Kommunen in der Krise : Ein Dorf kämpft um seine Kita
Viele Gemeinden sind in Finanznot. Und einige sind sogar so überschuldet, dass das Geld fürs Nötigste fehlt. Im Dorf Hopfgarten im Weimarer Land bekommt das der ansässige Kindergarten zu spüren. Es fehlt sogar das Geld für Malpapier oder Spielzeug. Nun versuchen die Eltern mit aller Kraft das Haus zu retten.
Händewaschen im Waschraum der Kita in Hopfgarten. Das Mittagessen ist vorbei, gegeben hat es Kartoffeln mit Butter und Quark. Zu DDR-Zeiten sind die Waschräume hier entstanden, sie entsprechen bei weitem nicht den heutigen Standards. Doch die Gemeinde ist mehr als klamm. Selbst Förderprogramme nützen nichts - auch dafür müsste sie einen Eigenanteil zuschießen. Was also tun? Die Kita schließen? Auf keinen Fall, sagt Sabrina Rauscher, selbst Mutter: "Deswegen haben wir als Eltern gesagt, wir gucken mal, was Fliesen kosten, was die Bestimmungen für die Toilettenbecken sind. Wir haben eigentlich komplett alles selber gemacht. Von der Planung bis hin zum Einkauf der Materialien."
Eltern packen selbst mit an
Die Eltern aus Hopfgarten haben einen Förderverein für ihre Kita gegründet, sammeln Sach- und Geldspenden, suchen Sponsoren. Die Bauarbeiten in einem Waschraum haben schon begonnen. Sabrina Rauscher organisiert, ihr Mann übernimmt die Bauarbeiten. Für 40 Kinder ist in der Kita Platz - der Bedarf ist weit höher. Hopfgarten liegt im Weimarer Speckgürtel, hier gibt es viele Kinder. Betreuungsplätze sind knapp.
Auch Roland Bodechtel, ehrenamtlicher Bürgermeister im Dorf, weiß um das Problem: "Ein Herzenswunsch von mir ist, die Kindertagesstätte zu erhalten. Wenn ich die Kindertagesstätte aufgebe, dann geht hier auch ein Stück Leben hier in der Gemeinde verloren. Ist ja auch kein Anreiz mehr für die Eltern da, in dem Ort eventuell zu bleiben. Sodass das Leben im Ort eigentlich weniger Wert ist."
Zu lange auf sichere Einnahmen gesetzt
2010 ist Bodechtel Bürgermeister geworden. Als die Finanzmisere in Hopfgarten ihren Höhepunkt erreichte. Seitdem konnte er noch keinen Haushaltsplan erstellen - es gibt kein Geld zum Ausgeben. Die Ursachen liegen vor Bodechtels Amtszeit. Vor zehn Jahren kam ein großes Bauunternehmen nach Hopfgarten. Das wuchs von Jahr zu Jahr und damit auch die Gewerbesteuereinnahmen. Die Gemeinde nahm Kredite auf, sanierte und baute. Aber 2010 dann der Schock: Das Bauunternehmen zog weg, plözlich sackten die Gewerbesteuereinnahmen von 380.000 Euro auf nahezu null Euro im Jahr. Man hatte sich zu sehr auf die eine Firma verlassen. Nun fehlen jährlich rund 200.000 Euro in der Kasse.
Ausbaden muss das zum Beispiel Kita-Leiterin Margit Ziehn. Sie bekommt kein Budget für Büromaterial oder Malpapier. Doch auch sie gibt nicht auf: "Und da haben wir auch eine kleine Intitiative jetzt, dass wir eine Papiertonne vor dem Haus stehen haben. Wir sammeln Zeitungen und kriegen ein bisschen Geld für unsere Kasse." Das Geld investiert sie in Schreibmaterial, Kleber und Stifte.
Vom Thüringer Gemeinde- und Städtebund heißt es, für bedürftige Gemeinden hält die Landesregierung einen sogenannten Landesausgleichstock vor. 20 Millionen Euro verteilt sie daraus jedes Jahr, verbunden mit strengen Auflagen. So erarbeitet Bürgermeister Bodechtel derzeit gemeinsam mit dem Finanzministerium ein Sanierungskonzept für Hopfgarten. Mit etwas Glück könnte das Dorf in einem Jahr besser dastehen. Bis dahin muss die Kita in Hopfgarten noch mit Spenden über Wasser gehalten werden.
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