An einem Stand auf dem Weimarer Zwiebelmarkt schauen Passanten nach Zwiebelzöpfen
Gebinde aus Zwiebeln und getrockneten Blumen prägen das Bild beim Weimarer Zwiebelmarkt. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Traditionelle Handarbeit Immer weniger Zwiebelbauern bei Weimarer Zwiebelmarkt

Der Weimarer Zwiebelmarkt wird in diesem Jahr zum 364. Mal gefeiert. Herzstück sind seit Generationen die Stände mit Heldrunger Zwiebelzöpfen. Die Nachfrage danach ist nach wie vor groß - doch immer weniger Heldrunger Gemüsebauern kommen nach Weimar.

An einem Stand auf dem Weimarer Zwiebelmarkt schauen Passanten nach Zwiebelzöpfen
Gebinde aus Zwiebeln und getrockneten Blumen prägen das Bild beim Weimarer Zwiebelmarkt. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Immer weniger Gemüsebauern liefern für den Weimarer Zwiebelmarkt. Als Grund gilt die deutlich gesunkene Zahl der Heldrunger Zwiebelbauern, die den Markt seit vielen Generationen mit kunstvoll geflochtenen Zwiebelzöpfen und Strohblumensträußen versorgen. In diesem Jahr sind nach Angaben der Weimarer Stadtverwaltung bislang 60 Heldrunger Verkaufsstände angemeldet - nur etwa halb so viele wie noch vor zehn Jahren und auch weniger als im Vorjahr.

Geringere Standgebühren im Gespräch

Der 1653 erstmals erwähnte Weimarer Zwiebelmarkt, Thüringens bekanntestes Volksfest, wird in diesem Jahr vom 13. bis 15. Oktober gefeiert. Normalerweise sind Theaterplatz und Schillerstraße den Heldrungern vorbehalten. Bereits in den vergangenen Jahren hatte die Stadt den verbliebenen Ständen mehr Platz eingeräumt, um keine Lücken entstehen zu lassen. Um den Abwärtstrend aufzuhalten, sei derzeit eine Verringerung der Standgebühren für die Zopfwickler aus Nordthüringen in der Diskussion, sagte ein Sprecher. Diese könnte 2018 in Kraft treten.

Der Grund für die Nachwuchsmisere ist nach Einschätzung von Zwiebelbauer Heiko Pfau vor allem die Abwanderung aus der Region seit 1990. Zudem sei das zumeist als Hobby betriebene Wickeln der rot-weißen Zwiebelrispen sehr aufwendig. "Wer im Beruf steht, hat dafür meist gar keine Zeit mehr", sagte Pfau.

Kleine Zwiebeln als Folge des Wetters

Das siebenhäutige Gemüse muss getrocknet und gesäubert werden, bevor es in Handarbeit geflochten und mit Strohblumen verziert wird. Das Zöpfewickeln war in Heldrungen lange Zeit eine Sache, bei der die ganze Familie half. Dies habe sich geändert, so Pfau. "Wenn es die Großeltern nicht mehr machen, sieht's schlecht aus." Jugendliche hätten daran oftmals kein Interesse mehr. Die Nachfrage nach Zwiebelzöpfen ist allerdings nach wie vor groß, wie der Landwirt sagt.

In diesem Jahr müssten dazu vor allem kleine Zwiebeln verarbeitet werden. Dies sei eine Folge des Wetters. "Das Frühjahr war zu lange trocken, der Regen kam dann zu spät." Die Anbaufläche für Zwiebeln ist in Thüringen seit Mitte der 1990er Jahre um die Hälfte geschrumpft. Im vergangenen Jahr wuchsen sie nach Angaben des Statistischen Landesamtes auf nur noch rund 122 Hektar. Geerntet wurden knapp 398 Dezitonnen je Hektar.

Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. Oktober 2017 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2017, 16:16 Uhr

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1 Kommentar

02.10.2017 16:02 Renate 1

So gehen halt alle hiesigen Traditionen dem Digitalen Zeitalter geschuldet den Bach herunter
Schon als Kleingärtner beobachtet man, wo es hingeht.
Junge Leute werden immer mehr zu Nomaden haben kaum mehr Zeit sesshaft zu werden.
Wer baut schon noch Zwiebeln an. Die sind sowas von billig beim Discounter.
Zu Veramschware deklassiert.

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