Nach Umzug aus Weißensee Steinschleuder wird in Leinefelde nicht schießen

von Thomas Kalusa

Der Nachbau einer mittelalterlichen Steinschleuder auf Burg Scharfenstein soll nie schießen. Das hat jetzt der Bürgermeister von Leinefelde-Worbis Marco Grosa (CDU) bekräftigt. Die Schleuder, die 2010 von seinem Vorgänger Gerd Reinhardt (CDU) angeschafft worden war, sei in dermaßen schlechten Zustand, dass eine Wiederherstellung knapp 600.000 Euro kosten würde.

Steinschleuder und Publikum auf einer Wiese.
Als sie noch eine Attraktion war - Steinschleuderschießen bei einem Mittelalterfest auf der Runneburg in Weißensee. Bildrechte: dpa

2010 hatte Leinefelde-Worbis für die Schleuder 25.000 Euro bezahlt, aber schon damals waren die Transportkosten hoch und wegen des Zustandes ließ man einen Teil der Hölzer gleich bei einer Zimmerei in Leubingen (Kreis Sömmerda) zurück. Schon Pfingsten 2010 sollte sie erstmals schießen, frohlockte damals Bürgermeister Gerd Reinhardt. Ankündigungen die sich noch mehrmals wiederholen sollten.
Seit 2010 lagern nun Teile der mittelalterlichen Angriffswaffe vor der Burg Scharfenstein bei Beuren und unter anderem der 18 Meter lange Wurfarm auf dem Gelände der Zimmerei Quenzel im Kreis Sömmerda. Schon vor Jahren bewertete Zimmermeister Uwe Quenzel den Zustand der Hölzer als schlecht. 15 Jahre war die "Blide", wie man so eine Steinschleuder auch nennt, Wind und Wetter ausgesetzt gewesen. Besonders die Hölzer, die auf dem Boden standen, waren weggefault.

Blide schleuderte 130 Mal auf der Runneburg

Steinschleuder auf der Runneburg in Weißensee.
300 Meter Reichweite hat die sogenannte Blide. Kaiser Otto IV. setzte sie 1212 bei der Belagerung der Runneburg ein. Bildrechte: MDR/Michael Erler

In den Jahren nach dem Bau der Schleuder 1997 hatte der Runneburgverein aus Weißensee bei Mittelalterfesten rund 130 Mal die Seile gespannt und 50 Kilo schwere Steine teils 300 Meter weit geschossen. Zu den Festen kamen tausende Besucher. Besonders spektakulär wurde es, wenn Feuerkugeln verschossen wurden. Zielsicher ging es dabei mit dem früher "Das teuflische Werkzeug" genannten Gerät wohl nicht immer zu, sagte jetzt der frühere Weißenseer Bürgermeister Peter Albach dem Leinefelde-Worbiser Bürgermeister Marco Grosa. Mehrmals seien auch Gartenlauben von den Steinen getroffen worden. Die Besitzer hatte man wohlweislich schon vorher aus der Gefahrenzone evakuiert.

"Das teuflische Werkzeug" war 2010 ein Schnäppchen

Die ursprünglich 250.000 Euro teure Kampfmaschine war 2010 für ein Zehntel dieses Preises ein Schnäppchen, wie damals Bürgermeister Gerd Reinhardt betonte. Aber weitere Kosten kamen dazu. Der Landkreis Eichsfeld bewilligte 40.000 Euro Planungskosten. Was die Zimmerei allein für die Lagerung bekam, ist unbekannt. Eine komplette Wiederherstellung der Blide würde heute knapp 600.000 Euro kosten, sagte Bürgermeister Marco Grosa dem MDR. Auch die räumlichen Gegebenheiten wären viel zu eng, befand er. Der frühere Polizist sieht die Blide nicht als schießende Attraktion. Zu ungenau wäre sie und zu viel vom nicht gerade großen Vorplatz der Burg würde sie in Beschlag nehmen.

Nun soll sie nicht mehr neben der Burg errichtet werden, sondern 100 Meter davor. Wie eine Angriffswaffe im Mittelalter eben stehen würde, so Grosa. Dafür wird nun an einem Gesamtkonzept des Burgvorplatzes gearbeitet, der die Blide als reines Schaustück vorsieht. Was das nochmal kosten würde ist unklar, so der Bürgermeister.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. November 2017 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2017, 14:33 Uhr

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