Mit Sonnenschirmen vollgestellter Strand
Bildrechte: Paul-Philipp Braun/MDR

Erfurter leidet unter Griechenland-Krise Auswanderer will nach 26 Jahren Rhodos heim

Sommer, Sonne, Strand: Für viele Menschen ist Rhodos einer der absoluten Sehnsuchtsorte. Allein vom Flughafen Erfurt-Weimar aus werden bis zum Ende der Saison im November mehr als 10 000 Passagiere die Insel im östlichen Mittelmeer angeflogen haben. Ein Sehnsuchtsort ist Rhodos auch für Alexander Nowaczyk - genauer: war.

Mit Sonnenschirmen vollgestellter Strand
Bildrechte: Paul-Philipp Braun/MDR

Vor 28 Jahren verbrachte der gebürtige Erfurter einen gemeinsamen Urlaub mit seiner ersten großen Liebe. "Als die Beziehung kurz danach in die Brüche ging, da zog es mich allerdings wieder hin. Ich kratzte mein Erspartes zusammen und ging für drei Monate nach Rhodos. Ich trauerte meiner Beziehung nach und verliebte mich ganz nebenbei in Land und Leute", erinnert er sich.

Mann in weißem T-Shirt steht in dicht begangener Gasse
Bildrechte: Paul-Philipp Braun/MDR

Kurz darauf wanderte er nach Rhodos aus, schlug sich zunächst als Hilfsarbeiter beim Hotelbau durch und erlernte dann das Goldschmiede-Handwerk: "Wir haben hier gut gelebt. Die Touristen kamen und kauften so gut, dass wir uns ein angenehmes Leben leisten konnten."

2010 aber kam die Euro-Krise, die auch die griechischen Inseln immer mehr in den Strudel aus Steuererhöhungen und Lohnkürzungen zog. Inzwischen liegt die Mehrwertsteuer in ganz Griechenland bei 24 Prozent, wegen der Kapitalkontrolle kann ein Unternehmer im Monat nur noch 1680 Euro von seinem Konto abheben und ein Billig-Tourismus mit Gästen aus den ehemaligen Ostblockstaaten ergreift das Land. "Man kann hier einfach nicht mehr leben. Wenn ich eine Stromrechnung über 250 Euro bekomme, dann habe ich davon gerade einmal 40 Euro an Strom verbraucht. Der Rest geht für die Sparpakete der Regierung drauf", sagt Alexander Nowaczyk, der bald schon seine Trauminsel verlassen wird: "Zum Ende der Saison werde ich zurück nach Deutschland gehen, um dort einen Job in der Gastronomie und vielleicht auch eine neue Frau zu finden. Trotz aller Schönheit dieses Landes kann ich hier einfach nicht länger leben. Die Staatskrise frisst einen mit auf."

Ob er aber nach Thüringen zurückkehren wird, das weiß er noch nicht. "Ich komme dorthin, wo ich eine Arbeit finde. Nach Rhodos würde ich aber dennoch eines Tages gern zurückkehren. Vielleicht als Rentner, um meinen Lebensabend am Meer zu verbringen."

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 13.09.2017 | ab 15:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 07:00 Uhr

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2 Kommentare

13.09.2017 00:08 part 2

Diesen Artikel sollte man mal Herrn Juncker oder Herrn Schneider von der SPD zusenden um aufzuzeigen wie sich Austeritätspolitk auswirkt und welche Verwerfungen mit der Eurodiktatur nun auch den kleinen Mittelstand erreichen um ein spekulatives System noch etwas vor dem Untergang zu bewahren.

13.09.2017 13:16 Pattel 1

Das kann passieren bei der Rosinenpikerei.

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