Coca-Cola Schließung von Werk in Weimar: Sind Verbraucher schuld?

Der Betriebsrat des Coca-Cola-Werks in Weimar hofft, die angekündigte Schließung noch abwenden zu können. Branchenkenner gehen davon aus, dass es bundesweit zu weiterem Arbeitsplatzabbau kommen wird. Die Verbraucher seien daran nicht ganz unschuldig.

von Jörg Pezold

"Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Lothar Ladusch, Betriebsratsvorsitzender am Coca-Cola-Produktionsstandort Weimar. Und deshalb setzen er und seine rund 180 Kollegen auf Verhandlungen des Betriebsrats und der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) mit der Geschäftsleitung, die am Freitag begonnen haben. "Zum Glück haben wir einen Unternehmenstarifvertrag 'Struktur', der den Ablauf der Gespräche regelt", sagt Ladusch und rechnet damit, schon am Montag oder Dienstag nach Berlin eingeladen zu werden. Nach dem von Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee angekündigten "Blick in die Bücher" werde die Belegschaft Vorschläge unterbreiten, den Weimarer Standort zu retten.

Eine Maschine hebt Fanta-Flaschen in Kästen
Abfüllanlage im Werk Weimar Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Für dessen Wirtschaftlichkeit zu wenig getan zu haben, wirft die Gewerkschaft Coca-Cola vor. Die in Ostdeutschland rentablen 0,5- und 1,5-Liter Mehrwegflaschen seien nicht mehr abgefüllt worden. Coca-Cola beklagt zudem Rückgänge beim Geschäft mit 1-Liter-PET-Flaschen. Es seien in Weimar Überkapazitäten produziert worden. Dagegen spricht die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten von einer schon lange getroffenen Management-Entscheidung, "einseitig auf Einweg- statt auf umweltschonende Mehrwegverpackungen zu setzen".

Offenbar weitere Schließungen geplant

Nicht nur die Weimarer Niederlassung scheint vom aktuellen Sparkurs der "Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH" betroffen, in Berlin werden bald sieben weitere "Maßnahmen" verhandelt. Mit Konsequenzen, die bisher vom Abbau von Arbeitsplätzen bis zu Schließungen der Niederlassungen gingen. So hat Coca-Cola  seine deutschen Standorte nach Gewerkschaftsangaben seit 2012 von 60 auf 30 halbiert, darunter auch 17 produzierende.

Stellenabbau bei Coca-Cola in Deutschland seit 2015
Stellenabbau bei Coca-Cola in Deutschland seit 2015 Bildrechte: Deutsche Umwelthilfe/MDR

Ulf Henselin wundert das nicht. Der Referatsleiter für Getränke in der NGG-Hauptverwaltung kennt die Coca-Cola-Aktivitäten europaweit. In Sachen Weimar habe er ein schlechtes Gefühl, weil der weltweit größte Getränkeproduzent auch in Deutschland verstärkt auf Einwegflaschen setze. Solange das vom Gesetzgeber nicht sanktioniert werde, sei die Verpackungsverordnung ein "stumpfes Schwert", werde der Kunde zu den vermeintlich billigeren Einwegflaschen gelockt.

15 Cent Pfand zurück für Mehrweg-, 25 Cent zurück für PET-Einwegflaschen. Auch Thomas Heß, Geschäftsführer der Thüringer Waldquell Mineralbrunnen GmbH, kennt dieses Argument. Doch in Schmalkalden widersetzt man sich noch der Lobby, die Einwegflaschen forcieren will. Seine Erfolgsmarke Vita Cola, Marktführer in Thüringen und Nummer Zwei in Ostdeutschland, bietet Heß aktuell zur Hälfte in beiden Flaschenarten an. Und Mineralwässer zu über 80 Prozent als Mehrweg. Hier gehe der Trend sogar zurück: zur guten alten Glasflasche.

Die Kalkulation - drei Arbeitsplätze für die Getränkeproduktion in Mehrweg- und nur einer für Einwegflaschen - nimmt Waldquell bewusst in Kauf. "Wir sind unseren Preis wert und leben von der regionalen Verwurzelung", sagt Heß und betont, um die Coca-Cola-Mitarbeiter sei ihm nicht bange. Viele seien Facharbeiter, und an denen herrsche bekanntlich Mangel.

Kritik an Einwegstrategie

Vor einem großen Gebäude steht ein rot lackierter Lastzug mit der Aufschrift Coca Cola.
Soll am 1. März 2018 geschlossen werden: das Coca-Cola-Werk in Weimar Bildrechte: MDR/Siegfried Haarbeck

Mit dem Preis entscheide der Verbraucher am Kaufregal auch über regionale Arbeitsplätze. So kommentiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die neueste Entwicklung in Weimar. Seit Jahren kritisiert der Verbraucherschutzverband den Getränkekonzern wegen seiner Einwegstrategie. Weil Coca-Cola aktuell mit billigen Einwegflaschen in die Regale dränge, erhöhe der Konzern den Preisdruck auf seine eigenen Mehrwegangebote. Und die Listung bei Discountern sei momentan der einzige Wachstumsmarkt, sagt Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft der DUH. Dafür opfere man sogar das "Zugpferd", die 0,5-Liter-Mehrwegflasche.

Die Hoffnungen der Coca-Cola-Mitarbeiter in Weimar werden diese Prognosen nicht stärken. Die meisten sind über 50, schätzen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt pessimistisch ein. Aber Aufgeben will Betriebsrat Lothar Ladusch drei Tage nach der schlimmen Botschaft nicht. Wie gesagt: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2017, 13:44 Uhr

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35 Kommentare

09.10.2017 12:35 Barbara 35

@ 3 4 ja Sie haben doch so etwas von Recht...........
sinnlos mit Ihnen sich überhaupt auszutauschen......
jedenfalls nochmals haben wir zu DDR Zeiten gesünder gelebt, ja wir Frauen mußten auch arbeiten gehen und hatten eine Familie im Gegensatz zu der West Frau die ihre Kinder Mittags vom Kinderg. abholen mußte, unser leben damals war härter und aber auch gerechter zu heute , und wir hatten eine gewisse Freiheit als Frau im Gegensatz wieder zu heute.

09.10.2017 07:29 Realist2014 34

@19: Ein ziemlicher seltsamer und unzusammenhängender Beitrag, mit dem Sie offenbar das kläglich gescheiterte sozialistische System in den Ländern des ehemaligen Warschauer Paktes samt Mangelwirtschaft und Diktatur glorifizieren wollen. Dass wir da gesünder gelebt haben, ist ja wohl absurd, man denke nur an die verseuchte Luft und die dreckigen Flüsse! So strengen Verbraucherschutz wie heute gab es in der DDR jedenfalls nicht und die Cola im Osten war vermutlich genauso Gift wie das Original im Westen. Werden die Menschen älter dann häufen sich auch Alterskrankheiten! Sehr alte Menschen gab es nachweislich auch schon im Mittelalter. Der Durchschnitt zählt-und da ist die DDR der BRD bei der Lebenserwartung immer deutlich hinterhergehinkt.

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