Mehrere Männer in Anzug stehen auf einem Aussichtsturm und betrachten die Gegend.
Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter aus Südkorea besuchten am Mittwoch Point Alpha. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

"Von Deutschland lernen" Südkoreaner im ehemaligen US-Camp Point Alpha

Rund 100 Südkoreaner haben am Mittwoch die Grenzgedenkstätte Point Alpha in der Rhön besucht. Die Teilnehmer des Deutsch-Koreanischen Forums, dessen 16. Treffen in dieser Woche im hessischen Fulda begonnen hat, wollten sich ein Bild der ehemaligen innerdeutschen Grenze machen und erfahren, wie Deutschland die Wiedervereinigung geschafft hat.

von Ruth Breer

Mehrere Männer in Anzug stehen auf einem Aussichtsturm und betrachten die Gegend.
Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter aus Südkorea besuchten am Mittwoch Point Alpha. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die ehemalige Grenze als Ausflugsziel: Männer in dunklen Anzügen fotografieren sich gegenseitig am Grenzzaun. Mit ernsten Mienen, denn in ihrer Heimat ist die Grenze noch längst nicht Geschichte. In dieser Gruppe interessieren sich Kommunalpolitiker und Verwaltungsfachleute aus dem Norden Südkoreas dafür, wie West- und Ostdeutschland zueinander fanden. Was getan wurde, um das ökonomische Gefälle zu überwinden – und was das wohl in Korea kosten würde, fragt beispielsweise Sukwon Jang von einer Stadtverwaltung in OngJin County. Deutschland sei ein Lehrer für Korea, findet er. Man müsse über einen Zukunftsplan nachdenken. Ob der in zehn oder in hundert Jahren benötigt werde – eines Tages werde Korea vereint sein, ist Sukwon Jang überzeugt.

So sieht das auch Kim Young-Soo, Projektmanager der Hanns-Seidel-Stiftung in Südkorea. Die Teilung und ihre Überwindung seien für Koreaner ein wichtiges Thema. Dabei sei die politische Situation auf der koreanischen Halbinsel gerade sehr schwierig, räumt Kim ein. Für viele sei der Zustand inzwischen Alltag, sie hätten sich an die Teilung gewöhnt. Trotzdem sei die Wiedervereinigung Ziel der Nation, er spricht von einer Herzensangelegenheit.

Was braucht es, damit Wiedervereinigung gelingt?

Mehrere Männer stehen vor dem alten Grenzzaun an der innerdeutschen Grenze.
Wie kann Wiedervereinigung gelingen? Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Son Gi-Woong hat auf seinem Handy ein Foto, das ihn mit seiner Familie im November 1989 vor dem Brandenburger Tor zeigt. Als Doktorand der Politikwissenschaft an der Freien Universität hat er den Mauerfall miterlebt. Heute ist er Präsident des Koreanischen Instituts für Wiedervereinigung. Westdeutschland habe die Wiedervereinigung gut vorbereitet, meint Son, und nennt als Beispiel Verkehrsabkommen mit der DDR. Umgesetzt aber habe sie die ostdeutsche Bevölkerung, die ihre Augen und Ohren für mehr Demokratie und mehr Freiheit geöffnet und den Weg nach Westen genommen habe. Nun müsse man sich darum bemühen, die Augen und Ohren der Menschen in Nordkorea zu öffnen, um die Teilung friedlich zu überwinden. Annähern, Vertrauen schaffen und zeigen, wie die südkoreanische Gesellschaft ist – das sei der Weg, sagt Son. Auch die Nordkoreaner wollten Wahrheit, Wohlstand, Freiheit und Demokratie.

Die Point Alpha Stiftung arbeitet bereits seit 2009 mit einem koreanischen Museum in der demilitarisierten Zone zusammen. Beide Seiten tauschen Exponate, diskutieren Ausstellungskonzepte und besuchen sich gegenseitig. Deshalb kennt Stiftungsdirektorin Ricarda Steinbach die Fragen der Koreaner gut: Wie habt Ihr das gemacht, was braucht es, damit Wiedervereinigung funktioniert? Sie nennt aus ihrer Sicht zwei wichtige Säulen: Die Großmächte wie China, die USA und Russland müssten mitziehen – und: die emotionale Basis stimmen. Nach mehr als 70 Jahren fehlten Gemeinsamkeiten, das Misstrauen sei groß. "Haben Sie Geduld", riet DDR-Bürgerrechtler Rainer Eppelmann bei einer Podiumsdiskussion den Koreanern. "Machen Sie Ihr Land so rechtstaatlich und attraktiv wie möglich, dann wird der Traum in Nordkorea immer größer."

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - das Radio | Nachrichten | 05.07.2017 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juli 2017, 20:29 Uhr

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