Peter Franz Porträt
Peter Franz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Deutsch-jüdische Geschichte Aufarbeitungspreis für Ex-Stasi-Spitzel

Mitte der 1980er-Jahre begann der damalige Pfarrer und Stasi-Spitzel Peter Franz das Schicksal jüdischer Familien in Apolda zu erforschen. Eine Stiftung aus den USA hat ihn dafür jetzt mit einem Preis zur deutsch-jüdischen Geschichte ausgezeichnet. Der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich, sieht die Auszeichnung kritisch.

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Dem ehemaligen Pfarrer und Stasi-Spitzel Peter Franz ist am Montag der internationale Geschichtspreis "German Jewish History Award" verliehen worden. Das gab die Obermayer-Stiftung mit Sitz in Boston (USA) bekannt. Im Berliner Abgeordnetenhaus ausgezeichnet wurden fünf Deutsche, die sich um die Erinnerung an das Wirken und die Kultur deutscher Juden verdient gemacht haben. Der Preis wurde in diesem Jahr zum 16. Mal verliehen.

Stiftung: Franz setzt sich für Erhalt jüdischer Geschichte ein

In der Begründung der Stiftung hieß es, Peter Franz setze sich trotz Drohungen von Neonazis aktiv für die Dokumentation, den Erhalt und die Publikation der Geschichte der jüdischen Gemeinde von Apolda ein. Er spiele eine wichtige Rolle in der Renovierung des Wohnhauses und Geschäfts von Bernhard Prager, einem namenhaften jüdischen Bürger, und schuf daraus das Prager Haus, ein Kultur- und Informationszentrum, das sich auf Juden aus der Region konzentriert.

Der 74-jährige Franz begann Mitte der 1980er-Jahre das Schicksal jüdischer Familien in Apolda zu erforschen. Dabei konzentrierte er sich auf die Familie Prager. Der Fellhändler Bernhard Prager und seine Familie wurden von den Nationalsozialisten im Ghetto Theresienstadt und im KZ Auschwitz ermordet. Auch heute noch ist Franz im Verein Prager-Haus aktiv. Bereits im Jahr 2004 erhielt Franz das Ehrenabzeichen der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde für seine Verdienste um Frieden, Solidarität und Menschenrechte.

Dietrich: Jüdische Regionalgeschichte war erst spät Thema

Franz' Wirken ist nicht unumstritten. In der DDR war der damalige Pfarrer von Kapellendorf Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit. Wegen seiner Tätigkeit wurde er nach der Friedlichen Revolution vom Landeskirchenamt vom Dienst suspendiert. Er darf sich nicht mehr Pfarrer nennen. Der Thüringer Diktatur-Beauftragte, Christian Dietrich, sieht die Auszeichnung von Franz kritisch. Zwar stehe es der Stiftung frei, Regionalforscher zu ehren, sagte er MDR THÜRINGEN: Jedoch habe sich Franz öffentlich erst zum Ende der DDR, als eine Hinwendung zur jüdischen Regionalgeschichte ermöglicht wurde, der Erinnerung an Bernhard Prager gewidmet.

Als CDU-Mitglied und eng mit der Staatssicherheit kooperierender Pfarrer habe Franz in Kapellendorf besondere Privilegien gehabt. "Nach 1990 verweigerte er sich, die dienstrechtlichen Konsequenzen zu tragen. Erfolglos prozessierte er gegen seine Amtsenthebung", sagte Dietrich. Zugleich habe er begonnen, mit Linksextremisten zusammenzuarbeiten und sich an dem postkommunistischen Geschichtsrevisionismus im Umfeld ehemaliger hauptamtlicher SED-Funktionäre und Stasi-Mitarbeiter beteiligt.

In der Diskussion über die DDR-Aufarbeitung im Vorfeld der ersten rot-rot-grünen Regierung unter einem linken Ministerpräsidenten in Thüringen habe er gesagt, dass die historische Auseinandersetzung nicht so wichtig sei. Dietrich sagt, zugutehalten müsse man Franz und den Vereinsmitgliedern zwar die wertvolle Arbeit, die geleistet wurde. Dietrich sagt aber auch, dass sich der Antisemitismus der SED damit nicht revidieren lasse.

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2016, 08:51 Uhr

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11 Kommentare

26.01.2016 16:30 Richard Rumbold 11

Die Auswahl der Beiträge ist tendenziös. Die Auszeichnung wurde von einer privaten Stiftung vergeben, wem sie ihre Preise vergibt, ist ihre Sache. Das einem offensichtlichen Verehrers eines Nazis und Antisemiten (Lord Haw Haw) ihr Platz eingeräumt wird, ist bezeichnend.

