Prozess nach tödlichem Unfall auf A4 Bewährungsstrafe für Busfahrer

Im Prozess um den tödlichen Busunfall bei Erfurt hat das Amtsgericht Weimar den Busfahrer zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zusätzlich muss er 1.500 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Der Busfahrer musste sich vor dem Amtsgericht Weimar wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung in 64 Fällen verantworten.

Richterin spricht von "Augenblickversagen"

Das Gericht hielt den 37-jährigen Busfahrer aus Österreich am Montag der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung für schuldig. Die Vorsitzende Richterin sprach von einem "Augenblicksversagen" und einem Fehler des Busfahrers.

Der angeklagte Busfahrer beim Prozessauftakt im Amtsgericht Weimar.
Der Busfahrer beim Prozessauftakt im Amtsgericht Weimar Bildrechte: MDR / Cornelia Hartmann

Der Mann hatte Ende Oktober 2015 ein Busunglück auf der A4 verursacht. Nach einem Überholmanöver war das Fahrzeug in eine Böschung gefahren und umgekippt. In dem Bus saß eine Schulklasse. Bei der Unfall war der vierjährige Sohn einer Lehrerin ums Leben gekommen, 64 weitere Businsassen wurden verletzt. Die Schüler aus dem sächsischen Annaberg-Buchholz waren auf der Heimfahrt von einer Sprachreise. Laut einem Gutachten war der Reisebus zu schnell unterwegs.

Im Prozess hatte sich der Angeklagte auf Erinnerungslücken berufen. Ein Sachverständiger der DEKRA sagte aus, er habe keinerlei technische Auffälligkeiten am Unfallfahrzeug finden können. Das Unglück hätte vermieden werden können - so das Fazit des Sachverständigen.

Staatsanwalt fordert Bewährung

In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt neun Monate Haft, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung. Zudem sollte der Angeklagte nach Willen des Staatsanwaltes 4.500 Euro an eine gemeinnützige Organisationen zahlen. Der Fahrer hätte den Unfall vermeiden können. Er habe seine Sorgfaltspflicht verletzt, so die Staatsanwaltschaft. Deshalb müsse er wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verurteilt werden.

Der Verteidiger des Busfahrers dagegen zweifelte bis zuletzt am technisch einwandfreien Zustand des Busses. Er beantragte Freispruch.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20.03.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 12:30 Uhr

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2 Kommentare

21.03.2017 06:03 Martin Z 2

Ein zu mildes Urteil. Der Fahrer zeigte zu keiner Zeit Verantwortung, bis zuletzt waren für ihn andere Schuld. Obwohl er mehrmals massiv zu schnell gefahren ist, es sozusagen billigend in kauf, genommen hat sind die Rechtsfolgen minimal bis nicht spürbar. 20 kmh mit einem Bus zu schnell sind Welten. Wenn wir vergessen das Fahrtenbuch auszufüllen, kostet das in Deutschland 2000,-€ Strafe.(wichtig für Besteuerung).. Ich kann nur Wünschen das niemand sein Kind bei einem so leichtfetrigen Busfahrer mitgeben muss. Mein Herz ist bei den Opfern.

20.03.2017 17:31 Andreas Lorenz 1

Hier wurde wie so oft der Falsche verurteilt. Jeder Fahrer weist seine Fahrgäste vor Fahrtantritt darauf hin dass Sie sich anschnallen müssen. Auch steht es auf Hinweisschildern im Bus. Da stellt sich mir die Frage ,warum war das Kind nicht angeschnallt ? Es war doch die Mutter dabei , warum hat Sie nicht dafür gesorgt dass das Kind angeschnallt ist ? So traurig wie der Fall ist, ist meiner Meinung die Mutter mindestens genauso Verantwortlich wie der Fahrer. Und ich glaube jeder Reisebusfahrer ist meiner Meinung.

[Anmerkung der Redaktion: Die Anschnallpflicht wurde im Prozess mehrfach thematisiert. Zeugen hatten ausgesagt, dass der Fahrer nicht auf die Anschnallpflicht hingewiesen habe. Der erklärte, er habe das nicht für nötig gehalten, weil dies bereits eine Lehrerin getan habe.
Dass der kleine Junge nicht angeschnallt war, wertete der Staatsanwalt in seinem Plädoyer strafmildernd. Für den Unfall aber sei allein der Angeklagte verantwortlich.]

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