Vor einer kleinen Kirche stehen zahlreiche Menschen. Sie blicken zu der Kirche, vor der ein Bischof eine Predigt hält.
Eine Messe an der Wallfahrtskapelle auf dem Hülfensberg. Bildrechte: MDR/Harald Mohr

Eichsfeld Kirchen bleiben nach Heiligendiebstählen geschlossen

Sowohl aus einer Kirche in Silberhausen, als auch aus der Wallfahrtskapelle auf dem Hülfensberg sind Heiligenfiguren gestohlen worden. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang, da die beiden Figuren zu der "Gruppe der 14 Nothelfer" gehören. Besucher können bis auf weiteres nur unter Aufsicht die Kirchen im Eichsfeld betreten.

Vor einer kleinen Kirche stehen zahlreiche Menschen. Sie blicken zu der Kirche, vor der ein Bischof eine Predigt hält.
Eine Messe an der Wallfahrtskapelle auf dem Hülfensberg. Bildrechte: MDR/Harald Mohr

Nachdem aus zwei Kirchen im Eichsfeld Heiligenfiguren gestohlen wurden, bleiben die Gotteshäuser vorerst geschlossen. Der Zutritt zu den Kirchen werde nur unter Aufsicht möglich sein, sagte der Struther Pfarrer Dominik Trost MDR THÜRINGEN am Freitag.

Sockel, auf dem die Figur der Heiligen Katharina von Alexandrien in der Wallfahrtskapelle auf dem Hülfensberg stand
Von diesem Sockel wurde die Heilige Katharina gebrochen. Bildrechte: MDR/Ria Weber

Aus der Wallfahrtskapelle auf dem Hülfensberg im Eichsfeld hatten Unbekannte am Donnerstagmittag die Figur der Heiligen Katharina von Alexandrien gestohlen. Nach Angaben der Polizei wurde sie in der Zeit zwischen 13:15 und 14:15 Uhr entwendet. Die Holzfigur ist etwa einen Meter groß. Bereits am Mittwoch war die Kirche St. Cosmas und Damian das Ziel der Diebe. Dort stahlen sie die Holzfigur des Heiligen St. Cyriacus, eine Schnitzerei aus dem 17. Jahrhundert. Sie wurde vom Sockel gehebelt oder abgebrochen. Die gestohlenen Heiligenfiguren, deren materieller Wert zwischen 2.500 Euro und 3.500 Euro liegen dürfte, hätten für die Gläubigen einen unschätzbaren idellen Wert, sagte Pfarrer Trost.

Sammelt jemand alle 14 Nothelfer?

Eine Holzfigur, die den Heiligen Cyriakus darstellt.
Die am Mittwoch in Silberhausen gestohlene Figur des Heiligen Cyriacus. Bildrechte: Landespolizeiinspektion Nordhausen

Wie der Silberhausener Diakon Winfried Lang MDR THÜRINGEN sagte, standen in der Kirche St. Cosmas und Damian bis zu dem Diebstahl alle 14 Heiligenfiguren aus der sogenannten "Gruppe der 14 Nothelfer". Da die etwa 50 Zentimeter hohen Figuren mit Schrauben befestigt sind, wurde die Cyriacus-Figur beim Diebstahl beschädigt. Die restlichen 13 Figuren blieben laut Lang aber unversehrt. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang zwischen den beiden Taten im Eichsfeld, da auch die gestohlene Heilige Katharina aus der Wallfahrtskapelle auf dem Hülfensberg zu den 14 Nothelfern gehört.

Verschwinden sie im Ausland, verschwinden sie für immer

Bereits im April waren aus der evangelischen Blasiikirche in Nordhausen zwei Kruzifixe gestohlen worden. Dabei handelte es sich um Stücke aus der 1945 bei einem Bombenangriff auf Nordhausen zerstörten Nikolaikirche. Auch dieser Diebstahl war laut Polizei am hellichten Tag begangen worden.

