Ab Dezember Bahn bietet mehr Direktverbindungen von Erfurt

Bahnreisende können ab Dezember von Erfurt aus ohne Umstiege zu neuen Zielen reisen. Mit dem Start der neuen ICE-Strecke zwischen Erfurt und Nürnberg würden neue Direktverbindungen eingeführt, sagte der Regionalchef der Bahn AG, Eckhard Fricke, am Montag. Von Erfurt aus seien künftig Stuttgart, Hamburg und Binz erreichbar, ohne dass die Fahrgäste den Zug wechseln müssen. Die Fahrtzeiten nach München oder Frankfurt würden deutlich kürzer. Rund 80 Fernverkehrszüge sollen ab Mitte Dezember täglich in der thüringischen Landeshauptstadt halten. Die Bahn rechnet auf der für zehn Milliarden aus- und neugebauten Strecke Berlin-München künftig mit 3,6 Millionen Passagiere jährlich - doppelt so viele wie bisher.

Drei Triebfahrzeugführer schauen während einer Testfahrt mit dem ICE-Sprinter auf der Neubaustrecke Erfurt - Bamberg auf die Gleise
Auf der Neubaustrecke zwischen Erfurt und Nürnberg absolviert ein ICE-Sprinter eine Testfahrt (Archivfoto). Bildrechte: dpa

Mit dem Start der neuen ICE-Trasse ist nach Frickes Worten eine große Fahrplanumstellung verbunden, die sich bis in die westlichen Landesteile Deutschlands auswirkt. Der neue Plan tritt am 10. Dezember in Kraft. Laut Thomas Grewing von der Nahverkehrsgesellschaft Thüringen wird dann auch der Nahverkehr erheblich verändert - und mit dem ICE-Knoten Erfurt vertaktet. Zahlreiche Nahverkehrszüge werden demnach beschleunigt, auf bestimmten Strecken wie der zwischen Saalfeld und Erfurt gibt es neue Direktverbindungen. Zwischen Erfurt und Jena fahren Züge im Halbstunden-Takt, zwischen Erfurt und Weimar alle 15 Minuten. Zusätzliche Züge verkehren zwischen Jena und Halle sowie zwischen Erfurt und Ilmenau.

Thüringens Verkehrsministerin Birgit Keller sagte, der neue Plan bringe Thüringen deutliche Vorteile. Noch nicht zufrieden sei die Landesregierung mit der Situation in Jena. Man werde weiter daran arbeiten, die Stadt insbesondere an das Fernverkehrsnetz anzubinden. Mit der Inbetriebnahme der neuen Trasse Erfurt-Nürnberg wird Jena vom ICE-Verkehr durch das Saaletal abgekoppelt.

Änderungen im Nahverkehr
Region Bahnlinie Änderungen
Nordthüringen Erfurt - Bad Langensalza - Leinefelde - Kassel Beschleunigung der Linie zwischen Bad Langensalza und Erfurt zum Erreichen des Anschlusses zur halben Stunde in Erfurt, damit Anschluss an die ICE-Linien 18 (Richtung München) und 28 (Richtung Berlin); Reisezeitverkürzung für Eichsfeld und Unstrut-Hainich-Kreis; stündliche Bedienung der Halte Erfurt Nord, Erfurt-Gispersleben und Kühnhausen
Ostthüringen Linie 21 Gera - Jena - Weimar Zeitliche Anpassung und Verlängerung der Züge ab bzw. bis Erfurt; durchgehende Verbindung der Linie EB 21 Erfurt - Jena - Gera; etwa 30 Minuten Versatz zur RE-Linie 1/3 und zweistündlicher Versatz zur neuen RE-Linie Erfurt - Jena; Anschluss in Erfurt an ICE-Linie-Sprinterlinie 15 in bzw. aus Richtung Frankfurt am Main
Mittel- und Ostthüringen Erfurt - Weimar - Jena - Gera und Saalbahn Kürzere Umsteigezeiten am Knoten Jena-Göschwitz in bzw. aus Richtung Rudolstadt - Saalfeld sowohl in bzw. aus Richtung Weimar - Erfurt, als auch Richtung Stadtroda - Hermsdorf-Klosterlausnitz - Gera; stündliche Verbindung zwischen Jena und Leipzig (zweistündlich direkt und zweistündlich mit Umstieg in Naumburg); neue zweistündliche Express-Linie zwischen Jena und Halle
Mittel- und Ostthüringen Erfurt - Weimar - Jena - Gera und Saalbahn mehr Züge zwischen Erfurt, Weimar und Jena sowie bessere Verteilung; etwa halbstündliches Angebot zwischen Erfurt und Jena von 6 bis 20 Uhr sowie ca. viertelstündliches Angebot zwischen Erfurt und Weimar; in Erfurt besteht Anschluss von der EB 21 an die neue ICE-Linie 15 von bzw. nach Frankfurt; zwei zusätzliche RE-Züge in der Hauptverkehrszeit am Morgen zwischen Erfurt und Jena; auch Gera profitiert durch Verlängerung der EB 21 von den Angebotserweiterungen durch zusätzliche Direktverbindungen nach Erfurt und neue Anschlüsse zum ICE 15
Südthüringen STB 44 Erfurt - Suhl Meiningen in Erfurt bestehen neue Anschlüsse zur vollen Stunde; Verringerung der Fahrzeit um ca. 15 Minuten; Anschlüsse an ICE-Sprinter Linie 15 nach bzw. von Berlin; Neue Anschlüsse an SPNV nach bzw. von Nordthüringen
Südthüringen Erfurt - Zella-Mehlis - Meiningen täglich zwei Zugpaare Erfurt - Meiningen; werktags (außer Samstag) verkehren in der Hauptverkehrszeit drei Zugpaare als Direktverbindung Wernshausen - Schmalkalden - Zella-Mehlis - Erfurt; in Erfurt besteht Anschluss an die RE-Linie 1 in bzw. aus Richtung Weimar, Jena und Gera
Süd- und Ostthüringen STB 46 Erfurt - Ilmenau; EB 23 Erfurt - Saalfeld Einstündliche Verbindung Erfurt - Ilmenau / Erfurt - Saalfeld mit Halt auf allen Unterwegsbahnhöfen; Stündliche Flügelung in Arnstadt der Linien STB 46 Erfurt - Ilmenau und EB 23 Erfurt - Saalfeld; Dadurch neu stündliche Direktverbindungen zwischen Erfurt und Saalfeld; in Erfurt wird Anschluss zur halben Stunde in Erfurt erreicht
Süd- und Mittelthüringen Erfurt - Ilmenau drei Expresszugpaare werktags (außer Samstag) in der Hauptverkehrszeit mit Halt an ausgewählten Stationen; in Erfurt besteht Anschluss an die RE-Linie 3 in bzw. aus Richtung Weimar, Jena und Gera; Anschluss an ICE-Sprinter Linie 15 von bzw. nach Frankfurt am Main
Südthüringen und Franken Sonneberg - Nürnberg zweistündliche RE-Linie wird über die Neubaustrecke südlich von Coburg nach Nürnberg verkehren, damit Fahrzeitverkürzung um etwa 30 Minuten, Verknüpfung in Sonneberg mit den Linien nach bzw. von Neuhaus a. R. und Hildburghausen