26.01.2016 15:00 Gertrud Witzel 10

Es ist skandalös,daß es Mitarbeitern der Stasi gelingt,sich in leitende Positionen einzubringen bzw.wie in diesem Fall,Herr Franz,sich nicht schämt,Auszeichnungen anzunehmen,zur Erleichterung seines schlechten Gewissens.Dazu bemächtigt er sich eines jüdischem Schicksal,der Fam.Prager aus Apolda.Keine Frage "grausam".Die Geschichte der Juden ist nun für ihn die"Möglichkeit"
Die Stasi hat vielen unschuldigen Menschen in der DDR fürchterliche und traurige Schicksale bereitet.Z.B.die Zwangsaussiedlunen 1952,1961 und vereinzelt später.Die Menschen wurden von Haus u.Hof vertrieben.Die Gebäude wurden z.T. dem Erdboden gleichgemacht,bzw.
von dafür vorgesehenen Leuten genutzt u.aufgeteilt.
Kennt Herr Franz diese Geschichten?Ich habe sie erlebt!Diese Aufarbeitung hätte ihm wahrscheinlich keine Ehrung gebracht.
Herrn Dietrich sei gedankt.

26.01.2016 10:02 Michael Kleim 9

Im sog. Ärzteprozess versuchte Stalin, übrigens 1952 also nach der Niederschlagung des NS-Staates, mit eindeutig antisemitischer Propaganda die letzte blutige "Säuberungsaktion" durchzuführen. Ich danke Christian Dietrich für seine berechtigten kritischen Worte. Wenn noch nicht mal begründete Kritik ausgehalten wird und mit Beleidigung, Anmassung und Unterstellungen darauf reagiert wird, sagt das mehr über die kommentatoren denn über HerrnDietrich aus.

26.01.2016 09:59 Weimarer Land 8

Ein ehemaliger Stasi-Spitzel, der mutwillig Menschen geschadet hat, hat keinen Preis verdient. Herr Franz will damit ausschließlich seine eigene Vergangenheit kaschieren. Das wird auch gut von der MDR-Reporterin rübergebracht. Was der Bürgermeister der Stadt Apolda da kommentiert, ist unglaublich. Welcher Partei gehört der an!???

26.01.2016 09:13 Karl Wolmark 7

Die Kritik von Herr Dietrich wundert mich ehrlich gesagt nicht. Wer früher Aufrufe der neu-rechten Zeitung "Junge Freiheit" unterzeichnet hat, muss heute offenbar immer noch Leute öffentlich in den Schmutz ziehen, die sich um den Erhalt und die Pflege jüdischer Kultur, jüdischen Lebens und dem Gedenken an die von den Nazis ermordeten Jüdinnen und Juden kümmern - und sich bis heute gegen alte und neue Rechte engagieren. Es wäre schön, von Herrn Dietrich auch zu diesen Themen mal etwas zu hören...

26.01.2016 08:34 Yuhuu 6

Für Herrn Dietrich: "Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?" (Matthäus 7,3)

26.01.2016 06:37 Thüringer90 5

Was sich hier alle auf den Dietrich einschießen. Ich finde die Person Franz viel problematischer. Ein Mensch, der sein Fähnchen nach den Wind hängt, der bis heute seine Stasi-Tugenden raushängen lässt und nichts mehr mit seiner Vergangenheit zu tun haben möchte. Er schämt sich dafür und das zurecht. Herr Franz hat sein Amt damals ausgenutzt, Leute bespitzelt, Familien auseinander getrieben. Sein Engagement jetzt, welches kurz vor der Wende begann, zeigt doch nur sein schlechtes Gewissen gegenüber seiner eigenen Vergangenheit. Dieser Mensch verdient keinen Preis, genauso wie kein anderer IM oder Spitzel, welche mutwillig Biografien zerstört und kaputt gespielt haben!

25.01.2016 21:34 Richard Rumbold 4

Und Überhaupt: Wie hält es eigentlich Herr Dietrich mit der Trennung von Staat und Kirche ? Was in der Kirche passiert, ist deren Angelegenheit und geht den Staat nichts an und umgekehrt.

25.01.2016 21:24 Lord Haw Haw 3

Mit juedischen Preisen steht der Stasi-Pfarrer nicht alleine da. Ueberhaupt scheint die Kombination Pfarramt/Stasi in der BRD DAS Sprungbrett in die hoeschsten Aemter zu sein, wie man es an den beiden IM "Erika" und "Larve" schoen erkennen kann.

25.01.2016 20:48 Jürgen Gruber 2

Herr dietrich, ersparen sie uns ihre Ergüsse, sie verschleudern nur unsere Steuern. Sie und ihre Institution gehört auf den Müllhaufen. Gruß Opa Jürgen