Prozess um Brand in Viehauktionshalle Weimar Brandstifter zu Bewährungsstrafen verurteilt

Im Prozess um den Brand in der historischen Viehauktionshalle in Weimar sind die drei Angeklagten am Freitag zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Amtsgericht Weimar verurteilte sie wegen vorsätzlicher gemeinschaftlicher Brandstiftung zu Haftstrafen von zwei Jahren, einem Jahr sowie zu sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Außerdem müssen die Angeklagten gemeinnützige Arbeit leisten. Weil sie zur Tatzeit vor zwei Jahren 15, 17 und 20 Jahre alt waren, wurden sie nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Die höchste Strafe erhielt der Älteste der drei, weil er laut Gericht Ideengeber und Antreiber der Tat gewesen war. In die Gesamtstrafe gingen auch sieben Drogendelikte sowie ein gemeinschaftlicher Diebstahl ein.

Zwei blonde junge Männer in einem Gerichtssaal verdecken mit Briefen ihre Gesicht, daneben stehen ihre Anwälte.
Zwei der Angeklagten und ihre Verteidiger beim Prozessauftakt im September Bildrechte: MDR/Stefan Eberhardt - medien-partner.net

Strafmildernd bewertete der Richter, dass alle drei ihre Taten gestanden hätten und bereut hatten und sich seither nichts zuschulden kommen ließen. Es sei ihnen klar geworden, dass ihre gemeinschaftliche Brandstiftung noch viel verheerendere Folgen für Menschen und Sachen hätte haben können. Bei ungünstigem Wind hätte nach Aussagen eines Feuerwehrmanns ein Flächenbrand entstehen können. Neben der Halle hatte auch das Dach eines Wohngebäudes Feuer gefangen. Die Bewohner mussten das Haus verlassen. Auch andere Gebäude und zahlreiche Autos wurden beschädigt.

Beim Brand der leerstehenden und seit Jahren ungenutzten Halle im April 2015 war ein Sachschaden von rund zweieinhalb Millionen Euro entstanden. Die Angeklagten hatten angegeben, die Halle aus Frust, Übermut und Gedankenlosigkeit angezündet zu haben. Die geschichtliche Bedeutung des Gebäudes sei ihnen nicht bewusst gewesen. Die Halle war in der Nazizeit Sammelstelle für jüdische Einwohner von Weimar und Ausgangspunkt für ihre Deportation in Vernichtungslager. Zum Zeitpunkt des Brandes im Jahr 2015 gehörte sie der Konsumgenossenschaft Weimar. Nach dem Brand wurde dort ein Gedenkort für die Opfer des Holocaust geschaffen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2017, 19:46 Uhr

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11 Kommentare

08.10.2017 16:04 Selei 11

Dieses schwachsinnige Jugendstrafrecht gehört abgeschafft oder zumindest verändert.Mit 17 Jahren weiß man genau was man tut
,erst recht mit 20 Jahren. Wenn ich dann noch das rumjammern über eine Wiedereingliederung usw. höre, bin ich endgültig bedient.Wer aus Langeweile und Dummheit ein Gebäude abfackelt, soll dafür büßen.

08.10.2017 15:10 Rademacher 10

Die Urteile sind in Deutschland viel zu milde. Besonders schlimm ist es, wenn -wie auch immer wieder in den Medien zu lesen- Gewaltäter und sogar Vergewaltiger mit Bewährung davon kommen. Nach dem Motto „einmal darfst Du. Hier geht es ja „nur“ um Brandstiftung und Sachbeschädigung. Ein paar Monate hinter Gittern wären trotzdem abschreckender gewesen! Jugendlich hin oder her, der eine ist immerhin 20! Wählen, Auto fahren und Verträge aller Art abschließen darf er auch schon. CSU und Teile der CDU wollen doch das konservative Profil stärken! Wie wäre es mit einer Initiative zur Verschärfung des Strafrechts?

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