Mitte/West-Thüringen

Wildtiere : Waschbären erobern Thüringer Städte

In Thüringen sorgt die steigende Zahl von Waschbären für Probleme. Der Thüringer Jagdverband hat besonders vor der Übertragung von Krankheiten durch die Tiere gewarnt. Präsident Steffen Liebig sagte MDR INFO, vor allem wenn die Tiere in größeren Populationen aufträten, sei dies durchaus möglich. Besonders problematisch sei die Fütterung der Tiere durch Menschen, die Waschbären possierlich fänden. Das müsse unterbunden werden.

Zwei Waschbären sitzen auf einem Baumstamm
6.500 Waschbären wurden in der vergangenen Jagdsaison in Thüringen erlegt - zu wenig.

Besonders die Stadt Weimar hat zurzeit mit einer Waschbären-Plage zu kämpfen. Revierleiter Jürgen Hagemann sagte MDR THÜRINGEN, im gesamten Stadtgebiet seien derzeit zwischen 20 und 40 Bären unterwegs. Die Tiere würden vor allem durch Essensreste in Mülltonnen in die Stadt gelockt. Die Tiere seien bereits in Weimarer Gartenanlagen und an der Ilm im Goethepark gesichtet worden. Nach Beobachtungen von Hagemann explodiert zurzeit die Waschbären-Population. Waschbären seien inzwischen auch in anderen Thüringer Städten unterwegs.

Nach Angaben des Thüringer Jagdverbandes nimmt die Tendenz "Wildtiere in der Stadt" grundsätzlich zu. Der Mensch greife immer mehr in den Naturraum der Tiere ein, beispielsweise durch Industriegebiete. Das bringe Wildtiere dazu, in den urbanen Bereich einzudringen. Hier würden sie nicht bejagt, verlören die Scheu vor dem Menschen und fänden genügend Nahrung in Mülltonnen und Gärten. Gleichzeitig habe der Waschbär keine natürlichen Feinde. Laut Verbands-Präsident Liebig wurden in der vergangenen Jagdsaison 6.500 Waschbären im Freistaat erlegt. Mitte der 1990er-Jahre seien es nur rund 330 Tiere gewesen.

Waschbären gelten als hochintelligent. Sie können Mülltonnen öffnen, um sich die Essensreste herauszufischen. Gleichzeitig machen sie auf Singvögel, Fischreiher, Jungenten und Lurche Jagd. In der Dunkelheit der Nacht plündern sie deren Nester. Sogar Obstbäume pflücken sie leer.

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2012, 18:33 Uhr

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