Graffiti´s an einer Hauswand.
Bildrechte: MDR/Max Schörm

Erfurter Graffiti Forum Mehr freie Flächen für Sprayer

Ist das Kunst? Oder ist das schlicht eine kriminelle Schmiererei? Über Graffitis wird viel gestritten - jetzt wurde beim Ersten Erfurter Graffiti Forum diskutiert. Sprayer sollen künftig mehr legale Flächen in der Landeshauptstadt bekommen.

Graffiti´s an einer Hauswand.
Bildrechte: MDR/Max Schörm

In Erfurt soll es zukünftig mehr freie Flächen für Graffitis geben. Auf dem ersten Erfurter Graffiti-Kongress versprachen sowohl die Deutsche Bahn als auch die Kommunale Wohngesellschaft (KoWo), Flächen für Sprayer zur Verfügung zu stellen. So können Graffiti-Künstler in Zukunft etwa an der Schmidtstedter-Knoten-Brücke legal sprühen.

Graffiti Forum in Erfurt.
Vertreter von Unternehmen, Polizei und Küsntler diskutieren über den Umgang mit Graffitis in Erfurt Bildrechte: MDR/Max Schörm

Thema des Kongresses war der Umgang mit illegalen Graffitis. Wie können sie schnell und vor allem kostengünstig entfernt werden? Was kann präventiv dagegen getan werden? "Zwar ist es in Erfurt nicht so schlimm wie in Berlin oder Hamburg", sagte die Landtagsabgeordnete Marion Walsmann (CDU), "aber Graffitis sind auch hier in Erfurt seit langem Thema." Die Schirmherrin des Vereins "Stadt-Bild-Graffiti" berichtete von Bürgern, die sich bei ihr über die Schmierereien beschwert hätten.

Der künstlerische Wert der meisten Graffitis ist unumstritten, umstritten ist allerdings eine bestimmte Art von Graffitis: die sogenannten "Taggs". Diese bestehen selten aus mehr als ein paar Strichen und Kringeln und dienen als eine Art Signatur der Sprayer. Wenn sie an Hauswänden prangen, ist es oft schwer, den Bewohnern das als Kunst zu verkaufen. Vor allem wenn es sich um mittelalterliche oder Jugendstil-Fassaden handelt.

Kaum Sprayer beim Graffiti-Forum

"Da habe ich auch manchmal meine Probleme, das als Kunst zu sehen", gesteht Riccardo Kaufmann. Er ist als Vertreter der Sprayer zum Kongress geladen. Als einer von zweien. "Es ist schade, dass die Gegenseite hier fast nicht zu Wort kommt."

Ein Graffiti an einer Hauswand.
Kosmonaut Juri Gagarin an einer Erfurter Hauswand Bildrechte: MDR/Max Schörm

Kaufmann hat vor 22 Jahren als illegaler Sprayer angefangen. Inzwischen ist alles legal und er lebt von seiner Arbeit. Er sprühte beispielsweise den überdimensionalen Kosmonaut Juri Gagarin am gleichnamigen Stadtring.

"Früher, in den Neunzigern, da war das zwar auch alles illegal, aber da war die Akzeptanz in der Bevölkerung größer. Da haben wir tagsüber gesprüht, manchmal standen Leute um uns herum. Jetzt ist das alles viel kriminalisierter. Darunter leidet auch die Qualität. Die Sprayer haben einfach nicht mehr die Zeit."

Aufklärungsquote bei 40 Prozent

Junge Menschen besprühen eine Wand.
Sprayer sollen aus der Illegalität geholt werden Bildrechte: MDR/Max Schörm

Die Polizei geht hart gegen die Sprayer vor. Bis zu drei Jahren Gefängnis drohen, die Aufklärungsquote lag zuletzt bei über 40 Prozent. "Es gab 648 Anzeigen, allerdings ist die Dunkelziffer weitaus höher", sagte der Erfurter Polizeichef Jürgen Loyen.

