Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Ferienheim nach der Erweiterung von 1974: Eingang im neuen Zwischentrakt zwischen Alt- und Neubau Bildrechte: Archiv

Thüringer Ferienorte früher und heute Gäste aus aller Welt im Tabarzer FDGB-Heim "Theo Neubauer"

Es war eines der ersten FDGB-Ferienheime, das in der DDR neu gebaut wurde: das "Theo Neubauer" in Tabarz. Etwas abseits vom Ort entstand am Waldrand ein langgezogener, leicht geschwungener Bau, der heute unter Denkmalschutz steht. Zu DDR-Zeiten erholten sich dort auch ausländische Gäste.

von Ruth Breer

Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Ferienheim nach der Erweiterung von 1974: Eingang im neuen Zwischentrakt zwischen Alt- und Neubau Bildrechte: Archiv

Die alten Postkarten aus der Anfangszeiten zeigen eine bürgerliche Idylle: Musik- und Lesezimmer mit gediegenen Sesseln und Deckchen auf den niedrigen Tischen. Von außen wirkt das Gebäude bis heute wie ein Sanatorium: ein dreigeschossiger Bau im Grünen, leicht halbrund gebogen, zum Tal hin mit durchgehenden Balkonen und einer Freiterasse. Anfang der 1970er-Jahre wurde das Haus erweitert um einen Bettentrakt. Ein runder Glasbau verband den Neubau mit dem ursprünglichen Gebäude, dort sind seither der Haupteingang und die Rezeption untergebracht.

Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
So sieht die Rezeption heute aus - im Vergleich zu den 1970er-Jahren Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Im FDGB-Ferienheim "Theo Neubauer" verbrachten Werktätige von der Küste, aus der Lausitz, aus Halle und Leipzig Urlaub im Thüringer Wald. Mit festgeplantem Programm: Wer 13 Tage blieb, bekam nicht nur drei Mahlzeiten am Tag, sondern auch einen Begrüßungsabend, drei Tanzabende, einen 3D-Vortrag über Thüringen, erlebte einen Zauberer, Folklore und Kino. Die Tanzbar im Untergeschoss war am Wochenende bis zwei Uhr morgens geöffnet und bot Livemusik.

Dabei blieben DDR-Bürger nur im Winterhalbjahr unter sich: Ab April kamen Tschechen und Slowaken, erinnert sich Olaf Becker, der seit 1982 in dem Hotel im Service arbeitet. Und ab Juni Urlauber aus Ungarn, der Sowjetunion und, tatsächlich: Holländer, Dänen, Engländer, Franzosen, Belgier und Italiener. Sie reisten über ihre Gewerkschaft an. Bei der Verpflegung habe es für die Ausländer Extras gegeben, sagt Becker: Joghurt und Säfte zum Frühstück, Mineralwasser und Kuchen zum Mittag. Im Sommer hätten die deutschen Gäste nur zwischen 7 und 8 Uhr frühstücken können - danach wurde umgedeckt. Außerdem gab es ein gesondertes Abschiedsessen für die ausländischen Gäste im Kultursaal. Olaf Becker kennt die Speisefolge noch auswendig: Klare Brühe mit Einlage, Steak mit Champignons und Kroketten und danach Eisbecher.

Im Sommer wurden 180 DDR-Bürger und 123 ausländische Gäste im FDGB-Ferienheim verköstigt. Nicht alle schliefen auch hier: Ein Teil war in umliegenden Privatunterkünften untergebracht. Der Umgang miteinander sei nicht schwierig gewesen, sagt Becker. An Tanzabenden hätten sich die Gruppen gemischt, es habe Fußballspiele gegeben: Hotelmannschaft gegen Ausländer. In einer Vitrine am Speisesaal wurden die Geschenke der Gäste ausgestellt.

