Eine Frau stützt eine alte Dame beim Gehen.
Auch zwei Altenpflegeheime wurden evakuiert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg Fliegerbombe in Nordhausen entschärft

In Nordhausen haben Sprengstoffspezialisten eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Zuvor mussten die Anwohner im Umkreis von 800 Metern um die Fundstelle evakuiert werden. Rund 3.000 Menschen mussten ihre Wohnungen vorübergehend verlassen.

Eine Frau stützt eine alte Dame beim Gehen.
Auch zwei Altenpflegeheime wurden evakuiert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Fliegerbombe in Nordhausen konnte am Samstagnachmittag von den Sprengstoffexperten der Firma Tauber entschärft worden. Mitten auf einem Acker wurde dafür der Fundort in 3,60 Metern Tiefe erneut freigelegt - zunächst mit einem Bagger, dann per Hand. Die Fliegerbombe war vor 10 Tagen nur identifiziert und dann wieder zugeschaufelt worden. Die britsche Fliegerbombe wiegt 549 Kilogramm und ist mit 250 Kilogramm Sprengstoff gefüllt.

Wäre die Entschärfung nicht möglich gewesen, hätte die Bombe wegtransportiert und gesprengt werden müssen. Dafür wurde im Vorfeld bereits in etwa einem Kilometer Entfernung eine entsprechende Fläche vorbereitet.

Die Evakuierung der Anwohner im Norden von Nordhausen ist nach Angaben der Stadt problemlos abgelaufen. Unter anderem habe die Polizei mit einem Hubschrauber noch einmal das gesamte Gebiet überflogen, um zu kontrollieren, dass sich niemand mehr in dem Gebiet im Norden der Stadt aufhalte.

Ein Bagger gräbt auf einem Feld ein Loch.
Unter anderem mit einem Bagger hat die Spezialfirma die Bombe freigelegt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Zahl der zu Evakuierenden sei deshalb so hoch gewesen, weil der Sprengkörper in der Nähe eines Neubaugebiets gelegen habe. Unter anderem seien auch die Bewohner zweier Altenheime in Sicherheit gebracht worden. Die Stadt hat Notunterkünfte für alle Evakuierten eingerichtet - unter anderem in der Turnhalle der Käthe-Kollwitz-Schule. Auch eine medizinische Versorgung werde gewährleistet. Bürgermeisterin Jutta Krauth erklärte im Vorfeld, die betroffenen Einwohner müssten sich darauf einstellen, möglicherweise erst abends in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren zu können.

Gegen 15:30 Uhr gab Statsprecher Patrick Grabe schliesslich Entwarnung. Die Bombe sei entschärft. Die 3000 Einwohner könnten in ihre Wohnungen zurückkehren.

Hotline der Stadt Nordhausen: 03631 - 696 115

Nordhausen war am 3. und 4. April 1945 von alliierten Bomberverbänden angegriffen und schwer zerstört worden. Rund 8.800 Menschen kamen dabei ums Leben. Große Teile der Stadt wurden zerstört. Die aktuelle Bombenentschärfung ist der Stadt Nordhausen zufolge bereits die 404. nach Kriegsende. Fachleute gehen davon aus, das etwa 6.000 Bomben auf die Stadt herabgefallen waren, von denen 1.000 Blindgänger gewesen sein könnten.

Nordhausen vor und nach der Bombardierung 1945

Luftbild von Nordhausen (Zentrum) vom 22.03.1945
Luftbild von Nordhausen (Zentrum) vom 22.03.1945. Die mittelalterliche Altstadt ist deutlich zu erkennen. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild von Nordhausen (Zentrum) vom 22.03.1945
Luftbild von Nordhausen (Zentrum) vom 22.03.1945. Die mittelalterliche Altstadt ist deutlich zu erkennen. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild von Nordhausen (Zentrum) vom 08.04.1945
Nordhausen (Zentrum) am 08.04.1945. Die Innenstadt ist nach dem Luftangriff zerstört. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Alle (2) Bilder anzeigen

Quelle: MDR THÜRINGEN / dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 03. September 2017 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2017, 08:17 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

04.09.2017 10:45 Bernd Andreas 5

Wieder tolle Arbeit der Tauber-Jungs!
Und in Frankfurt/Main waren es bestimmt mal wieder nicht die Deutschen, die sich weigerten, ihre Wohnungen zu verlassen...

03.09.2017 19:17 Brigitte Ilm 4

Dank den Menschen die immer wieder mit
großer Präzision arbeiten und dennoch immer
wieder ihr Leben für uns riskieren.

Mehr aus der Region Nordhausen - Heiligenstadt - Mühlhausen - Sömmerda

Mehr aus Thüringen

Rotmilan Jungtier
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK