Angeklagte und Verteidiger im Gerichtssaal
Angeklagte und Verteidiger im Gerichtssaal zum Prozessauftakt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landgericht Erfurt Haftstrafen nach Misshandlung im Gefängnis Tonna

Sie misshandelten und traktierten einen Mithäftling: Drei Insassen des Gefängnisses Tonna wurden vom Landgericht Erfurt verurteilt - der Hauptangeklagte erhielt drei Jahre und drei Monate.

Angeklagte und Verteidiger im Gerichtssaal
Angeklagte und Verteidiger im Gerichtssaal zum Prozessauftakt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Drei Insassen des Gefängnisses Gräfentonna sind am Freitag vor dem Landgericht Erfurt zu Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten einen Mithäftling minutenlang getreten und misshandelt. Nach Angaben des Landgerichts erhielt der Hauptangeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung mit Nötigung eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Da das Verfahren so lange gedauert habe, wertete das Gericht zwei Monate bereits als verbüßt. Seine beiden Komplizen wurden wegen Beihilfe zu je einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt.

Sie drohten Opfer mit dem Tod

Angeklagte und Verteidiger im Gerichtssaal
Zwei der Angeklagten Bildrechte: MDR/Vesselin Georgiev

Die Männer im Alter zwischen 31 und 39 Jahren hatten den Mithäftling in dessen Zelle durch Tritte und Schläge so stark traktiert, dass er einen Jochbeinbruch und Hämatome erlitt. Außerdem büßte der 33-Jährige auf dem linken Auge 30 Prozent an Sehkraft ein. Der Mann saß wegen fahrlässiger Tötung seiner Tochter eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten ab. Seine Tochter war an Überhitzung gestorben. Die Beschuldigten sollen den Mann außerdem als Kindermörder beschimpft und ihm gedroht haben, ihn umzubringen, sollte er den Übergriff melden. Ein vierter Angeklagter war verhandlungsunfähig.

Mitglied bei "Saat des Bösen"

Im Prozess wurde auch ein Überwachungsvideo gezeigt. Darauf war zu sehen, wie zwei Männer in die Zelle des Opfers gehen und erst nach 15 Minuten wieder herauskommen. Zwei weitere Männer versperrten offenbar den Fluchtweg. Vor dem Landgericht schwiegen die Angeklagten. Einer von ihnen sagte zum Prozessauftakt nicht einmal seinen Namen. Die drei Angeklagten saßen schon mehrmals im Gefängnis. Einer erstach 2011 in Leipzig einen Mann und sitzt deshalb 13 Jahre in Sicherheitsverwahrung. Ein anderer sitzt wegen Mordes lebenslang ein. Der dritte Angeklagte soll ein führendes Mitglied der Straßengang "Saat des Bösen" sein. Der Prozess fand deshalb unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt.

Quelle: MDR THÜRINGEN / dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. Oktober 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2017, 14:31 Uhr

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1 Kommentar

20.10.2017 17:09 Randerfurter 1

Wie kommt ihr darauf, dass die "Saat des Bösen" eine Straßengang ist? Kann natürlich sein, dass der MDR eine Straßengang anders definiert als ich.
Ansonsten wurde diese Vereinigung von Verbrechern in der Jugendvollzugsanstalt Ichtershausen gegründet. Als Straßengang würde ich die nicht bezeichnen, damit brüsten die sich noch. Am Besten ihr erwähnt diesen Namen gar nicht mehr da sie sich dadurch nur noch besser fühlen. Nennt sie was sie sind, Verbrecher.

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