Landgericht Erfurt Angeklagte schweigen im Misshandlungsprozess

Sie sollen einen Mithäftling in der Justizvollzugsanstalt in Gräfentonna minutenlang getreten und misshandelt haben. Drei Männer müssen sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Erfurt verantworten. Sie sind wegen Körperverletzung und Nötigung angeklagt. Doch zum Prozessauftakt äußerten sich die Beschuldigten nicht.

Ein Transporter fährt in die Justizvollzugsanstalt Tonna.
Das Opfer wurde in der Justizvollzugsanstalt Tonna verprügelt und misshandelt. Bildrechte: dpa

Die Anklage: Die Männer im Alter zwischen 31 und 39 Jahren sollen den Mithäftling in dessen Zelle durch Tritte und Schläge so stark traktiert haben, dass er einen Jochbeinbruch und Hämatome erlitt. Außerdem habe der 33-Jährige auf dem linken Auge 30 Prozent an Sehkraft eingebüßt. Der Mann saß wegen fahrlässiger Tötung seiner Tochter eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten ab. Seine Tochter war an Überhitzung gestorben. Die Beschuldigten sollen den Mann als Kindermörder beschimpft und ihm gedroht haben, ihn umzubringen, sollte er den Übergriff melden. Ein vierter Angeklagter ist verhandlungsunfähig.

Im Gericht wurde am Mittwoch ein Überwachungsvideo abgespielt. Darauf zu sehen: Zwei Männer, die in die Zelle des Opfers gehen und erst nach 15 Minuten wieder herauskommen. Zwei weitere Männer sollen den Fluchtweg versperrt haben.

Angeklagte und Verteidiger im Gerichtssaal
Die Angeklagten saßen bereits mehrfach im Gefängnis. Bildrechte: MDR/Vesselin Georgiev

Die drei Angeklagten schwiegen vor dem Landgericht, einer von ihnen sagte nicht einmal seinen Namen. Das Gericht hat daraufhin die Lebensläufe der drei Beschuldigten verlesen. Alle drei saßen schon mehrfach im Gefängnis. Einer von ihnen hat 2011 einen Mann in Leipzig erstochen und sitzt 13 Jahre in Sicherheitsverwahrung, ein anderer sitzt wegen Mordes lebenslang im Gefängnis. Der dritte Angeklagte soll ein führendes Mitglied der Straßengang "Saat des Bösen" sein. Der Prozess begann deshalb unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.

Er wird am 18. Oktober fortgesetzt. Dann sollen auch ein Justizvollzugsbeamter und das Opfer als Zeugen gehört werden. Bisher sind vier Verhandlungstage vorgesehen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11. Oktober 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 20:38 Uhr

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2 Kommentare

13.10.2017 15:02 frank r. 2

Die würden bei mir nicht mehr freigelassen werden, denen geht einfach noch zu gut im Knast.

12.10.2017 17:22 jochen 1

Wenn ich "Männer" lese weis ich sofort Bescheid.
Zwischen den Zeilen lesen ist in der heutigen Zeit angesagt.

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