Der Thüringer Kunst-Händler Bernd Busse sagte MDR THÜRINGEN, dass es für die Diebe extrem schwierig sei, gestohlene Kirchengegenstände auf dem offenen Markt zu verkaufen. Sie seien per Foto zu identifizieren und damit für Antiquitätenhändler innerhalb Deutschlands "heiße Ware". Würden die Heiligenfiguren allerdings im Internet oder auf Flohmärkten im Ausland angeboten, seien die Chancen weitaus schwieriger, sie wieder zu finden, sagte Busse.

Die 14 Nothelfer Die 14 Nothelfer sind 14 Heilige aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert, wobei alle bis auf einen als Märtyrer gestorben sein sollen.
In der katholischen Kirche werden die Nothelfer als Schutzpatrone im Gebet angerufen. In der evangelischen Kirche gelten sie allgemein als Vorbilder im Glauben.
Die Heilige Katharina gilt als Beschützerin der Mädchen und Ehefrauen und Patronin der Gelehrten sowie zahlreicher Handwerksberufe.
Der Heilige Cyriacus ist Schutzpatron der Winzer. Er soll vor allem vor schlechtem Wetter und Frost schützen. Außerdem wird er noch heute gegen böse Geister und Besessenheit angerufen.

Zuletzt aktualisiert: 08. Juli 2016, 19:11 Uhr

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4 Kommentare

09.07.2016 18:54 Phrasenhasser 4

Mit den Diebstählen wird es leider immer schlimmer. Vielleicht wird auch nur der Leitsatz falsch interpretiert, den unsere Sozialromantiker geprägt haben: Bereicherung durch Zuwanderung... Man kann nach gewissem Nachdenken einfach keine anderen Rückschlüsse ziehen, weil es nicht üblich war bis vor einigen Jahren, hier Statuen und Grabplatten von Friedhöfen zu stehlen, wie auch Kirchenglocken, sogar kostbare Heiligtümer an sich zu nehmen, teils mit roher Gewalt. Beharrlich den Zusammenhang mit Schengen abzuleugnen, verärgert den Bürger und kann eben nicht mehr unter die Rubrik "Halbwahrheiten-Information" fallen...

09.07.2016 17:46 Liberaler 3

Die Einbrüche nehmen seit Monaten immer mehr zu. Es braucht mehr Polizei und vor allem härtere Strafen. Die Freiheit und das Eigentum der gesetzestreuen Normalbürger müssen durch den Staat geschützt werden. Irgendwelche heiligen Gegenstände aus Gotteshäusern zu klauen ist allerdings besonders schäbig. Für die Gläubigen bestimmt regelrecht deprimierend. Da wünsche ich mir ja fast, dass es wirklich eine Hölle gibt!

09.07.2016 16:37 Besorgter Bürger 2

Es werden immer mehr "Katastrophen"meldungen veröffentlicht, doch nichts geschieht, um diese zu verhindern. Es geht hier um Einbrüche und Diebstähle in Kirchen. Gleiches wird in letzter Zeit vermehrt von Wohnungen gemeldet. Wird gelegentlich ein Einbrecher gefasst, kommt er gleich wieder "auf freien Fuß" und kann sich dem nächsten Einbruch widmen. Die Justiz ist hier gefragt und jetzt am Zuge. Wer auf frischer Tat ertappt wird, soll auch auf frischer Tat verurteilt werden. Ich erlebe in öffentlichen Gerichtsverhandlungen oft, wie "rücksichtsvoll" mit Straftätern umgegangen wird, weil oft die Taten lange zurückliegen oder die Täter dem Gericht erklären, dass Sie für Wiedergutmachung kein Geld haben. Mir wird bange davor, was wohl in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren in unserem Land los ist... Kann man sich dann noch aus dem Haus trauen?

08.07.2016 21:12 Realist2014 1

Wieder mal ein Beweis dafür, wie moralisch verkommen unsere Gesellschaft mittlerweile ist. Nichts ist mehr heilig. Ein Land wo demnächst selbst Kirchen Wachschutz benötigen, ist wirklich im geistig-moralischen Sumpf angekommen.