Anna Amalia Bibliothek in Weimar
Der ovale Saal mit seinen Büchergalerien. Bildrechte: dpa

Zehn Jahre nach Wiedereröffnung Besucheransturm auf die Anna-Amalia-Bibliothek

Der Brand in der Weimarer Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek im Jahr 2004 war einer der schwärzesten Tage in der Thüringer Kulturgeschichte. Vor zehn Jahren öffnete das Haus wieder seine Türen. Die jährliche Besucherzahl hat sich seitdem versiebenfacht.

Anna Amalia Bibliothek in Weimar
Der ovale Saal mit seinen Büchergalerien. Bildrechte: dpa

Die Zahl der Besucher in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar hat sich nach deren Wiedereröffnung vor zehn Jahren rund versiebenfacht. Laut Klassik-Stiftung werden im Jahresschnitt rund 83.000 Gäste begrüßt. Vor dem Brand 2004 waren es 12.000.

Mehrere Männer stehen in einem Raum der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar.
Der ehemalige Bundespräsident Gauck in der Anna-Amalia-Bibliothek. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Insbesondere das Jahr 2008 - das Jahr nach der Wiedereröffnung - lockte so viele Menschen an, wie noch nie. Über 91.000 kamen, um die wiederaufgebaute Bibliothek und den Rokokosaal zu sehen. So tragisch das Feuer gewesen ist, der Brand hat die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek auch international bekannt gemacht. Auch Prominente schauen sich gern dort um. So haben unter anderem der Bundespräsident a.D. Joachim Gauck und das niederländische Königspaar den Rokokosaal bestaunt. Der ovale Saal mit seinen Büchergalerien, die sich über drei Etagen erstrecken, wurde nach historischem Vorbild wiedererrichtet. Er gilt als einer der schönsten Bibliotheksräume in Mitteleuropa. Insgesamt hat die Sanierung der ausgebrannten Bibliothek rund 12,8 Millionen Euro gekostet.

Bereits 16,7 Millionen Euro für Restaurierung

20 Millionen Euro wurden im Jahr 2004 für die Restaurierung der insgesamt 118.000 beim Feuer beschädigten Bücher veranschlagt. Nach Angaben des Bibliotheksdirektors Reinhard Laube wurden davon bereits 16,7 Millionen Euro ausgegeben. Die Restaurierung bezeichnet Laube als generationenübergreifende Aufgabe. Sie sei noch längst nicht abgeschlossen. 56.000 mit Ruß- und Rauchgasen kontaminierte Bücher sowie weitere 37.000 mit Wasser- und Brandschäden konnten inzwischen gereinigt und restauriert werden.

Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Die Bibliothek von außen. Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar

Von den 50.000 verlorengegangen Bänden wurde ein Großteil wiederbeschafft. Eine Herausforderung sind die 25.000 sogenannten "Aschebücher". Sie wurden durch das Feuer besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nur etwa 5.000 könnten gerettet werden, schätzt Laube. Zwei Drittel davon sei geschafft. Um sie wiederherzustellen, wurde in einer eigens dafür eingerichteten Werkstatt in Weimar-Legefeld ein Spezialverfahren entwickelt. Die einzelnen Buchseiten würden nass gereinigt, fehlende Stücke würden durch Faserbrei ergänzt, das Ganze werde mit hauchdünnem Japanpapier überzogen und gebunden, erklärte Laube. Restauratoren hätten inzwischen Routine in dieser Methode und würden ihr Wissen auch weitergeben. So arbeite man eng mit der Hochschule Hildesheim zusammen.

Jedes Buch wird digitalisiert

Ein Fototechniker bei der Digitalisierung eines alten Buches.
Digitalisierung der Bücher. Bildrechte: dpa

Wissenschaftler sind interessiert an den Weimarer Erkenntnissen. Sie versuchen, das Verfahren auch auf andere Schadensbilder zu übertragen. Und noch etwas habe der Brand bewirkt: Man habe angefangen jedes Buch zu digitalisieren. Alles was nur fotografiert und gescannt werden kann, wird dadurch konserviert. Eine moderne Multispektralkamera hilft dabei, sichtbar zu machen, was Nässe verwischt hat.

Aktuell zählt die Bibliothek 1,08 Millionen Bücher. Der Schwerpunkt liegt in der Literatur- und Kulturgeschichte um 1800. Viele Exemplare bekommen die Besucher jedoch nicht zu sehen. Sie sind im 2005 eingeweihten unterirdischen Magazin und im Studienzentrum untergebracht. Die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek ist eine Forschungsbibliothek. Momentan sind 4.500 Bibliotheksausweise vergeben.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. Oktober 2017 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2017, 06:00 Uhr

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