Das Rathaus am Marktplatz  in Artern.
Das Rathaus am Marktplatz in Artern. Bildrechte: dpa

Patenschaftsvertrag Artern arbeitet mit Bundeswehr zusammen

Hohe Zäune, dicke Mauern und Wachpersonal - die Kasernen in Thüringen sind meist gut abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Die Bundeswehr ist eine Welt für sich und die Einwohner bekommen oft wenig davon mit, was sich im Inneren der Kasernen abspielt. Das soll sich in Artern im Kyffhäuserkreis jetzt ändern.

von Katharina Melzer

Das Rathaus am Marktplatz  in Artern.
Das Rathaus am Marktplatz in Artern. Bildrechte: dpa

Die Stadt Artern unterschreibt am Dienstag einen Patenschaftsvertrag mit der 3. Kompanie des Panzerbataillons 393 in der Kyffhäuserkaserne Bad Frankenhausen. "Wir wollen uns gegenseitig unterstützen und freundschaftliche Beziehungen pflegen", sagte Bürgermeisterin Christine Zimmer (CDU) MDR THÜRINGEN. "Dazu gehören auch gemeinsame Aktivitäten auf kultureller, sozialer und sportlicher Ebene."

Praktikum in der Kaserne und Fußball

Eine Frau sitzt an einem Tisch
Arterns Bürgermeisterin Christine Zimmer Bildrechte: MDR/Sascha Richter

Ganz konkret geplant ist bereits ein Freundschaftsspiel zwischen dem Fußballverein in Artern und einer Mannschaft der Bundeswehr im Sommer. Außerdem möchte die Stadt Jugendliche dabei unterstützen, ein Praktikum in der Kyffhäuserkaserne in Bad Frankenhausen zu machen. Der Vertrag wird nicht ohne Hintergedanken geschlossen.

Beide Seiten sollen etwas davon haben: "Wir wollen das Verständnis für die Bundeswehr bei uns in der Region bei unseren Bürgern stärken. Die Leute sollen einfach wissen, dass die Soldaten für uns da sind", sagte Christine Zimmer. Und natürlich geht es auch um junge Rekruten, die es von Artern nach Bad Frankenhausen in die Kaserne nicht weit hätten. Nachwuchs wird überall gebraucht, so auch bei der Bundeswehr.

Dass so eine Patenschaft gut funktionieren kann, zeigt das Beispiel Bad Frankenhausen. Wie Bürgermeister Matthias Strejc (SPD) MDR THÜRINGEN sagte, helfen sich die Stadt und das Panzerbataillon 393 sowie das Versorgungsbataillon 131 in der Patenschaft seit 2015 in vielen Lagen gegenseitig. "Eine der wichtigsten Einrichtungen dabei ist die Familienbetreuungsstelle", sagte Strejc. Dabei handelt es sich um eine Einrichtung, die Familienangehörige von Soldaten unterstützt, die gerade im Auslandseinsatz sind. Sie klärt Probleme, beantwortet Fragen und organisiert gemeinsame Freizeitaktivitäten. "Wir sind da einfach für die Familien da."

Stadt unterstützt Soldaten bei Wohnungssuche

Ein Bergepanzer der Bundeswehr rollt von einem Waggon auf eine Rampe
Panzerumzug in Sondershausen (Archivbild) Bildrechte: Karl-Heinz Herrmann

Darüber hinaus helfen die Soldaten der Stadt beispielsweise beim Weihnachtsmarkt und beim Kyffhäuserberglauf, wenn es um Auf- und Abbau geht. Außerdem gibt es einen gemeinsamen Neujahrsempfang von Stadt und Bundeswehr. Die Stadt wiederum wird die Soldaten künftig unterstützen, wenn sie eine Wohnung außerhalb der Kaserne suchen müssen. Hintergrund ist, dass die Kyffhäuserkaserne im Herbst auf 1.600 Dienstposten aufgestockt werden soll und damit nicht mehr genug Platz für alle ist.

Auch in Artern gab es in der Vergangenheit so eine Patenschaft. Bevor die Bundeswehr im Kyffhäuserkreis vor fünf Jahren umstrukturiert wurde, pflegte die Stadt Beziehungen zu einem anderen Bataillon, das im Zuge der Neuerungen aufgelöst wurde. "Dann hatte sich auch die Patenschaft erledigt", erinnert sich Bürgermeisterin Zimmer. "Mein Vorgänger hatte offenbar nicht so großes Interesse daran, aber ich möchte das jetzt alles wieder neu aufleben lassen und finde, es ist eine gute Sache für uns und das Leben in der Stadt."

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 14.03.2017 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2017, 13:35 Uhr

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1 Kommentar

14.03.2017 14:40 Mediator 1

Patenschaften von Gemeinden mit Truppenteilen der Bundeswehr haben eine lange Tradition. Immer wichtiger wird jedoch die Vernetzung von Lokalpolitik, lokaler Wirtschaft und Truppenteilen vor Ort.

Letztendlich profitieren alle von einer guten und engen Zusammenarbeit. Aus der Bundeswehr scheiden jedes jahr hoch qualifizierte Fachkräfte aus, die oft in der Region gebraucht werden. Über den Berufsförderungsdienst ist sogar eine gezielte Ausbildung auf die Bedürfnisse einzelner Arbeitgeber möglich.

Soldaten wiederum profitieren von einer guten Vernetzung mit der Wirtschaft. Wenn die Freundin in der Region auch einen Job findet, dann steht einem Umzug oft wenig im Weg. Gerade Betriebe in Regionen, bei denen die Jungen zur Ausbildung wegziehen und nur vereinzelt zurück in die Region kommen, haben oft Nachwuschssorgen.