Aus für Coca-Cola-Werk in Weimar Stadt und Gewerkschaft verärgert über Coca-Cola-Konzern

Die Stadt Weimar und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zeigen sich nach der Bekanntgabe des endgültigen Endes des Coca-Cola-Werks geschockt und verärgert.

Über dem Eingang eines Gebäudes ist der Schriftzug Coca Cola angebracht.
Das Coca-Cola-Werk in Weimar wird endgültig geschlossen. Bildrechte: MDR/Siegfried Haarbeck

Gewerkschaftssekretär Jens Löbel sagte MDR THÜRINGEN, trotz vieler Bemühungen sei es nicht geglückt, den Standort Weimar mit 180 Beschäftigten zu retten. Die Gewerkschaft hatte laut Löbel zuvor ein Gegenkonzept vorgelegt, wonach Schichten sozial verträglich abgebaut werden sollten. Außerdem hätten Mitarbeiter signalisiert, künftig noch flexibler zu arbeiten. Darauf sei der Konzern aber nicht eingegangen, weil es sich um langfristige Einsparungen gehandelt hätte. Coca-Cola selbst verfolge vielmehr das Ziel, kurzfristig Beträge in Millionenhöhe einzusparen.

Laut Löbel ist das Aus des zweitgrößten Arbeitgebers in der Region für den Wirtschaftsstandort Weimar dramatisch. Zahlreiche Arbeitsplätze und Steuereinnahmen würden damit verloren gehen. Ziel sei es nun, die Belegschaft zeitnah in tarifgebundene Jobs zu vermitteln.

Konzern hat nicht mit sich reden lassen

Stefan Wolf, Oberbürgermeister von Weimar
Stefan Wolf, Oberbürgermeister von Weimar Bildrechte: Stadtverwaltung Weimar

Auch Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) zeigte sich verärgert über das Verhalten des Konzerns. Coca-Cola habe auf alle Vorschläge mit einem klaren Nein reagiert. Solch ein Umgang mit Arbeitnehmervertretern, Land und Kommune sei mit "barsch" noch milde umschrieben. Statt Alternativvorschläge zu unterbreiten, habe Coca Cola lediglich den Verbleib einer kleinen Logistiksparte in Weimar oder im Weimarer Land angeboten. Wolf kündigte an, dass es keinen einfachen hochprofitablen Verkauf des Werksgeländes geben wird. Dafür liegen laut Wolf zu viele Belastungen auf dem Grundstück. Er werde deshalb sehr genau auf das Vorgehen von Coca Cola achten, so Wolf.

Vertriebslager statt Produktionsstätte

Nach Angaben des Konzerns sind ab Montag Gespräche mit den Mitarbeitern des Standortes in Weimar geplant. Unternehmenssprecherin Marlen Knapp sagte MDR THÜRINGEN, dass es dabei um Umschulungen, Jobs an anderen Standorten und Abfindungen gehen soll. 28 Arbeitsplätz sollen erhalten bleiben. Ab September kommenden Jahres sei ein Vertriebslager im Großraum Erfurt/Weimar geplant. Voraussetzung dafür sei, dass ausreichend Mitarbeiter des Standorts Weimar zu einem Wechsel bereit sind. Betriebsbedingte Kündigungen sollen laut Geschäftsleitung vermieden werden.

Mitarbeiter von Coca-Cola demontrieren für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze
Die Coca-Cola-Mitarbeiter demonstrierten für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Am Freitagabend war das Aus für die Produktion in Weimar zum 1. März 2018 beschlossen worden. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern seien beendet, hieß es. Produktion und Verwaltung werden demnach wie geplant dicht gemacht. Coca-Cola hatte am 4. Oktober bekanntgegeben, den Standort Weimar zu schließen. Als Grund wurde unter anderem ein Verkaufsrückgang bei PET-Mehrwegflaschen genannt. Nur mit dem Abfüllen von Glasflaschen sei der Standort nicht wirtschaftlich zu betreiben, hieß es aus der Firmenzentrale. Von der geplanten Schließung am Weimarer Standort sind 178 von 223 Arbeitsplätzen betroffen. Ausgenommen sind die Außendienst-Bereiche Verkauf und Service für technische Geräte wie Kühler und Zapfanlagen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. November 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. November 2017, 20:42 Uhr

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7 Kommentare

19.11.2017 20:29 part 7

Der Grund für den Absatzrückgang ist beim Unternehem selbst zu suchen, wurde doch mehrheitlich auf PET- Einwegflaschen umgestellt, die eingeschweißt in Großpackungen nun wie Plastik- Müll im Regal stehen statt in Kästen. Wahrscheinlich waren die Manager mit ihren Boni unzufrieden, so mussten neue Vertriebs- und Umsatzmodelle her um den Plastikmüll noch weiter zu erhöhen, vom Müll als Inhalt mal ganz abgesehen.

18.11.2017 15:44 optinator 6

Cola und alles andere süßes "Gelumpe" trinke ich max. ein Glas im Jahr.
Bier - eines der gesündesten Lebensmittel, gibt es genügen. Natürlich nur zum Feierabend.
Ansonsten Tee.
Leider bleiben wieder Menschen auf der Strecke die hoffen und auch Zukunftspläne hatten, alles vernichtet. Aber wer in der Schule aufgepasst hat
( DDR bis 1989 ) hat etwas über das Wirtschaftswunder Kapitalismus gelernt.
Einfach mal daran glauben - es war nicht alles falsch !

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