Auf dem ADAC-Übungsplatz in Nohra bei Weimar absolviert MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder ein Fahrsicherheitstraining mit Bremstest auf nasser Fahrbahn, nachdem er Bier und Obstler getrunken hat, um seine Fahrtüchtigkeit unter Alkoholeinfluss zu testen
Der Bremsweg verlängert sich deutlich, wenn Alkohol im Spiel ist. Auch das Reaktionsvermögen beim Slalomfahren leidet. Bildrechte: MDR/Nicky Scholz

Zur "Aktionswoche Alkohol" Selbstversuch: Kontrollierter Slalom mit Alkohol am Steuer

Wie wirkt sich Alkohol auf die eigenen Fahrkünste aus? MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder wollte es wissen: Mit Bier und Obstler im Gepäck hat er sich auf dem ADAC-Übungsplatz in Nohra einem Selbsttest unterzogen. Das Ergebnis seiner betrunkenen Fahrversuche ist ernüchternd.

von Jens Roder

Auf dem ADAC-Übungsplatz in Nohra bei Weimar absolviert MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder ein Fahrsicherheitstraining mit Bremstest auf nasser Fahrbahn, nachdem er Bier und Obstler getrunken hat, um seine Fahrtüchtigkeit unter Alkoholeinfluss zu testen
Der Bremsweg verlängert sich deutlich, wenn Alkohol im Spiel ist. Auch das Reaktionsvermögen beim Slalomfahren leidet. Bildrechte: MDR/Nicky Scholz

13:36 Uhr - Biere: 0, Schnäpse: 0

Die Maisonne lacht am Himmel über Thüringen und ich trete beim Bremstest auf nasser Fahrbahn noch ganz nüchtern in die Eisen. Zwei Kegel markieren die Linie, genau dort beginnt der Bremsweg meines Fahrzeugs. Die Aufgabe lautet, bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde so schnell wie möglich zum Stehen zu kommen. Nach elf Metern hält das Auto auf der nassen Strecke. Nicht schlecht.

Auch die Slalomrunden durch die Kegel bei Tempo 30 - vorwärts und rückwärts-, sind vorzeigbar. Das Lenkrad liegt gut in der Hand, alle Kegel bleiben stehen, keiner wackelt oder kippt gar um.

14:10 Uhr - Biere: 1, Schnäpse: 0

Das erste Bier (0,5 Liter) ist getrunken und wirkt schon. Der Unterschied zu "völlig nüchtern" ist gefühlt nicht der größte. Mal sehen, was der Bremsweg auf nasser Fahrbahn sagt… zwölf Meter, das ist ein Meter mehr. Die Kegel vorwärts im Slalom zu durchfahren, macht richtig Spaß. Ich fahre die Kurven viel flüssiger und auch eine Sekunde schneller als nüchtern. Ein Messfehler wahrscheinlich.

Die Rückwärtsfahrt im Slalom dagegen - naja. Es holpert ein wenig, ein Kegel steht auch im Weg und wird überrollt. Die ersten Alkoholauswirkungen?

Auf dem ADAC-Übungsplatz in Nohra bei Weimar absolviert MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder ein Fahrsicherheitstraining, nachdem er Bier und Obstler getrunken hat, um seine Fahrtüchtigkeit unter Alkoholeinfluss zu testen
Prost! Doch nach einem großen Bier nimmt Jens eigentlich lieber das Taxi - oder geht zu Fuß. Bildrechte: MDR/Nicky Scholz

14:40 Uhr - Biere: 2, Schnäpse: 0

Das zweite Bier ist im Magen. Ich wäre jetzt in bester Partystimmung, normalweise. Aber ich muss ja Autofahren! Der Bremsweg beträgt schon wieder zwölf Meter auf nasser Fahrbahn. Vielleicht habe ich auch bereits vor der Bremslinie auf's Pedal getreten. Lässt sich schlecht überprüfen.

Jetzt die Kegel. Slalomfahren macht jetzt noch mehr Spaß, aber: Einer der Kegel ist mir irgendwie vor das Auto gehüpft. Das Tempo ist unverändert. Auch das Rückwärtsfahren funktioniert wieder ziemlich fluffig. Nur fallen diesmal zwei Kegel um.

15:15 Uhr - Biere: 2, Schnäpse: 2

Die Maisonne strahlt noch immer und zu zwei großen Bier hat sich noch ein doppelter Obstler gesellt. Im Kopf fühle ich mich beschwingt und fröhlich, das Fahrergebnis sieht hingegen eher traurig aus. Der Bremsweg: 20 Meter, er hat sich also fast verdoppelt im Vergleich zum nüchternen Fahren. Beim Slalom vorwärts fällt der erste Kegel. Rückwärts sind es wieder zwei, bei nahezu gleicher Fahrzeit.