Um die Sprayer aus der Illegalität zu holen, sollen Auftragsarbeiten und freie Flächen her. Illegale, "hässliche" Graffitis durch neue, legale Graffitis zu übermalen klingt nach einem guten Ansatz – solche Werke werden seltener erneut verunstaltet. Allerdings spielt zumindest in Erfurt die Stadtverwaltung nicht immer mit. Nicht bei allen Häusern darf man die Fassade einfach so umgestalten, auch wenn sie zuvor jahrelang vollgeschmiert war. "Diese Engstirnigkeit der Stadtverwaltung wollen wir durch solche Kongresse auch ein bisschen aufweichen", sagte Marion Walsmann.

So sollen alle zufrieden gestellt werden - die Quantität der "Taggs" wird verringert, die Qualität der Sprüh-Werke dafür gesteigert.

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2015, 14:58 Uhr

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8 Kommentare

03.07.2015 12:48 martin 8

"hand abhacken", "knie zerschiessen".. was mensch hier lesen muss. geht euch mal anständig bilden und lernt umgangsformen. [...] Passt auch nicht zu unseren Umgangsformen und wurde gelöscht. Viele Dank MDR.DE_Redaktion

03.07.2015 10:39 Helmut Seiß 7

wenn ich so wie in den USA eine Knarre haben dürfte den Sprayern würde ich [...],so das sie ihr lebenlang gekennzeichnet sind und jeder Geschädigte könnte sie dann richtig auf die Fresse hauen.Das währe die gerechte Strafe für diese Spinner, welche anderen ihr Eigentum und unser aller beschädigen. da braucht man sich nur die teuren Brücken von ICE Strecken anzusehen. [...] Aufruf zur Gewalt gelöscht MDR.DE_Redaktion

03.07.2015 08:59 Egg 6

Ja,ja......Das Auge des Betrachters

03.07.2015 08:56 Horst H. 5

Der ganz große Reiz dürfte ja im illegalen sprayen liegen. Ein paar Flächen zu Verfügung zu stellen bringt garnix. Wenn ich Hausbesitzer wäre und einer würde sich betätigen und ich ihn zu fassen kriegen. Der würde nie wieder!

02.07.2015 22:36 sorglos 4

ich erinnere nur an die schöne, weiße Wand neben der evangelischen Grundschule, Ecke Lutherstrasse. Die ist keine 24 Stunden weiß gewesen. Es war mal ein sauberes, frisches und sicher auch teures Ensemble. Die Schmierereien sind KEINE Kunst, es ist Sachbeschädigung und massive Mißachtung menschlicher Arbeit. Wie wäre es, wenn diese Möchtegerns mal ARBEITEN gingen, einen Wert schaffen und dann erleben müßten, dass binnen kurzer Zeit diese Arbeit mutwillig zerstört wird? Die Anlagen der Deutschen Bahn in Hochheim sehen grauenvoll aus, die Bahn - Wand in der Elisabethstraße ebenso. Die soetwas machen, sind einfach asozial. Echte Künstler arbeiten mit Erlaubnis und schaffen etwas Bleibendes.

02.07.2015 20:31 mbjenser 3

Möchte mal sehen wie diese [...] reagieren würden wenn jemand ihr Eigentum beschädigt. Die gehören in Steinbruch die haben doch nur Langeweile! [...] Beschimpfung gelöscht MDR.DE_Redaktion

02.07.2015 17:04 Tamico 2

Diesen Möchtegernkünstlern, gehört [...9 Sachbeschädigung ist das und eine riesen Sauerei dazu. [...] Aufruf zur Gewalt MDR.DE_Redaktion

02.07.2015 13:44 Maik 1

Ach die Qualität leidet weil die Angst haben erwischt zu werden??? Zweifelsohne, es gibt Künstler unter den Schmierfinken aber die Großzahl betreibt in meinen Augen nur Sachbeschädigung. Denn wo ist bitter der künstlerische Aspekt bei "135" oder "VCR"? Auf letztere sollte die Stadt mal 25.000 EUR für Hinweise zur Ergreifung aussetzen den es ist schon lange nicht mehr tragbar was mit dem "VCR" Geschmiere schon alles verschandelt wurde!