Untersuchung Wolf hat Schafe im Jonastal getötet

Jetzt ist es amtlich: Ein Wolf hat im Jonastal elf Schafe getötet. Eine Genanalyse brachte Gewissheit. Der Schäfer soll nun schnell entschädigt werden. Der Staatssekretär im Umweltministerium bedauert den Vorfall.

Die im Jonastal entdeckten toten Schafe sind von einem Wolf gerissen worden. Nach Angaben des Thüringer Umweltministeriums bestätigte das eine Genanalyse der an den Bisswunden gewonnenen Speichelreste. Das Senckenberg-Institut im hessischen Gelnhausen habe vier Proben zweifelsfrei dem Wolf zuordnen können. Zwei weitere Proben konnten nicht bestimmt werden. Das Ministerium sicherte dem Schäfer eine schnelle Entschädigung zu.

Ein getötetes Schaf liegt auf einer Wiese.
Elf Schafe wurden im Jonastal getötet Bildrechte: Jürgen Hoffmann

Die toten Tiere waren vor zehn Tagen bei Gossel im Jonastal (Ilm-Kreis) entdeckt worden. Insgesamt starben bei der Bissattacke elf Tiere, ein Schaf ist noch immer verschwunden. Die anderen 40 Schafe der Herde seien mit dem Schrecken davongekommen. Das Gebiet am Rande des Thüringer Waldes gilt als Wolfsgebiet. Auf dem nahen Truppenübungsplatz Ohrdruf lebt eine Wölfin. Ob sie die Schafe angriff, ist noch unklar. Die Wölfin ist bislang das einzige in Thüringen nachgewiesene Tier.

Nach Angaben des Umweltministeriums hat es in Thüringen seit 2014 nur zwei bestätigte Wolfsangriffe gegeben. Am 27. Mai 2015 erbeutete ein Wolf bei Schwabhausen ein Rinderkalb, am 13. Juli 2015 fielen bei Gossel im Ilmkreis zwei Schafe einem Wolf zum Opfer. Beide Orte liegen dicht beieinander. Nach dem ersten Begutachten durch einen Sachverständigen deuteten in dem aktuellen Fall die gezielten Kehlbisse bereits auf einen Wolf hin.

Der Thüringer Schafzuchtverband rief zur Besonnenheit auf. Vorstandsmitglied Arno Rudolph sagte MDR THÜRINGEN, bisher gebe es im Freistaat noch kein echtes Problem mit dem Wolf. Es habe nur einzelne Angriffe auf Schafe gegeben. Der Vorfall im Jonastal löse daher bei den Schäfern noch keine Panik aus. Nach Angaben von Rudolf kann sich die Situation aber schnell ändern, wenn es in Thüringen zwei oder drei Wolfsrudel geben sollte. Es sei noch nicht klar, welches Tier die Schafe im Jonastal getötet habe. Es könne entweder die bereits bei Ohrdruf lebenden Wölfin oder auch ein neu zugewanderter Wolf gewesen sein, so Rudolph.

Wie wird ein Schafzüchter entschädigt? Nach Angaben des Schaftzüchterverbandes bekommen die Tierhalter pro Lamm etwa 110 Euro und pro Schaf etwa 125 Euro. Schafe mit einer besonderen Abstammung und einem sogenannten Eintrag in das Herdenbuch werden mit etwa 200 Euro entschädigt. Laut Verband arbeiten im Freistaat zurzeit rund 160 hauptberufliche Schafzüchter. Einschließlich der Tiere, die die Hobby- und Nebenerwerbsschäfer halten, gibt es in Thüringen knapp 200.000 Schafe.

Staatssekretär bedauert Vorfall

Der Staatssekretär im Thüringer Umweltministerium, Olaf Möller, sagte MDR THÜRINGEN, der Vorfall im Jonastal sei bedauerlich. Schäfer würden auch eine wichtige Aufgabe für den Umweltschutz erfüllen. Die Schafe verhinderten eine Verbuschung der Landschaft und würden damit Lebensraum für viele andere Pflanzen- und Tierarten schaffen. Gleichzeitig stehe aber auch der Wolf unter strengem Schutz. Nach Angaben von Möller wird zurzeit in der Umweltministerkonferenz der Bundesländer beraten, wie man insbesondere mit sogenannten Problemwölfen umgehen soll. Schwierigkeiten mit Wölfen gebe es bisher vor allem in Brandenburg, Sachsen oder Niedersachen. Thüringen ist nach Einschätzung des Umweltstaatssekretärs kaum von der Wolfsproblematik betroffen.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19.07.2017 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2017, 17:17 Uhr

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4 Kommentare

20.07.2017 09:12 So ist das 4

Die Geister, die ich rief...

19.07.2017 21:01 W. Merseburger 3

Herr Graf,
wenn diese Sache nicht so ernst wäre, könnte man über ihren saloppen Spruch
lachen. Der Angriff von Wölfen auf leichte Schafsbeute nimmt in Mitteldeutschland
signifikant zu. Was wollen wir? Endlich wieder Wölfe, die ja so "nützlich" sind! Oder brauchen wir vielleicht doch die Schafe für unterschiedlichste Aufgaben wie : Erhaltung von Heidestrukturen, Kleinhaltung von Strauchwuchs in Trockengebieten, Verfestigung von Dämmen zum Hochwasserschutz durch Abweiden. Vielleicht sollte auch der BUND mal nachdenken?

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