Mitte/West-Thüringen

DDR-Kunst : Weimar wagt zweiten Anlauf

Mehr als zehn Jahre nach der umstrittenen Ausstellung "Aufstieg und Fall der Moderne" ist in Weimar erneut eine Ausstellung zur DDR-Kunst zu sehen. Unter dem Motto "Abschied von Ikarus. Bildwelten in der DDR - neu gesehen" zeigt die Klassik Stiftung rund 260 Arbeiten der Malerei, Grafik, Fotografie und Skulptur.

Blick auf das Wandbild Ikarus von Bernhard Heisig
Blick auf das Wandbild "Ikarus" von Bernhard Heisig

Nach Angaben der Stiftung rekonstruiert die Ausstellung die Entwicklung der Kunst in der DDR - von der Darstellung des antifaschistischen Gründungsmythos über die Popularisierung der Kunst als "Ersatzöffentlichkeit" bis hin zu den Diagnosen des Systemzerfalls in den 1980er-Jahren. Dabei soll das Verhältnis zwischen "utopischem Anspruch und sozialistischer Wirklichkeit" dargestellt werden. Ziel sei eine neue Sicht auf die DDR-Kunst und ein sachlicher Diskurs.

Aus heutiger Perspektive sollen Merkmale, Spielräume und Konflikte in der Kunst von 1945 bis 1989 sachlich und unpolemisch gezeigt werden. Zu sehen sind unter anderem Werke von bekannten DDR-Künstlern wie Werner Tübke, Willi Sitte und Wolfgang Mattheuer, aber auch von A.R. Penck und Neo Rauch. Eine schematische Gegenüberstellung von "Staatskünstlern" und "Dissidenten" soll es aber nicht geben.

"Bildatlas" zur DDR-Kunst

Flankiert wird die Weimarer Ausstellung durch zwei weitere in Erfurt und Gera. Im Erfurter Angermuseum wird eine Schau zu religiösen Motiven in der DDR-Kunst gezeigt. In den Kunstsammlungen Gera steht unter dem Motto "Schaffens(t)räume" das Atelier als Ort des Künstlers im Mittelpunkt.

Hintergrund der Ausstellungen ist das vom Bund finanzierte Langzeitprojekt "Bildatlas: Kunst in der DDR". In dem dreijährigen "Bildatlas"-Projekt hatten Wissenschaftler DDR-Kunst in Museen, Wirtschaftsunternehmen und Sondereinrichtungen, die nach der Wiedervereinigung den Kunstbesitz von Parteien, Massenorganisationen und Betrieben der DDR übernommen hatten, dokumentiert. Insgesamt wurden 20.000 Kunstwerke in 160 Sammlungen erfasst. Der "Bildatlas" wurde gemeinsam von Soziologen der Technischen Universität Dresden, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, dem Kunstarchiv Beeskow und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam erarbeitet.

Bundesweiter Skandal 1999

Die Ausstellung "Aufstieg und Fall der Moderne" hatte im Kulturstadtjahr 1999 einen bundesweiten Skandal ausgelöst. Damals war die DDR-Kunst zusammen mit NS-Kunst aus der Privatsammlung Adolf Hitlers im Weimarer Gauforum gezeigt worden. Kritiker warfen den Ausstellungsmachern vor, die DDR-Kunst als nichtig und lächerlich diffamieren zu wollen. Die DDR-Kunst werde an den Pranger gestellt. Künstler fühlten sich durch die Auswahl und Hängung der Bilder diskriminiert und gingen mitunter gerichtlich gegen die Ausstellung vor. Die SED-Nachfolgepartei PDS rief sogar zu einer Demonstration gegen die Ausstellung auf. Dort bezeichnete der Maler Willi Sitte die Ausstellung als "totale Schweinerei".

Mit der Schau hatte der deutsch-deutsche Bilderstreit um Qualität und Aussagekraft von DDR-Kunst nach der Wiedervereinigung seinen Höhepunkt erreicht. Während die eine Seite der DDR-Kunst künstlerische Qualitäten zusprach, bestritt die andere Seite, dass es in dem SED-Staat überhaupt Kunst gegeben habe, da Künstler nicht frei gewesen seien. Bei den Werken handele es sich um wertlose "Staatskunst".

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2012, 16:27 Uhr

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Ausstellung "Abschied von Ikarus. Bildwelten in der DDR - neu gesehen"

Die Ausstellung ist vom 19. Oktober bis 3. Februar 2013 im Neuen Museum Weimar zu sehen.

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