Protest gegen Moschee-Pläne Marbacher Bürgermeisterin distanziert sich von Kreuz-Aufstellern

Ortsteilbürgermeisterin Katrin Böhlke hat sich von den Initiatoren der Holzkreuz-Protestaktion gegen die geplante Moschee in Erfurt-Marbach distanziert. Die parteilose Kommunalpolitikerin sagte MDR THÜRINGEN am Montag, die "Bürger für Erfurt" sprächen nicht für Marbach. Die Ortsteilbürgermeisterin äußerte sich besorgt, dass die Proteste gegen den geplanten Neubau eskalieren könnten. Sie fürchte, dass die Kreuze erst der Beginn eines heftigen Widerstandes sein werden, der hoffentlich nicht in Gewalt umschlage. So hätten Moschee-Gegner in einer Nikab bereits den Gottesdienst im Ort gestört. Ein Nikab ist ein Gesichtsschleier, der nur die Augenpartie freilässt und vor allem in den muslimischen Ländern auf der arabischen Halbinsel verbreitet ist.

Protest mit Holzkreuz gegen Moschee-Baupläne in Erfurt-Marbach
Eines der beiden Holzkreuze in Erfurt-Marbach. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Die Gruppierung "Bürger für Erfurt" hatte auf einem Grundstücke nahe der geplanten Moschee-Immobilie zunächst ein und später ein zweites Holzkreuz errichtet. Die Stadtverwaltung erklärte, dass es keinen Grund gebe, gegen das Kreuz vorzugehen, für das keine Genehmigung nötig sei. solange von ihm keine Gefahr ausgehe. Nur der Eigentümer des Grundstücks müsste einen solchen Schritt veranlassen. Das Grundstück gehöre weder Stadt noch Landesentwicklungsgesellschaft.

Kritik der Kirchen

Zwei Holzkreuze auf BRachfläche
Die zwei Protest-Kreuze gegen die geplante Moschee in Erfurt-Marbach Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Die evangelische Kirche in dem Ortsteil hat die Protestaktion kritisiert. Pfarrer Ricklef Münnich sagte, es handele sich keinesfalls um ein Christus-Kreuz. Hier werde versucht, auf der grünen Wiese einen Kulturkampf "Kreuz gegen Minarett" auszurufen - von Menschen, die sich der Kirche offenkundig gar nicht zugehörig fühlten. Das sei ein Missbrauch eines christlichen Symbols, sagte Münnich. Mehrfach hatte die Kirchgemeinde im Streit um das Moschee-Bauvorhaben versucht zu vermitteln. Es sei jedoch nicht erkennbar gewesen, dass die Kritiker, die nun das Kreuz aufgestellt haben, an einem Dialog überhaupt interessiert seien, so der Marbacher Pfarrer.

Auch der evangelische Regionalbischof von Erfurt-Eisenach, Christian Stawenow, kritisierte die Protestaktion. Er sagte am Montag: "Das Kreuz Jesu Christi steht für die Liebe Gottes zu allen Menschen. Mit dem Zeichen des Kreuzes Konfrontation zu zementieren, ist das Gegenteil dessen". Das katholische Bistum Erfurt erklärte, wer das Kreuz benutze, um Teile der Gesellschaft gegeneinander auszuspielen, habe nichts von Religion und Christentum verstanden und missbrauche ein religiöses Symbol.

Ahmadiyya-Gemeinde will an Plan festhalten

In Erfurt-Marbach will die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde den ersten Moschee-Neubau in Thüringen errichten. Ihr Sprecher Suleman Malik reagierte besorgt. Die Gemeinde sei für den Dialog zwischen den Religionen. Man wolle auch das Gespräch mit den Marbachern suchen. Aber hier werde das Kreuz für anti-muslimische Ressentiments und populistische Ideologie missbraucht. Die Ahmadiyya-Gemeinde werde sich durch die Kreuz-Aktion nicht von ihrem Plan abhalten lassen, in Marbach eine Moschee zu bauen. Der Bauantrag dafür werde in den nächsten Wochen bei der Stadtverwaltung eingereicht.

Bisher existieren in Thüringen nur eine umfunktionierte Gärtnerei sowie Gebetsräume in verschiedenen Städten als Moschee. Nach Bekanntwerden der Ahmadiyya-Pläne hatten viele Marbacher unter anderem auf Einwohnerversammlungen deutlich gemacht, dass sie die Moschee ablehnen.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 06.03.2017 | ab 11 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 06.03.2017 | ab 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2017, 11:21 Uhr

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111 Kommentare

09.03.2017 11:08 @Mediator: Die Landesregierung pfeift auf die Ängste der Bürger 111

Wenn eine Kernaussage einer Religion die VORHERRSCHAFT ist, werden Sie doch den Bürgern gestatten, zu hinterfragen, was mit dieser Vorherrschaft gemeint ist? Kann eine friedliche Religion überhaupt einen Vorherrschaftsanspruch anmelden? Ich sage NEIN, da der Vorherrschaft immer eine Unterdrückung innenwohnt. Sie werden auch verstehen, dass das Misstrauen der Bürger seit dem Terrorakt auf dem Berliner Weihnachtsmarkt tief erschüttert ist. Zuvor hätte sich auch niemand gewagt, die Fussilet-Moschee zu schließen. Erst später wird dann klar, dass sie eine Brutstätte für Terrorismus war. Doch das war zu spät und hat viele Menschenleben gekostet. Relegionsfreiheit ist durch das GG geschützt. Gepaart sein muss dies jedoch zwingend mit der Möglichkeit der Kontrolle. Die Errichtung eines Gebetshauses auf dem Unigelände unter Einbeziehung eines Islamwissenschaftlers im Dienste des Landes Thüringen wäre eine vertrauensbildende Maßnahme gewesen. Alles andere sieht nach Wegschieben aus.

09.03.2017 07:38 Mediator an 108 110

Lieber Kommentator, hier geht es nicht darum, dass die Kirche ein Markenrecht am <Kreuz> hält und deshalb gegen die Aufstellung dieser Kreuze argumentiert.
Das Kreuz steht für christliche Werte und zu diesen Werten gehört die Achtung anderer Religionen und deren Angehöriger.
Die hier aufgestellten Kreuze stehen nicht für diese Werte und auch nicht dafür, dass die Kirchen gegen den Moscheebau sind. Diese Kreuze stehen nicht einmal dafür, dass die Gegner des Moscheebaus überzeugte Christen sind.
Man ist doch viel näher an der Wahrheit dran, wenn man annimmt, dass dieses Kreuz von Rechtspopulisten, Rassisten und Islamfeinden mißbraucht wird. Hier soll weder das Christentum, noch seine Werte verteidigt werden, sondern rechte Rattenfänger veruschen mit Emotionen Stimmung und Stimmen zu generieren.
Um was geht es hier? Um ein bescheidenes Gebetshaus an der Peripherie. Jede Kirchengemeinde hat da mehr m² aufzubieten wenn man die Fläche von Kirche, Pfarrwohnung und Pfarrheim addiert.

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