Prozess um Kofferbombe von Obergebra Angeklagter: Anschlag galt "nur" dem Auto

Der versuchte Anschlag mit einer Kofferbombe im April 2016 in Obergebra sollte nur Sachschaden anrichten. Das hat einer der drei Angeklagten am Montag vor Gericht ausgesagt. Der 33-Jährige berichtete von einem Gespräch der beiden Mitangeklagten, in dem es darum gegangen sei, das Opfer von weiteren Zeugenaussagen in einem anderen Prozess abzuhalten. Deshalb habe man dessen Auto zerstören wollen.

In einem Sitzungssaal des Landgerichts Mühlhausen sitzen drei angeklagte Männer mit jeweils einem Rechtsanwalt zum Prozessauftakt um die Kofferbombe von Obergebra
Die drei Angeklagten mit ihren Anwälten Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Den drei Angeklagten wird vorgeworfen, einen Brandsatz in einem präparierten Koffer unter das Auto des Opfers gelegt zu haben. Der Brandsatz zündete jedoch nicht. Er wurde entdeckt, nachdem die Lebensgefährtin des Opfers mit dem Auto weggefahren war. Der Angeklagte sagte dazu am Montag weiter aus, die beiden Mitbeschuldigten hätten noch überlegt, den Brandsatz zurückzuholen. Sie hätten sich dann aber dagegen entschieden, weil es zu gefährlich gewesen sei. Dem 33-Jährigen wird Beihilfe zur versuchten Brandstiftung vorgeworfen. Den beiden anderen Angeklagten im Alter von 35 und 42 Jahren stehen wegen versuchter Brandstiftung vor Gericht.

Ein Gutachter sagte am Montag in dem Prozess am Landgericht Mühlhausen aus, dass der Brandsatz wegen eines nicht angeschlossenen Kabels nicht zündete. Außerdem wäre es aufgrund der Konstruktion des Brandsatzes wohl nicht zu einer Explosion, wohl aber zu einem Brand gekommen.

Verdächtiger Koffer auf Straße Tutenstieg in Obergebra im Kreis Nordhausen.
Der mit einem Brandsatz präparierte Koffer im April 2016 auf einer Straße in Obergebra Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Das Opfer war offenbar ins Visier der Täter geraten, weil es als Zeuge in einem Prozess um einen Diebstahl von Motorrädern in Paderborn ausgesagt hatte. Die drei Angeklagten sollen gefürchtet haben, dass der Mann in einem noch ausstehenden Prozess um Hehlerei auch gegen sie aussagen würde.

Den Anschlag mit der Kofferbombe hatte die Staatsanwaltschaft Mühlhausen zunächst als versuchten Mord gewertet. Nachdem Ermittler jedoch festgestellt hatten, dass der Koffer keine Bombe, sondern "nur" einen Brandsatz enthielt, wurde die Anklage auf versuchte Brandstiftung verändert. Der am Montag begonnene Prozess war der zweite Anlauf zu dem Verfahren. Der erste Verhandlungstag im Juni war abgebrochen worden, weil auf der Richterbank nur zwei statt drei Richter saßen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2017, 20:04 Uhr

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