Die sanierungsbedürftige Westtribüne des Erfurter Steigerwaldstadions.
Die sanierungsbedürftige Westtribüne im vergangenen Juli: Der Bau soll in einer Billigvariante so weit fit gemacht werden, dass die Brandschutzauflagen erfüllt werden. Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Kompromiss im Steigerwaldstadion Westtribüne wird entkernt statt saniert

Die Kostenschätzungen für die Sanierung der Westtribüne im Erfurter Steigerwaldstadion glichen dem Verlauf einer Parabel: Von 2,7 Millionen bis zuletzt 5,7 Millionen Euro waren schon verschiedenste Summen im Gespräch. Nun präsentiert die Stadt Erfurt eine Billigvariante. Für manchen allerdings bedeutet diese Lösung eine harte Landung.

von Matthias Thüsing

Die sanierungsbedürftige Westtribüne des Erfurter Steigerwaldstadions.
Die sanierungsbedürftige Westtribüne im vergangenen Juli: Der Bau soll in einer Billigvariante so weit fit gemacht werden, dass die Brandschutzauflagen erfüllt werden. Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Die Stadt Erfurt will die alte Westtribüne im Steigerwaldstadion nun doch nicht sanieren lassen. "Wir werden die Räume unterhalb der Tribüne entkernen und anschließend nicht mehr nutzen", sagte Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) MDR THÜRINGEN. Heizung, Elektrik, Dämmung - alles müsse raus. Zurückbleiben würde nackter Beton. Die Arbeiten sollen laut dem Oberbürgermeister nur 300.000 Euro kosten und sind fast abgeschlossen. Als "hohler Vogel" soll die alte Tribüne dann im sonst runderneuerten Stadion stehenbleiben. Die Brandschutzauflagen des Bauamtes ließen sich damit erfüllen, sagt Bausewein.

Der neue Plan ist die Reaktion auf die jüngste Kostenschätzung des mit der Sanierung beauftragten Bauunternehmens. Das hatte Ende März einen Kostenvoranschlag von 5,7 Millionen Euro auf den Tisch gelegt - eine Kalkulation, die in der Stadtverwaltung als überzogen betrachtet wird. "Wir könnten es bei unserer Haushaltssituation niemandem in der Stadt vermitteln, wenn wir 5,7 Millionen Euro für die Sanierung der Tribüne ausgeben würden", sagte Bausewein MDR THÜRINGEN. Er will in den nächsten Tagen die Auftragsvergabe an den Generalbauübernehmer im Stadion wieder einkassieren. Das Rechtsamt arbeitet schon an dem Fall.

CDU: Stadt macht sich mit Investruine in neuer Arena lächerlich

Für die Opposition fügt sich diese Entscheidung ein in die Serie von Pleiten, Pech und Pannen rund um die Arena. Die Stadt mache sich doch lächerlich, wenn sie in einem neu gebauten Stadion eine Investruine herumstehen lasse, sagte CDU-Fraktionsvize Thomas Pfistner. Aus Sicht der Opposition war es ein Fehler, den Zusatz-Auftrag in der Arena ohne Ausschreibung an das Bauunternehmen zu vergeben. Da sei es doch nachvollziehbar, dass ein Unternehmen die Sanierungskosten großzügig kalkuliere.

Ohne Sanierung bleibt die Westtribüne vorerst ungenutzt. Der Hauptmieter im Stadion, der FC Rot-Weiß Erfurt, hat sich laut Arena-Betreiber bereits dazu bereit erklärt, die Sitzplätze auf der Tribüne in der kommenden Spielzeit aus dem Verkauf zu nehmen. Die darunter liegenden Räume brauche der Verein auch nicht, sagte Christian Fothe von der Arena-GmbH. RWE zieht in die neue Osttribüne um.

Alle Möglichkeiten offen

Noch unklar ist, wo künftig die unter der Westtribüne nach der Sanierung vorgesehenen Umkleidekabinen für den Schulsport bleiben, sowie Lagerräume und die Tischtennishalle für das nahe gelegene Sportgymnasium. "Das kriegen wir woanders billiger gelöst", so Fothe. Die Schüler könnten sich beispielsweise in Containern umziehen, für die auf dem Arena-Gelände noch Platz wäre.

