert nicht in die Hände von Rechtsradikalen geben. Egal ob mit oder ohne "Glatzkopf".

Die sind kein Stück besser als irgendwelche Sekten-Anwerber, die schwache Leute in ihre Welt hineinziehen wollen, um sie dann zu benutzen.

22.10.2017 17:59 markus schröder 17

Es wurde hier schon gesagt: Die "Rechten" stoßen in eine Lücke, haben Angebote, kümmern sich, auf eigene Kosten. Da ist plötzlich das "Geheule" groß, man ruft nach Fördermitteln usw. Würden die Rechten da am Herrenberg nichts machen, würde dort wieder völlige Tatenlosigkeit herrschen. Und anstatt sich überheblich zu mokieren, dass diese "Brüder" Weltnetz statt Internet sagen (was schnurz ist), sollten sich die Empörten (die den Herrenberg wohl nie betreten haben) fragen, warum für alternative Angebote dort weder Geld noch Personal noch Wille da sind - und an anderen "Ecken" dafür umso mehr. @ 14.15 Doppelaccount würde ich bei Ihnen sagen? Egal, einfach mal weniger linke Ideologie verbreiten und Phrasen drschen, sondern anpacken und den Leuten dort WIRKLICH helfen - und nicht den Bürgermeister vorschicken.

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