Neues Konzept für Generatorensparte Sorgen um Siemenswerk in Erfurt

Siemens plant offenbar eine Radikalkur für die Kraftwerkssparte. Das berichtet die Spiegel Gruppe, die sich auf Unternehmenskreise beruft. Demnach bereitet Siemens-Chef Joe Kaeser einen massiven Abbau im Kraftwerksgeschäft vor. Davon soll auch das Siemens-Generatorenwerk in Erfurt mit derzeit rund 700 Beschäftigten betroffen sein.

Im Siemens-Generatorenwerk in Erfurt kontrolliert ein Mitarbeiter die Bauteile eines Generatorständers.
Rund 700 Beschäftigte arbeiten im Erfurter Generatorenwerk von Siemens Bildrechte: dpa

Dem Bericht zufolge ist angedacht, das Erfurter Werk zu verkaufen. Bis zu elf der weltweit 23 Standorte von "Power & Gas" sollen internen Plänen zufolge geschlossen oder verkauft werden. In der Sparte arbeiten allein in Deutschland 12.000 Beschäftigte. Infolge der Investitionen in die Erneuerbare Energien würden derzeit kaum Gaskraftwerke bestellt und gekauft.
Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) kündigte an, kurzfristig Kontakt mit der Werks- bzw. Konzernleitung aufzunehmen. Erst danach könne er die Situation richtig einschätzen und Konsequenzen daraus ziehen. Getroffen hat er sich am Mittwoch bereits mit Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein und dem Betriebsratsvorsitzenden des Unternehmen, Mario In der Au. Der forderte, mögliche Restrukturierungsvorhaben des Konzerns dürften nicht zu Lasten der Beschäftigten in Deutschland, den Standorten und Erfurt gehen.

Oberbürgermeister Bausewein (SPD) erklärte im Anschluss: "Das Siemens-Generatorenwerk gehört zu den größten industriellen Arbeitgebern in Erfurt, und wir werden weiterhin alles uns mögliche tun, um den Standort zu erhalten und zu stärken." Der IG-Metall-Bevollmächtigte Bernd Spitzbarth sagte, die IG Metall werde nicht tatenlos zusehen, wenn das Know-How bei Siemens Deutschland und - regional gesehen - des Generatorenwerkes Erfurt verschleudert werden solle. "Wird trotzdem der Versuch unternommen, dies durchzusetzen, werden die Beschäftigten mit der IG Metall die Auseinandersetzung auch außerhalb der Werkstore nicht scheuen. Es darf kein Standort aus der Siemens AG herausgebrochen werden", so Spitzbarth.

Quelle: Spiegel Gruppe / MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 19. Oktober 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2017, 20:20 Uhr

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3 Kommentare

20.10.2017 19:48 Peter Bär 3

Die Aussage über OB Bausewein ist natürlich Unsinn - natürlich erfährt er es auch über die Medien oder durch Siemens bzw. dessen AN-Vertreter. Ich denke, das wäre auch einem Herrn Ruge nicht anders gegangen. Prinzipiell ist Siemens Erfurt ein Top-Unternehmen, welches sich ach sehr um seine Mitarbeiter kümmert. Ich selbst bin dort zwar nur im Rahmen meiner Tätigkeit, wenn wir als Dienstleister dort arbeiten. Ich würde es sehr schade finden, wenn ausgerechnet ein Unternehmen in Erfurt verschwinden würde, wo alles Erdenkliche für die eigenen Mitarbeiter stimmt. Die Beschäftigten sind sicher zu recht sicherlich stolz auf "Ihr" Siemens und die Verwaltung im Hauptsitz sollte eigentlich auch auf die Belegschaft stolz sein. Zudem könnte die Nachfrage auch wieder steigen, wenn man die Sanktionen gegen gewisse Länder überdenkt....

20.10.2017 14:39 Quantix 2

Die Entwicklung im Kraftwerksbau ist doch schon seit etwa drei Jahren absehbar gewesen. Genug Zeit also, um in Ruhe über die Zukunft des Standortes zu verhandeln. Wie kann es also sein, dass der OB, der plötzlich lauthals beteuert, wie wichtig das Unternehmen für die Stadt ist, von dieser Entwicklung aus der Zeitung erfährt? Was macht der Mann den ganzen Tag? Ist es nicht gerade Aufgabe des OB, solche Entwicklungen durch regelmäßige Gespräche frühzeitig zu erfahren, sie zu antizipieren und dann spätestens jetzt einen vorläufigen Fahrplan für die nächsten Jahre zu präsentieren? Unser OB sollte sich ernsthaft überlegen, ob er der Gesellschaft in seinem ursprünglich erlernten Beruf nicht besser dienen kann.

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