Mein Fazit: Nach zwei großen Bier und einem Doppelten sind Lenkrad, Gas- und Bremspedal noch am selben Platz. Auch die Tachoanzeige kann ich klar erkennen. Aber Reaktionsvermögen und Genauigkeit beim Lenken haben arg gelitten. Es hat seinen Grund, warum Fahren unter Alkoholeinfluss verboten ist. Da nehme ich doch lieber das Taxi!

Selbstversuch zur Aktionswoche Fahrtraining mit Alkohol am Steuer

Die "Aktionswoche Alkohol" warnt vor den Gefahren übermäßigen Trinkens. Vor allem im Straßenverkehr hat Alkohol oft tragische Folgen. Jens Roder hat getestet, wie sich zu viel Bier und Schnaps beim Autofahren auswirkt.

MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder trinkt Bier
Ausgerüstet mit einer Spezialkamera macht sich Jens Roder an die Arbeit: Er will in einem Selbstversuch herausfinden, wie sich Alkohol auf seine Fahrkünste und sein Reaktionsvermögen auswirkt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder trinkt Bier
Ausgerüstet mit einer Spezialkamera macht sich Jens Roder an die Arbeit: Er will in einem Selbstversuch herausfinden, wie sich Alkohol auf seine Fahrkünste und sein Reaktionsvermögen auswirkt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Auf dem ADAC-Übungsplatz in Nohra bei Weimar absolviert MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder ein Fahrsicherheitstraining mit Bremstest aus nasser Fahrbahn, nachdem er Bier und Obstler getrunken hat, um seine Fahrtüchtigkeit unter Alkoholeinfluss zu testen
Auf dem ADAC-Übungsplatz in Nohra bei Weimar bekommt er verschiedene Aufgaben. Bei den ersten Fahrversuchen ist Reporter Jens Roder nüchtern. Bildrechte: MDR/Nicky Scholz
Auf dem ADAC-Übungsplatz in Nohra bei Weimar absolviert MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder ein Fahrsicherheitstraining, nachdem er Bier und Obstler getrunken hat, um seine Fahrtüchtigkeit unter Alkoholeinfluss zu testen
Dann gibt's das erste Bier... Bildrechte: MDR/Nicky Scholz
Auf dem ADAC-Übungsplatz in Nohra bei Weimar absolviert MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder ein Fahrsicherheitstraining mit Bremstest auf nasser Fahrbahn, nachdem er Bier und Obstler getrunken hat, um seine Fahrtüchtigkeit unter Alkoholeinfluss zu testen
Die Aufgabe: Vollbremsung an den Kegeln auf regennnasser Fahrbahn. Trotz einem Bier im Blut klappt das noch ganz gut. Bildrechte: MDR/Nicky Scholz
Auf dem ADAC-Übungsplatz in Nohra bei Weimar absolviert MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder ein Fahrsicherheitstraining, nachdem er Bier und Obstler getrunken hat, um seine Fahrtüchtigkeit unter Alkoholeinfluss zu testen
Es folgen Bier Nummer 2 und einige Schlucke aus der Schnapsflasche Bildrechte: MDR/Nicky Scholz
Auf dem ADAC-Übungsplatz in Nohra bei Weimar absolviert MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder ein Fahrsicherheitstraining, nachdem er Bier und Obstler getrunken hat, um seine Fahrtüchtigkeit unter Alkoholeinfluss zu testen, und balanciert unter anderem auf einer Linie
Das Fahrvermögen fällt steil ab, die Laune steigt dagegen an. Das Selbstbewusstsein und die Bereitschaft zum Risiko auch... Bildrechte: MDR/Nicky Scholz
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Aktionswoche gegen übermäßigen Alkoholkonsum "Trunkenheit am Steuer" - das ist das Thema, auf das die diesjährige bundesweite "Aktionswoche Alkohol" besonderes Augenmerk legt. Mit der Aktionswoche macht die Deutsche Suchthilfe seit Samstag auf die negativen Folgen übermäßigen Alkoholkonsums aufmerksam. Schätzungen zufolge trinken 330.000 Thüringer laut Landesstelle für Suchtfragen regelmäßig zu viel. Nur etwa 3.900 von ihnen befinden sich in Behandlung.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 19.05.2017 | 07:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2017, 15:59 Uhr

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1 Kommentar

19.05.2017 15:28 Blödsinn 1

Muss man eigentlich alles erst probieren, ehe man glaubt? Sterben kann man auch nicht erst einmal "ins Trockene".