Die ICE-Verbindung Berlin-München Der ICE-Sprinter schafft die mehr als 620 Kilometer lange Strecke zwischen Berlin und München über Erfurt in weniger als vier Stunden. Er soll werktags drei Mal täglich fahren.

Zuletzt war der Abschnitt zwischen Erfurt und Ebensfeld bei Bamberg im Landkreis Lichtenfels fertiggestellt worden. Er schließt eine Lücke in der schnellen Verbindung zwischen Bundes- und bayerischer Landeshauptstadt. Beschlossen worden war das Projekt 1991, insgesamt wurden nach Bahn-Angaben rund zehn Milliarden Euro investiert.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11.09.2017 | 12:00 Uhr
MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11.09.2017 | ab 19:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 21:38 Uhr

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26 Kommentare

13.09.2017 11:13 @Quantix 26

Aus gesamtdeutscher Perspektive wäre die Strecke nachvollziehbar gewesen, wenn sie auf direktem Wege mit kürzestmöglicher Fahrzeit, Einbindung der Bevölkerungsschwerpunkte und ohne Einschränkungen für den Güterverkehr gebaut worden wäre. So fährt sie einen Umweg, läßt ausgerechnet das bevölkerungsstarke Westsachsen (eine der größten deutschen Agglomerationen) aus und ist für die Güterzüge kaum nutzbar (Trassenameldungen für 2018 übrigens: 0!). Das Gerede von Palermo und Nordpol und so ist hochgradiger Bullshit. Kein geistig gesunder Mensch wird solche Distanzen auf dem Schienenweg zurücklegen. Unter dem Strich taugt die Strecke nur (oder immerhin noch) als schnelle Verbindung Berlin - München, aber der Preis, den Thüringen für den Vorteil Erfurts bezahlt hat, ist viel zu hoch. Jedes deutsche Bundesland versucht, möglichst viele seiner Städte ans Fernzugnetz anzuschließen. Thüringen tut das Gegenteil und ist auch noch stolz darauf.

12.09.2017 00:59 Mauseklatsche 25

#19 - Ihre Argumente sind abenteuerlich. Die Fahrzeitzuschläge auf der Saalbahn haben mit den Baumaßnahmen allenfalls marginal zu tun - eher mit dem Zielkonflikt, den ein Produkt des Nahverkehrs hat, wenn es Aufgaben des Fernverkehrs ersetzen soll - womit die Bürger jahrelang vom schwarzen Verkehrsministerium verdummt wurden. Richtung Süden mag man die Fahrzeitverschlechterungen auf der Saalbahn ja noch durch Umsteigen vermeiden (zu welchem Preis?), nicht jedoch nach Norden. Übrigens habe ich noch nie jemanden in Jena fordern hören, ein Knoten sein zu wollen. Was also soll Ihr Geseiere dazu? Geltungssucht ist doch nun wirklich die Erfurter Spezialität. Ich frage mich wirklich, warum es für manche hier so schwer zu verstehen ist, dass es bspw. für einen Pendler zwschen Jena und Leipzig tatsächlich ein Einschnitt ist, wenn er ab nächstem Jahr täglich fast eine Stunde mehr im Zug verbringen und selbst auf dieser kurzen Strecke noch in Naumburg oder Großheringen umsteigen soll.

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