Für Fothe liegt der Charme der nun gefundenen Lösung, dass sie Stadt und Arena alle Möglichkeiten offen lasse, falls die Tribüne irgendwann einmal doch gebraucht werde. Dann könne man immer noch sanieren, so der Arena-Betreiber. In der Zwischenzeit lasse sich sogar der Zuschauerbereich weiter nutzen. Denn baurechtlich erfülle die alte Tribüne alle Anforderungen. Für den Fall sei nur ein wenig Mehraufwand nötig: Da die Westtribüne künftig von der Elektrik abgeklemmt sei, müsse bei Fußballspielen am Abend die geforderte Notbeleuchtung eben anders gelöst werden - beispielsweise mit Akkulichtern.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 20.04.2017 | ab 18:00 Uhr
MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20.04.2017 | ab 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2017, 08:05 Uhr

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34 Kommentare

22.04.2017 16:20 Erfurter 34

Die nun vorgestellte Variante ist vernünftig. An alle RWE-Fans, die mit Herz und Leidenschaft dabei sind: "Gemeinsam eins" sollte doch unsere Devise sein! Wer eine Dauerkarte für die Westtribüne hat, sollte doch ein Fan mit Herz und Leidenschaft sein, dachte ich. Warum schimpft Ihr über zusätzliche 4,00 Euro pro Spiel mehr (für Vollzahler Tageskarte), um auf die Westtribüne zu gehen? Das sind 40 km weniger Autofahren im Monat bei den derzeitigen Benzinpreisen. Wo liegt das Problem? Lauft, nehmt das Fahrrad oder bildet Fahrgemeinschaften auf dem Weg zum Stadion, zum Bäcker oder auf Arbeit, dann bleibt sogar noch was übrig für ein zusätzliches Bier. Das kommt unserem RWE zugute! Darum zieht alle mit um und leistet so einen Beitrag für RWE für die nächste Saison.

22.04.2017 13:55 insider 33

5. die Arena zählt mit Ihrer Ausstattung und Konzeption zu einen der besten und schönsten in der Region. Akustikbeton / Crestronsteuerung und Vorrüstung der Sensitivcamera . Jeder der mal die Möglichkeit hat in das Multifunktiongebäude zu kommen und evtl. noch die Logen des Waldklinikums Eisenberg oder der Bäckerei Bergmann zu besichtigen wird staunen welche Möglichkeiten sich hier bieten. Übrigens Kompliment an die beiden Unternehmen was diese dort gemacht haben. Sensationell.
6. die autarke Stromversorgung von audiovisuellen Geräten die für den Notfall bestimmt sind ist Vorschrift und wird auch in der Arena umgesetzt. Insofern ist der Anschluss der Westtribüne keine grosse Hürde.
7. die Westtribüne wird vorerst nicht für Zuschauer geschlossen werden, lediglich auf ein Maximum begrenzt. Deshalb kein Dauerkartenverkauf für die neue Saison möglich. Wer also auf der Westtribüne weiterhin sitzen mag, kann dies gerne tun,muss sich nur rechtzeitig eine Karte sichern.

22.04.2017 13:52 insider 32

3. die Container hat die Stadt aufgrund der Ereignisse der letzten Jahre für mehrere Jahre angemietet und somit Kosten. Diese sind verkleidet,mit sanitären Anlagen Fenster und Heizsystem ausgestattet. Der Rot Weiss Nachwuchs zieht sich im Gebreite schon seit einiger Zeit in solchen um. Herr Bausewein führt hier eine klassische Win/Win Situation herbei und versucht die Fehler einer Frau Hoyer wieder auszubügeln. Manche Umkleide einer sanierungsbedürftigen Sporthalle ist da deutlich kritischer zu betrachten.
4. das es in der Osttribüne keine Speisen und Getränke oder auch Toiletten gibt ist eine Falschaussage. Diese sind seit ende März diesen Jahres Vollumfänglich zu nutzen. Auch ich konnte mich bereits mehrfach da von überzeugen

