Pläne für Generatorenwerk Siemens-Mitarbeiter stürmen aus Versammlung

Es wurde befürchtet und ist jetzt Gewissheit: Das Erfurter Siemenswerk soll entweder verkauft oder Mitarbeiter entlassen werden. Über diese zwei möglichen Optionen informierte der Elektronikkonzern am Freitag die Beschäftigten. In einer Mitarbeiterversammlung hatte Siemens die Pläne vorgestellt. Gut 500 Beschäftigte, die anwesend waren, stürmten daraufhin enttäuscht aus der Versammlung.

Betriebsratsvorsitzender Mario In der Au sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Sie sind hochgradig enttäuscht von der angekündigten Planung und können das in keinster Weise nachvollziehen." Laut In der Au sei für Freitagnachmittag die Produktion gestoppt worden. Auch die Spätschicht werde ihren Dienst nicht antreten. Erst am Montag werde wieder gearbeitet.

Menschen versammeln sich vor Siemens-Generatorenwerk
Siemensmitarbeiter protestieren vor dem Erfurter Werk. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Bernd Spitzbarth von der IG Metall sprach von weit mehr als 200 Stellen, die gestrichen werden sollten. Seinen Angaben zufolge wolle Siemens als eine der Optionen einen "Personalabbau mit Produktverschlankung" vornehmen. Siemens wollte sich dazu am Freitag nicht äußern. Die Stimmung während der Mitarbeiterversammlung sei explosiv gewesen, sagte In der Au. "Das habe ich schon lange nicht mehr erlebt, so eine Stimmung. Tränen sind geflossen."

Es soll Kaufinteressenten geben

Wie ein Mitarbeiter gegenüber MDR THÜRINGEN sagte, habe die Erfurter Werksleitung offenbar eingeräumt, schon seit Wochen von den Verkaufsplänen gewusst zu haben. Es habe geheißen, dass am Standort Erfurt keine Entwicklung stattfinde und somit keine Kompetenzen vorhanden seien. In der Mitarbeiterversammlung sei auch die Rede davon gewesen, dass es einen Kaufinteressenten gebe. Laut Betriebsrat sind in dem Erfurter Werk 580 Menschen fest angestellt, hinzu kommen Azubis und Zeitarbeiter.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. November 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. November 2017, 15:00 Uhr

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13 Kommentare

18.11.2017 00:20 Uwe S. 13

Es ist schade, daß immer wieder trotz schwarzer Zahlen Produktionen "verlagert" werden.
Hier könnte man fast meinen, das Herr Käser und seine "Manager-Kollegen" kein Faible für effizient arbeitende Betriebsteile haben.
Oder werden hier amerikanische Lobbyisten bedient?
Eine Produktion, die Profit einfährt, in Deutschland abzuziehen, um sie in den USA weiterzuführen, weil sie angeblich in Deutschland "nicht gut genug" ist? Das stinkt verdammt zum Himmel.
Mal ganz abgesehen von den in Frage gestellten Arbeitsplätzen.
Mal ganz abgesehen davon, daß sich die Siemensianer bisher mit ihrem Konzern identifiziert haben.
Das ist jetzt vorbei.

18.11.2017 18:20 NOrddeutscher 12

Firmen wurden mit Subventionen gelockt. Nun sind die Subventionen aufgebraucht. ( siehe Nokia Bochum)
Aufbau-Ost-Gelder gehören nur an regionale Firmen ausgezahlt. (Starter-Bonus) Die sind verwurzelt in der Region.

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