Millionenbetrug beim KiKA : Weiteres Jahr Haft für Ex-Herstellungsleiter
Wegen Millionenbetrugs zulasten des Kinderkanals KiKA ist der ehemalige Herstellungsleiter des Senders vom Landgericht Erfurt zu einem weiteren Jahr Haft verurteilt worden. Das Gericht sprach den 45-jährigen Marco K. am Montag erneut der Untreue und Bestechlichkeit für schuldig. In dem Prozess ging es um überhöhte Rechnungen, durch die dem KiKA im Zeitraum von 2006 bis 2010 ein Schaden von 1,5 Millionen Euro entstanden ist. In das Urteil floss ein erstes Urteil gegen K. vom Juli 2011 wegen gleicher Delikte über fünf Jahre und drei Monate ein. Damit liegt die Gesamtstrafe für K. wegen des Millionenbetrugs bei sechs Jahren und drei Monaten.
Zum Auftakt des inzwischen dritten Prozesses zum Betrugsskandal beim KiKA hatten K. und der ebenfalls angeklagte Geschäftsführer und Gesellschafter einer Produktionsfirma Klaus-Peter E. Geständnisse abgelegt. Sie räumten ein, gemeinsame Sache gemacht zu haben. E. stellte nach vorheriger Vereinbarung mit dem Herstellungsleiter überhöhte oder verfälschte Rechnungen an den Sender, ohne dass für den Zuschlag Leistungen erbracht worden waren. Die Initiative zu diesen Betrügereien ging vom Herstellungsleiter aus.
K. erklärte am Montag, er habe mit dem Geld seine Schulden begleichen und zudem seine Spielsucht finanzieren wollen. Außerdem habe er Finanzierungslücken bei anderen Produktionen ausgeglichen. E. entschuldigte sich für seine Taten und sagte, irgendwann sei dieses Handeln für ihn zur Normalität geworden. Die Absprachen dazu seien stets in persönlicher Atmosphäre erfolgt, etwa beim Besuch von Fußballspielen. Dabei habe ihm K. vorgeschlagen, höhere Geldbeträge in Rechnungen zu stellen, als tatsächlich an Leistungen erbracht wurde. Zudem seien auch private Gelder an den Herstellungsleiter etwa für Fußballtickets geflossen. E. wurde am Montag zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.
Zwei Verfahren abgeschlossen
Marco K. war im Juli 2011 wegen Bestechlichkeit und Untreue in 48 Fällen verurteilt worden. Er hatte einer Berliner Produktionsfirma fingierte Rechnungen ausgestellt. Dem KiKA war dadurch ein Schaden von 4,6 Millionen Euro entstanden. Mit einem Teil des Geldes hatte er seine Spielsucht und seinen gehobenen Lebensstil finanziert. In einem zweiten Verfahren im Februar war dann der ehemalige Geschäftsführer der Berliner Firma wegen Beihilfe zur Untreue und Bestechung in 48 Fällen zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe - ausgesetzt zur Bewährung - verurteilt worden.
In den beiden Prozessen, die ebenfalls am Landgericht Erfurt geführt worden waren, ging es nur um Fälle aus den Jahren 2005 bis 2010. Ermitlungen hatten aber ergeben, dass die Betrügereien schon im Jahr 2002 begonnen hatten. Insgesamt war dem KiKA dadurch ein Schaden von 8,2 Millionen Euro entstanden. Alle vor 2005 begangenen Taten sind jedoch bereits verjährt.
Weitere Ermittlungen laufen
Für die Staatsanwaltschaft endet jedoch auch mit dem dritten Verfahren die KiKA-Betrugsaffäre noch nicht. Den Angaben zufolge laufen gegen weitere acht Personen noch Ermittlungen. Zudem wurde gegen einen freien Mitarbeiter des Senders wegen Beihilfe zur Bestechlichkeit beim Amtsgericht Erfurt Anklage erhoben. Des Weiteren wurden vier Strafbefehle gegen Inhaber und Mitarbeiter von Firmen erlassen, die inzwischen alle rechtskräftig seien.
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