Kraniche auf einem Feld
Am Stausee Kelbra rasten jährlich tausende Kraniche. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Kyffhäuserkreis 25 Tonnen Weizen - nur für Kraniche

Am Stausee Kelbra campieren jährlich tausende hungrige Kraniche auf ihrem Flug Richtung Süden. Das ärgert Landwirte in der Region, die um ihr Saatgut bangen. Eine EU-geförderte Ablenkfütterung soll sie schützen.

Kraniche auf einem Feld
Am Stausee Kelbra rasten jährlich tausende Kraniche. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Mit Hilfe von EU-Geldern organisiert der Landschaftspflegeverband (LPV) Südharz Kyffhäuser auch in diesem Jahr eine Ablenkfütterung für Kraniche. Geschäftsführerin Astrid Koschorrek sagte MDR THÜRINGEN, im vierten Jahr in Folge würden auf fünf bis sieben Hektar bis zu 25 Tonnen Weizen verteilt. Davon profitieren nicht nur die Vögel, sondern auch drei Landwirte, die um die Kelbraer Seen Flächen bewirtschaften. Denn die Kraniche verschonen während der Ablenkfütterung weitgehend die Aussaat auf den umliegenden Feldern.

Drittwichtigster Rastplatz Deutschlands

Kranichfamilie im Flug
Kraniche beim Flug Bildrechte: Dieter Damschen

An den Seen rasten inzwischen alljährlich bis zu 65.000 Tiere auf dem Flug in den Süden. Die Gegend soll nach dem Rhinluch im Havelland und der Diepholzer Moorniederung in Hessen drittwichtigster Rastplatz sein.Kraniche ernähren sich von Getreideresten, Samen, Mäusen, Insekten, Kleinvögeln - und gekeimtem Saatgut. Landwirte fluchen, weil sie für die Schäden der Vögel auf den Feldern keinen Anspruch auf Schadensersatz haben. Koschorrek sagte, der Schaden lasse sich auch nicht wirklich beziffern. Mit dem Fütter-Projekt der EU könne aber bei den Landwirten die Akzeptanz für den Vogelflug gefördert werden. Das Ablenkfutter wird bezahlt. Außerdem bekommen die Landwirte exklusive Informationen über das Herannahen der Kraniche. Damit können sie beispielsweise auch Aussaat-Termine anpassen.

Kraniche brauchen Ruhe

Kraniche auf einem Feld
Kranichfütterung im Kyffhäuserkreise: 25 Tonnen Weizen werden verteilt. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Der Ablenk-Weizen wird nicht auf einmal ausgebracht, sondern nach Bedarf. Der Tisch soll möglichst nur für die Vögel gedeckt werden und weder Ratten noch Wildschweine anlocken. Beim Ausbringen des Ablenkfutters hätten die Mitarbeiter der beteiligten Agrarbetriebe auch schon so manchen Fußgänger, Hundebesitzer oder Quadfahrer gestellt und davon abgehalten, sich den Kranichen zu nähern. Denn Kraniche brauchen Ruhe. Jedes Aufscheuchen bedeutet für die Vögel Energieverlust - Energie, die sie für den Flug brauchen. Zum Schutz der Vögel setzt der Landschaftspflegeverband auch Ranger ein, die Neugierige versuchen von den Schutzgebieten abzuhalten.

Als Angebot für die Vogel-Beobachter gibt es Beobachtungstürme und regelmäßig Führungen des Landschaftspflegeverbandes und auch vom Nordhäuser Nabu. Die Führungen werden bis Mitte Dezember angeboten. Im vergangenen Jahr wurden über 6.000 Teilnehmer registriert. Hier sitzen auch die erfahrenen Ornithologen, die teilweise seit Jahrzehnten die Kraniche-Flüge über Nordthüringen beobachten und dokumentieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 23. Oktober 2017 | 17:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2017, 20:27 Uhr

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3 Kommentare

23.10.2017 21:24 part 3

Na...dann warten wir mal bis die Großflächenlandwirte in glyphosatgetränkter Monokultur mal wieder über zu viele Mäuse jammern, die jetzt schon eifrig über die Landstraßen huschen und ebenfalls an der neuen Aussaat Interesse finden.

23.10.2017 20:14 Rasselbock 2

War vor wenigen Wochen in Südschweden, Flasterbö, Höllviken. Jeden Abend flogen jede Menge Kranniche an, jede Menge Geschnatter. Zuerst dachte man in der Nähe ist eine Frauenkofenrenz der Feministinnen. :-)

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