22.04.2017 13:50 insider 31

Aufgrund der diffusen Kommentare hier sehe ich mich als insider jetzt auch mal genötigt etwas zum Thema zu sagen.
1. die Arena hat Gesamtkosten von ca. 38Mio. Euro. Ein Großteil hier von Bund und EU gefördert. Woher andere Zahlen kommen ist mir schleierhaft.
2. Ein Großteil der Summe ist in das Multifunktionsgebäude geflossen, welches die Grundlage der Förderung war. Sprich die Erneuerung der Traversen incl. Anzeigetafel kann man ungefähr mit 18Mio. Euro veranschlagen und nicht wie hier teilweise behauptet für ein 3/4 Stadion 50Mio. Mit den 18Mio. Euro liegt man etwa bei vergleichbaren Stadionkosten.

22.04.2017 08:31 RWE Fan 30

Ich verstehe das ganze herumgeheule nicht... wichtig ist das die alte Westtribüne bei Bedarf noch genutzt werden kann. Die leeren Räume darunter braucht doch keine Sau.
Bei den klammen Kassen der Stadt ( erstmal ) eine vernünftige Lösung. Herr Bausewein hat es endlich begriffen dem geldgierigen Köster nicht mehr die Millionen in den Rachen zu stopfen...

21.04.2017 19:29 Steuerzahler 29

@28: Der Erfurter hat immer interessante Ansichten - wo eine 3/4 Multifunktionsarena als ein Schmuckstück bezeichnet wird, wird auch aus Hundescheisse was ganz apartes. Nun, jedenfalls ist der Erfurter mit wenig für viel Steuergeld zufrieden.

21.04.2017 12:13 Atze 28

@25 Erfurter "Schmuckstück" der war gut....

21.04.2017 09:41 Steuerzahler 27

@21: Lesen Sie doch mal, was Sie geschrieben haben. Hier geht es nicht um die Mieter. Das Problem sind die Besteller die versagt haben. Die 3/4 Multifunktionsarena wurde später fertig als geplant, deutlich treuer und hat Macken. Und jetzt stellt man fest, dass das restliche 1/4 eigentlich unbrauchbar ist. Das ist dilettantisch.

20.04.2017 00:15 Paul Leide 26

Welch trauriges Schauspiel... Ich "freue" mich schon auf die teure Vertragsrücknahme, wegen der abgesagten Sanierung. Da die Stadt stets ungeschickt und ahnungslos agiert, wird das wieder ordentlich kosten - für nichts! Und ansonsten: Das Geld lässt sich generell beim Strom einsparen, wenn Stirnlampenzwang für Fans verhängt wird.

20.04.2017 23:26 Erfurter 25

Danke an das Statment von @21 Martin,
hier werden Äpfel mit Birnen verglichen, die Mieter aus Lobeda sollen doch nicht Ihre Wohnungen mit denen am Domplatz vergleichen.
Fakt ist doch, die alte Westtribüne ist nicht mehr die Haupttribüne und wird in den meisten Punktspielen derzeit nicht benötigt und braucht demzufolge nicht geöffnet zu werden ( ist in vielen größeren Stadien in der 3. Liga üblich, gerade bei Vereinen, die auch schon bessere Zeiten erlebt haben... )
Der neugebaute Bereich im SWS hat aus meiner Sicht rund 13-14000 Plätze, das reicht voll aus, bei Bedarf kann die alte Tribüne geöffnet werden....und wenn es bei uns wieder aufwärts geht, dann bauen wir uns ne neue, noch edlere Gegentribüne, mit noch mehr Behaglichkeiten, noch ein bissl mehr wie uns das jetzt gegebene neue Stadion schon jetzt bietet. Ganz viele Vereine wären froh so ein Schmuckstück nutzen zu können...

Auf gehts Ihr Rot Weißen - Thüringer Farben sind Rot Weiß!!!

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