Generatorenwerk Siemens will Produktion aus Erfurt in die USA verlagern

Siemens will die Produktion profitabler Großgeneratoren aus dem Werk Erfurt in die USA verlagern. Das hat MDR THÜRINGEN aus den Reihen der Belegschaft erfahren. Generatoren mit einer Leistung von 150 Mega-Volt-Ampere aufwärts bis 370 Mega-Volt-Ampere (MVA) wolle Siemens künftig in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina fertigen lassen. Siemens hat eine E-Mail-Anfrage von MDR THÜRINGEN zu dieser Information bislang nicht beantwortet.

Ein Schwerlasttransporter auf der A71 bei Erfurt
255 Tonnen schwerer Generatorständer aus dem Siemens-Werk Erfurt auf der A71 auf dem Weg zum Elbhafen Aken in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: dpa

"Dadurch ist Fortbestand des Standorts gefährdet"

Der regionale IG-Metall-Chef Bernd Spitzbarth sagte dazu, in diesem Falle werde das Siemens-Kompetenzzentrum Erfurt in Frage gestellt. Der Fortbestand sei gefährdet. Der Standort werde ineffizient und systematisch nach unten gefahren. Sollte die Produktion tatsächlich realisiert werden, würde eine erst zwei Jahre alte Entscheidung rückgängig gemacht. Damals habe das Erfurter Generatorenwerk die Produktion luftgekühlter Generatoren für den 50- und 60-Hertz-Markt von den Siemens-Schwesterwerken in Charlotte und Mülheim an der Ruhr (NRW) übernommen. Damals sei die Verlagerung damit begründet worden, dass Erfurt am kostengünstigsten produziere. 60 Hertz ist die Frequenz der allgemeinen Stromnetze in Nordamerika und Teilen Südamerikas, 50 Hertz im Rest der Welt.

Siemens verweist auf erheblichen Investitionsbedarf

Am Freitag war bekanntgeworden, dass Siemens das Werk in Erfurt verkaufen oder die Produktion in der Fabrik zusammenstutzen will. Nach den Informationen aus den Reihen der Belegschaft soll die Fertigung der gewinnbringenden Großgeneratoren in beiden Varianten ausgelagert werden. Nach Angaben des IG-Metall-Regionalchefs Spitzbarth soll die Entscheidung für eine der beiden Optionen für das Erfurter Werk vor der Siemens-Hauptversammlung am 31. Januar getroffen werden. Die Konzernleitung verweise darauf, dass für den Standort Erfurt ein erheblicher Investitionsbedarf bestehe.

In dem Siemens-Generatorenwerk arbeiten 700 Menschen. Die IG Metall geht davon aus, dass einschließlich Ehepartnern, Kindern und Beschäftigten bei Zulieferern mehr als 3.500 Menschen von den Siemens-Plänen betroffen sind. Für ein Land wie Thüringen ginge eine immense Kaufkraft verloren, wenn Stellen wegfielen. Die Politik sei daher gefordert - auch wegen weiterer Standortschließungen wie denen von Coca-Cola in Weimar oder der Insolvenz der Bäckereikette Elmi. Deutschland brauche einen Entscheidungsträger, wie zum Beispiel bei Volkswagen, der sich zum Standort Deutschland bekenne.

Seit dem Produktionsstart 1995 wurden im Siemens-Werk in Erfurt mehr als 1.000 Generatoren produziert. 750 davon sind weltweit noch in Betrieb. Zusammen können sie fast 65 Millionen Menschen mit Strom versorgen - das entspricht etwa der Einwohnerzahl Frankreichs.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. November 2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2017, 16:17 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

72 Kommentare

20.11.2017 19:32 petrusus 72

. Da scheint es lohnend für den Konzern. Die Ware Arbeitskraft könnte billiger sein. Vielleicht gibt's auch ein Schmankerl vom Staat, wenn sie dort siedeln. Es ist eine Auswirkung der weltweiten Konkurrenz , welches dann auf Arbeiter verzichtet, die "zu teuer " sind. Das ist eine Facette des hochgelobten freien Marktes. Das ist normal.

20.11.2017 19:16 Aladdin 71

https://de.m.wikipedia.org/wiki/BlackRock

Mehr aus der Region Erfurt - Arnstadt

Mehr aus Thüringen