Fünffaches Muttertier Experte über Tod von Eichsfeld-Luchsin entsetzt

Der Beauftragte des Luchs-Projekts im Harz, Ole Anders, hat den Verlust der Eichsfelder Luchsin F 5 als "dramatisch" bezeichnet. Anders sagte MDR THÜRINGEN, er gehe davon aus, dass auch ihr fünf-köpfiger-Wurf "bereits vor Wochen" verendet sei. Laut Anders war es die erste nachgewiesene Luchs-Reproduktion in Thüringen - außerhalb der Harzregion. Die Fachwelt habe gehofft, mit Hilfe der Tiere mehr über das Ansiedlungsverhalten im Flachland zu erfahren. Deshalb sei der Total-Verlust so tragisch. Junge Luchse könnten in dem Lebensstadium ohne Muttertier oder andere Hilfe nur wenige Tage überleben.

Spaziergänger finden Reste von Eichsfeld-Luchsin

Luchs im Nationalpark Harz
Im Harz sind Luchse schon lange aktiv. Doch im Flachland sind sie eher selten (Themen-Archivbild) Bildrechte: Ole Anders/Nationalpark Harz

Das mit dem Luchs-Monitoring in Thüringen beauftragte Landesamt für Umwelt und Geologie (TLUG) hatte Anfang der Woche den "Todfund" der Luchsin bekannt gegeben. Spaziergänger hatten die skelettierten Überreste und das Sendehalsband von F 5  Anfang Dezember auf einem Waldweg gefunden.

Das Leibniz-Institut für Zoologie und Wildtierforschung in Berlin wurde mit Untersuchungen beauftragt. Nach Angaben der TLUG soll die Todesursache der Luchsin nicht mehr feststellbar sein. Toxikologische oder Hinweise auf einen Abschuss habe es nicht gegeben, so die TLUG. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN steht der abschließende Bericht des Instituts aber noch aus.

Der Fundort der Luchsin war nach bisherigem Kenntnisstand nicht der Ort, an dem das Tier verendet ist. Zum Verbleib der Jungtiere erklärte die TLUG, darüber keine Kenntnis zu haben. Zu ihrem Schutz sei der Fund des toten Muttertieres aber erst verspätet mitgeteilt worden. Das Muttertier und drei ihrer Jungen seien Ende September zuletzt dokumentiert worden, hieß es.

NABU Thüringen fordert mehr Schutz für den Luchs

Der Naturschutzbund NABU Thüringen hat unterdessen mehr Schutz für den Luchs gefordert. Silvester Tamás vom NABU Thüringen sagte, auf die lange verfolgte Raubkatze lauerten viele Gefahren bei ihrer Rückkehr nach Thüringen. Es gebe Hinweise auf illegale Nachstellungen, bei denen die Staatsanwaltschaft ermittle. Trotz des strengen Schutzes gelingt es dem Luchs laut NABU noch nicht, sich dauerhaft in Thüringen niederzulassen.

Thüringen liegt zwischen den zwei bedeutenden mitteleuropäischen Luchsvorkommen im Harz und im Bayrischen Wald. Laut NABU Thüringen ist es wichtig, dass diese beiden, noch von einander isolierten Populationen über Thüringen zusammenfinden und sich genetisch austauschen können.

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2016, 12:26 Uhr

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