Ferienorte früher und heute in Bildern

Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Es war eines der ersten FDGB-Ferienheime, das in der DDR neu gebaut wurde: das "Theo Neubauer" in Tabarz. Hier: Der denkmalgeschützte Altbau heute. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Es war eines der ersten FDGB-Ferienheime, das in der DDR neu gebaut wurde: das "Theo Neubauer" in Tabarz. Hier: Der denkmalgeschützte Altbau heute. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Etwas abseits vom Ort entstand am Waldrand ein langgezogener Bau. So sehen die Zimmer des heutigen Tagungshotels aus. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Rezeption damals und heute: Zu DDR-Zeiten erholten sich in Tabarz auch viele ausländische Gäste. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Das Ferienheim in Tabarz nach der Erweiterung von 1974: Der Eingang im neuen Zwischentrakt zwischen Alt- und Neubau. Bildrechte: Archiv
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Diese Archiv-Aufnahme des Speisesaales im Tabarzer FDGB-Heim "Theo Neubauer" stammt aus den 1950er-Jahren. Bildrechte: Archiv
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Etwa um die gleiche Zeit wurde die Bar im Tabarzer FDGB-Heim "Theo Neubauer" fotografiert. Bildrechte: Archiv
Das einstige FDGB-Ferienheim August Bebel in Friedrichroda
Das FDGB Heim "August Bebel" in Friedrichroda war mit rund 1.500 Betten das größte in Thüringen. Es eröffnete 1980. Bildrechte: Berghotel Betriebs GmbH und Co.
Das einstige FDGB-Ferienheim August Bebel in Friedrichroda
Schon Ostern 1991, also nach nur rund drei Monaten Schließzeit, konnte das FDGB Heim "August Bebel" als "Berghotel Friedrichroda" wieder öffnen. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Das einstige FDGB-Ferienheim August Bebel in Friedrichroda
Aufgrund seiner Bauweise und der exponierten Lage erhielt das FDGB-Heim "August Bebel" in Friedichroda schnell Spitznamen wie "Maya-Tempel" oder "Bienenkorb". Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Blick auf ein Plattenbau-Hotel 1996. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
1960 trainierte hier Täve Schur mit der Nationalmannschaft der Friedensfahrt, heute ... Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Eine Hotel-Rezeption im Stil des Jahres 1996. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
... ist aus dem FDGB-Ferienheime "Frankenwald" in Wurzbach das Familienhotel "Aparthotel am Rennsteig" geworden. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Blick auf eine Hotelanlage mit Treppe,Spielplatz, Gebäude. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach im jahr 1996, heute Aparthotel am Rennsteig
Das einstige Wurzbacher FDGB-Heim "Frankenwald“ bis heute ein Urlaubshotel geblieben. Diese Aufnahme stammt von 1996. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Blick in eine Hotelzimmer im jahr 1996. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
Das "Frankenwald" in Wurzbach war das letzte FDGB-Heim, das in der DDR gebaut und 1985 eröffnet wurde. Hier: Ein Blick in ein Hotelzimmer im Jahr 1996. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Weiß bezogene Betten auf rotem Teppich in einem Hotelzimmer. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig.
So sehen die Zimmer im heutigen "Aparthotel am Rennsteig" in Wurzbach aus. Bildrechte: Stefanie Reinhardt/ MDR
Blick in den Speisesaal eines Hotels 1996.  Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
Der Speisesaal des früheren FDGB-Heims in Wurzbach 1996. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Der moderne Speisesaal eines Hotels mit Roten Stühlen und weißen Tischdecken. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
Nach und nach modernisierte die Familie Neubeck aus Bayern das Hotel in Wurzbach. So sieht der Speisesaal des "Aparthotel am Rennsteig" heute aus. Bildrechte: Stefanie Reinhardt/ MDR
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Anfang der 1990er-Jahre kaufte die AOK das Ferienheim von der Gemeinde. Die Krankenkasse sanierte die Gebäude aufwändig und baute zahlreiche Seminarräume ein. 1994 wurde es als reines Bildungszentrum wiedereröffnet. Ab 1998 wurde es zum Tagungshotel. Vor drei Jahren hat der Tabarzer Hotelier Mario Peschke das Haus erworben. Mittlerweile liege der Anteil der Tagungsgäste bei 70 Prozent, sagt Betriebsleiter Winfried Krüger, 30 Prozent sind Touristen. Das Haus verfügt über 96 Zimmer mit 144 Betten, es gibt 18 Seminar- und Tagungsräume, ein Schwimmbad, das erst vor zwei Jahren saniert wurde, Saunen und einen Fitnessbereich. Ein Hotel, das seine Geschichte nicht versteckt: Wenn Gäste danach fragen, können sie sich auf einem Bildschirm im Eingangsbereich eine ausführliche Foto-Dokumentation über rund 65 Jahre anschauen: von der Baustelle bis heute.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: Johannes und der Morgenhahn | MDR THÜRINGEN - Das Radio | 07.07.2017 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2017, 14:44 Uhr

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1 Kommentar

07.07.2017 16:00 Graf von Henneberg 1

Da haben doch tatsächlich die Diktatur der Kommunisten dazumal was für die Arbeiterschaft getan. So was sucht in Deutschland seinesgleichen.

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