Gotha Jüdischer Friedhof geschändet

Auf dem jüdischen Friedhof in Gotha sind 20 Grabsteine mit Nazi-Symbolen beschmiert worden. Nach Polizeiangaben waren unter anderem Hakenkreuze und SS-Runen mit schwarzer Farbe aufgemalt worden. Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung haben die Schmierereien am Mittwoch entdeckt. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Sachbeschädigung und Störung der Totenruhe.

Jüdische Landesgemeinde bestürzt

Ein Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Berkach. Im oberen Bereich des Grabsteins ist ein Davidstern eingemeißelt
Ein Davidstern auf einem Grabstein (Archiv) Bildrechte: MDR/Mathias Streisel

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, hat auf die Schändung des Jüdischen Friedhofs bestürzt reagiert. Der Vorfall sei einfach traurig, unverständlich und in dieser Größenordnung einmalig, sagte er MDR THÜRINGEN. Schramm forderte, die Zivilgesellschaft dürfe Antisemitismus nicht hinnehmen.

Der Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) hatte am Mittwochabend beschämt auf die Schändung des Jüdischen Friedhofs reagiert. Er bat die Stadtratsmitglieder, mit einer Schweigeminute der Opfer der Judenverfolgung zu gedenken.

Auch Landtagspräsident Christian Carius (CDU) hat sich bestürzt geäußert. Er sagte, wer die Würde eines solchen Ortes mit einem so abscheulichen Anschlag schände, stehe außerhalb der Werteordnung. Carius sprach der Jüdischen Landesgemeinde seine tiefe Verbundenheit aus. Er sei zuversichtlich, dass die Täter gefunden werden. Es müsse die ganze Härte des Gesetzes angewandt werden.

Bereits vor neun Jahren wurde der Jüdische Friedhof an der Eisenacher Straße geschändet. Damals war vor dem 9. November ein Schweinekopf am Eingang aufgehängt worden und ein Transparent, auf dem der Holocaust geleugnet wurde. Außerdem waren Gläser mit Schweineblut über die Mauer geworfen worden. Ein Gothaer war als Täter ermittelt und zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt worden. Einen weiteren Vorfall gab es im Jahr 2004. Damals waren 16 Grabsteine umgeworfen und teilweise beschädigt worden. In den vergangenen Jahren gab es nach Angaben der Stadt keine Vorkommnisse. Der Friedhof ist mit einer Mauer umgeben, das Tor ist verschlossen.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - das Radio | Nachrichten | 08.06.2017 | ab 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2017, 14:05 Uhr

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24 Kommentare

10.06.2017 12:54 der_grenzgänger 24

Um meinem Kommentar noch etwas zu erläutern, was in den 1000 ja auch ziemlich grenzwertig machbar ist. Ich verbitte mir doch wohl sehr, linke Politik (LINKE) bzw. Politik der Mitte (CDU, SPD, Grüne) mit autokratischen Systemen zu vergleichen und mit Massenmördern wie Stalin etc. Diese Regime haben nichts mit linker Politik und mit dem aktuellen Ansichten links der Mitte zu tun, die auf dem Grundgesetz basieren. Alles andere ist total inakzeptabel. Bezüglich der Demos kann ich nur sagen: Linke Krawallmacher gibt es! Rechte Krawallmacher aber noch viel mehr. Und das ist die Realität. Das habe ich nicht aus irgendwelchen Bot-Artikeln, wie manche hier, sondern weil ich da selbst vor Ort war. Und ja: Ich habe da so ein paar No GOs, das sind: Geschichtsklitterung der Nazizeit. Glorifizierung der Nazis. Handeln wie Nazis. Ganz klar sind in Deutschland nach 1990 75-180 Menschen durch Nazis umgebracht wurden. Das finden hier Leute gut? Die bekämpfe ich mich allen Mitteln!

09.06.2017 18:44 Mediator an Luftikus (22) 23

Wenn ein jüdischer Friedhof mit Hakenkreuzen geschändet wird, dann gibt es natürlich eine geringe Chance, dass Marsmenschen für die Tat verantwortlich sind. Auch Kinder können in Frage kommen, aber die Statistik und der gesunde Menschenverstand sagt einem im Grunde genommen, dass hier höchstwahrscheinlich Rechtsextremisten am Werk waren.

Ansonsten können Sie gerne in die Zukunft orakeln, aber aktuell sind die meisten Antisemiten in Deutschland deutsche Bürger und die meisten antisemitischen Straftaten werden von deutschen Rechtsextremisten begangen.

Ansonsten gebe ich hier meine Meinung aufgrund der im Artikel genannten Fakten wieder. Was und ob die Ermittlungen etwas ergeben, dass werden wir frühestens in einem Jahr erfahren. Bis dahin können wir alle nur aufgrund von Statistiken, den bekannten Fakten und unserer Erfahrungen eine Meinung formulieren.

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