Mitte/West-Thüringen

Weimar : Goethe- und Schiller-Archiv wieder offen

Nach zwei Jahren Generalsanierung hat das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar wieder für Besucher und Wissenschaftler geöffnet. Seit dem Sommer 2010 war das Gebäude erstmals in seiner Geschichte umfassend restauriert und sicherheitstechnisch auf den neuesten Stand gebracht worden. Der Umbau kostete insgesamt 9,2 Millionen Euro. Als Teil des Masterplans "Kosmos Weimar" der Klassik Stiftung flossen dafür Gelder des Bundes, des Landes und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Neumann und Matschie würdigen neues Archiv

Thüringens Kultusminister Christoph Matschie sagte zur Wiedereröffnung am Donnerstag, die Sanierung sei ein wichtiger Schritt gewesen, das klassische Erbe Deutschlands zu pflegen und für neue Generationen aufzuarbeiten. Die Schätze der deutschen Literatur seien hier in den besten Händen. Kulturstaatsminister Bernd Neumann erklärte, mit der "Wiedereröffnung des Goethe- und Schiller-Archivs sind wir einen großen Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Masterplans 'Kosmos Weimar' weitergekommen. Der Neubau eines Bauhaus-Museums und der Ausbau des Stadtschlosses zur 'neuen Mitte' des klassischen Weimar werden folgen".

Moderne Technik und größere Magazine

Oleander blüht am Donnerstag (05.07.2012)vor dem Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar. Nach grundlegender Sanierung wurde das Gebäude am selben Tag wiedereröffnet.
Zwei Jahre lang wurde die "Schatzkammer" der deutschen Literatur in Weimar saniert.

Das Archiv war Ende des 19. Jahrhunderts als Schauarchiv für die Weimarer Klassiker eingerichtet worden. Zuletzt hatte es nicht mehr den konservatorischen Anforderungen entsprochen. Außerdem gab es nicht mehr genug Platz. Nach Angaben der Stiftung entstanden deshalb im Kellergeschoss und unter dem Vorplatz neue Magazinräume, die den Anforderungen an ein modernes Archiv gerecht werden. Für die wertvollen Schätze des Archivs könnten nun bessere Aufbewahrungsbedingungen gewährleistet werden. Insgesamt wurde die Nutzfläche um 600 Quadratmeter erweitert.

Die Magazine bekamen zudem eine moderne Gaslöschanlage. Im Fall eines Brandes würde über Luftschächte ein Gas in die Räume geleitet, das den Sauerstoffgehalt in der Luft so weit reduziert, dass das Feuer ausgeht. Sicherheitsglas in den Fenstern und Videokameras rund um das Haus sollen das Archiv gegen Einbruch sichern. Es entstanden ein neuer Eingangsbereich, ein Konferenz- und Vortragsraum sowie Werkstätten. Die Fassade des repräsentativen Gebäudes wurde gereinigt, das Mauerwerk saniert. Außerdem wurden die Lesesäle modernisiert, sodass Nutzer und Besucher jetzt bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. In einem neuen technischen Lesesaal können die Forscher zudem digitalisierte Handschriften betrachten.

Eintritt erwünscht

Neben Forschern will das Archiv auch wieder Besucher empfangen. Mithilfe von Audioguides können sie den originalgetreu sanierten Mittelsaal besichtigen, wo in Vitrinen historische Handschriften aus dem Nachlass Goethes und Schillers ausgestellt werden. Durch große Glastüren können auch die Forscher bei ihrer Arbeit in den Lesesälen beobachtet werden. Der Direktor des Archivs, Bernhard Fischer, sagte, "mit dem sanierten Haus hoffen wir auch auf eine deutlich breitere Öffentlichkeit". "Besucher sollten keine Scheu haben und mit viel Neugier in unser Haus kommen."

Besonderes Präsent zur Wiedereröffnung

Nach Angaben von Fischer will das Archiv auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Universitäten und anderen Archiven vorantreiben. Außerdem wolle man die Digitalisierung des Bestands verstärken. Ziel sei es, bis zum Jahr 2032 alle Schriften in digitaler Form vorliegen zu haben, erklärte Fischer. Zur feierlichen Wiedereröffnung konnte sich das Haus zudem über ein ganz besonderes Geschenk freuen: Von einer Gönnerin bekam das Archiv 140 Briefe aus dem Nachlass von Friedrich Nietzsche geschenkt.

Das älteste Literaturarchiv Deutschlands

Das Goethe- und Schiller-Archiv ist das älteste Literaturarchiv in Deutschland. Es wurde in den 1880er- und 1890er-Jahren geschaffen, nachdem die letzten Nachkommen der Dichter den Nachlass an das Herzoghaus von Weimar-Eisenach übereignet hatten. Von 1892 bis 1896 ließ Großherzogin Sophie auf einem Hügel über dem Ilmpark ein repräsentatives Archivgebäude bauen. Im Laufe der Zeit wurden die Nachlässe vieler berühmter Persönlichkeiten an das Goethe- und Schiller- Archiv übergeben: von Johann Gottfried Herder über Franz Liszt, Friedrich Nietzsche bis zu Georg Büchner. Zurzeit verwahrt das Archiv mehr als 130 Nachlässe. Goethes Nachlass war 2001 von der UNESCO in das kulturelle Gedächtnis der Menschheit-Fundus "Memory of the World" aufgenommen worden.

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2012, 20:47 Uhr

1. grewf:
Ich freue mich sehr über die Sanierung. Die Einrichtung hingegen ist abstoßend modern und puristisch. Ich hatte mir eine dem Haus würdigere Ausstattung gewünscht.
05.07.2012
13:42 Uhr

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Das Archiv hat geöffnet:

Mo-Do: 08:30-18:00 Uhr
Fr: 08:30-16:00 Uhr
Hans-Wahl-Straße 4
99425 Weimar

"Schätze des Goethe- und Schiller-Archivs"

Sonderausstellung zur Wiedereröffnung
05.07.-28.09.2012
Mo-Fr: 10:00-18:00 Uhr
Sa & So: 11:00-17:00 Uhr

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