Kompromiss im Steigerwaldstadion Westtribüne wird entkernt statt saniert

Die Kostenschätzungen für die Sanierung der Westtribüne im Erfurter Steigerwaldstadion glichen dem Verlauf einer Parabel: Von 2,7 Millionen bis zuletzt 5,7 Millionen Euro waren schon verschiedenste Summen im Gespräch. Nun präsentiert die Stadt Erfurt eine Billigvariante. Für manchen allerdings bedeutet diese Lösung eine harte Landung.

von Matthias Thüsing

Die Stadt Erfurt will die alte Westtribüne im Steigerwaldstadion nun doch nicht sanieren lassen. "Wir werden die Räume unterhalb der Tribüne entkernen und anschließend nicht mehr nutzen", sagte Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) MDR THÜRINGEN. Heizung, Elektrik, Dämmung - alles müsse raus. Zurückbleiben würde nackter Beton. Die Arbeiten sollen laut dem Oberbürgermeister nur 300.000 Euro kosten und sind fast abgeschlossen. Als "hohler Vogel" soll die alte Tribüne dann im sonst runderneuerten Stadion stehenbleiben. Die Brandschutzauflagen des Bauamtes ließen sich damit erfüllen, sagt Bausewein.

Der neue Plan ist die Reaktion auf die jüngste Kostenschätzung des mit der Sanierung beauftragten Bauunternehmens. Das hatte Ende März einen Kostenvoranschlag von 5,7 Millionen Euro auf den Tisch gelegt - eine Kalkulation, die in der Stadtverwaltung als überzogen betrachtet wird. "Wir könnten es bei unserer Haushaltssituation niemandem in der Stadt vermitteln, wenn wir 5,7 Millionen Euro für die Sanierung der Tribüne ausgeben würden", sagte Bausewein MDR THÜRINGEN. Er will in den nächsten Tagen die Auftragsvergabe an den Generalbauübernehmer im Stadion wieder einkassieren. Das Rechtsamt arbeitet schon an dem Fall.

CDU: Stadt macht sich mit Investruine in neuer Arena lächerlich

Für die Opposition fügt sich diese Entscheidung ein in die Serie von Pleiten, Pech und Pannen rund um die Arena. Die Stadt mache sich doch lächerlich, wenn sie in einem neu gebauten Stadion eine Investruine herumstehen lasse, sagte CDU-Fraktionsvize Thomas Pfistner. Aus Sicht der Opposition war es ein Fehler, den Zusatz-Auftrag in der Arena ohne Ausschreibung an das Bauunternehmen zu vergeben. Da sei es doch nachvollziehbar, dass ein Unternehmen die Sanierungskosten großzügig kalkuliere.

Ohne Sanierung bleibt die Westtribüne vorerst ungenutzt. Der Hauptmieter im Stadion, der FC Rot-Weiß Erfurt, hat sich laut Arena-Betreiber bereits dazu bereit erklärt, die Sitzplätze auf der Tribüne in der kommenden Spielzeit aus dem Verkauf zu nehmen. Die darunter liegenden Räume brauche der Verein auch nicht, sagte Christian Fothe von der Arena-GmbH. RWE zieht in die neue Osttribüne um.

Alle Möglichkeiten offen

Noch unklar ist, wo künftig die unter der Westtribüne nach der Sanierung vorgesehenen Umkleidekabinen für den Schulsport bleiben, sowie Lagerräume und die Tischtennishalle für das nahe gelegene Sportgymnasium. "Das kriegen wir woanders billiger gelöst", so Fothe. Die Schüler könnten sich beispielsweise in Containern umziehen, für die auf dem Arena-Gelände noch Platz wäre.

Für Fothe liegt der Charme der nun gefundenen Lösung, dass sie Stadt und Arena alle Möglichkeiten offen lasse, falls die Tribüne irgendwann einmal doch gebraucht werde. Dann könne man immer noch sanieren, so der Arena-Betreiber. In der Zwischenzeit lasse sich sogar der Zuschauerbereich weiter nutzen. Denn baurechtlich erfülle die alte Tribüne alle Anforderungen. Für den Fall sei nur ein wenig Mehraufwand nötig: Da die Westtribüne künftig von der Elektrik abgeklemmt sei, müsse bei Fußballspielen am Abend die geforderte Notbeleuchtung eben anders gelöst werden - beispielsweise mit Akkulichtern.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 20.04.2017 | ab 18:00 Uhr
MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20.04.2017 | ab 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2017, 08:05 Uhr

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34 Kommentare

22.04.2017 16:20 Erfurter 34

Die nun vorgestellte Variante ist vernünftig. An alle RWE-Fans, die mit Herz und Leidenschaft dabei sind: "Gemeinsam eins" sollte doch unsere Devise sein! Wer eine Dauerkarte für die Westtribüne hat, sollte doch ein Fan mit Herz und Leidenschaft sein, dachte ich. Warum schimpft Ihr über zusätzliche 4,00 Euro pro Spiel mehr (für Vollzahler Tageskarte), um auf die Westtribüne zu gehen? Das sind 40 km weniger Autofahren im Monat bei den derzeitigen Benzinpreisen. Wo liegt das Problem? Lauft, nehmt das Fahrrad oder bildet Fahrgemeinschaften auf dem Weg zum Stadion, zum Bäcker oder auf Arbeit, dann bleibt sogar noch was übrig für ein zusätzliches Bier. Das kommt unserem RWE zugute! Darum zieht alle mit um und leistet so einen Beitrag für RWE für die nächste Saison.

22.04.2017 13:55 insider 33

5. die Arena zählt mit Ihrer Ausstattung und Konzeption zu einen der besten und schönsten in der Region. Akustikbeton / Crestronsteuerung und Vorrüstung der Sensitivcamera . Jeder der mal die Möglichkeit hat in das Multifunktiongebäude zu kommen und evtl. noch die Logen des Waldklinikums Eisenberg oder der Bäckerei Bergmann zu besichtigen wird staunen welche Möglichkeiten sich hier bieten. Übrigens Kompliment an die beiden Unternehmen was diese dort gemacht haben. Sensationell.
6. die autarke Stromversorgung von audiovisuellen Geräten die für den Notfall bestimmt sind ist Vorschrift und wird auch in der Arena umgesetzt. Insofern ist der Anschluss der Westtribüne keine grosse Hürde.
7. die Westtribüne wird vorerst nicht für Zuschauer geschlossen werden, lediglich auf ein Maximum begrenzt. Deshalb kein Dauerkartenverkauf für die neue Saison möglich. Wer also auf der Westtribüne weiterhin sitzen mag, kann dies gerne tun,muss sich nur rechtzeitig eine Karte sichern.

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