Nord-Thüringen

Thüringer Polizei : Ermittlungen gegen Beamte wegen Privatfahrten mit Dienstauto

Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen ermittelt gegen hohe Polizeibeamte aus Mühlhausen. Ein Sprecher der Behörde sagte MDR THÜRINGEN, dass man dem Verdacht des Betrugs und der Untreue nachgehe. Zu Details des Verfahrens wollte er sich nicht äußern.

Prototyp der neuen Thüringer Polizeiautos mit geöffneter Hintertür
Einkaufen mit dem Dienstwagen?

Nach Informationen des MDR sollen die Beamten Dienstfahrzeuge für private Zwecke genutzt haben, etwa um damit privat einzukaufen. Um die Vorwürfe aufzuklären, sollen interne Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) ihre Kollegen monatelang observiert und fotografiert haben. Die Fahnder folgten den Verdächtigen bei ihren angeblich privaten Aktivitäten während der Dienstzeit. So sollen sich Observationsteams vor der Polizeiinspektion in Mühlhausen auf die Lauer gelegt haben. Nach MDR-Informationen besteht der Verdacht, dass die beschuldigten Beamten Zivilfahrzeuge genutzt haben, um bei ihren Privatfahrten nicht aufzufliegen.

Die LKA-Fahnder sollen sich in Geschäften auch Rechnungen und Quittungen besorgt haben, um nachzuweisen, dass die verdächtigten Polizisten in ihrer Dienstzeit private Dinge erledigt haben. Außerdem sollen in größerem Umfang Telefondaten überprüft worden sein. Es sollte geklärt werden, ob Dienstapparate für Privatgespräche genutzt wurden. Das Landeskriminalamt wollte sich nicht äußern.

Aufwändige Jagd nach Toilettenpapier-Dieb

Klopapierdiebstahl
Wer stahl das Klopapier?

Damit wird wieder ein Verfahren gegen Polizisten öffentlich, in dem interne Ermittler intensive Ermittlungsmethoden eingesetzt haben. In den letzten Monaten war bekannt geworden, dass im Thüringer LKA ein Toilettenpapier-Dieb mittels Überwachungskameras ergebnislos gejagt worden war. Gegen einen Personalrat aus Saalfeld läuft ein umfangreiches Ermittlungsverfahren. Er wird beschuldigt MDR-Journalisten einen geheimen Einsatzbefehl zum Papstbesuch übergeben zu haben. Im Zuge dieses Verfahrens wurden Mailpostfächer von tausenden Thüringer Polizisten durchsucht. Zudem besteht der Verdacht, dass Landtagsabgeordnete und Journalisten von der Polizei ausgespäht wurden.

Gewerkschaft hält Ermittlungsmethoden für unverhältnismäßig

Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Marco Grosa, hält diese Methoden gegen die eigenen Beamten für völlig unverhältnismäßig. "Wir wissen sogar von Maßnahmen, die nach der Strafprozessordnung gar nicht möglich gewesen wären", sagte Grosa dem MDR THÜRINGEN. Dabei handele es sich um Überwachung von Telekommunikation oder die verdeckte Spiegelung von Computerdaten auf Servern der Polizei. Grosa fordert vom Innenministerium, gegen Behördenleiter vorzugehen und sie von ihrer Verantwortung zu entbinden, wenn sie zurückliegend solche Verfügungen getätigt haben. Nach seinen Informationen seien Polizeibeamten von ihren Chefs teilweise genötigt worden, "solche Maßnahmen gegen Kolleginnen und Kollegene durchzuführen." Man müsse befürchten, dass diese Ermittlungen System haben.

Das Thüringer Innenministerium erklärte dem MDR auf Anfrage, die von Grosa erhobenen Vorwürfe könnten nicht nachvollzogen werden. Er sei daher aufgefordert worden, die von ihm geäußerten Verdächtigungen gegen Polizeibeamte zu konkretisieren. Das sei bisher nicht geschehen, weshalb man davon ausgehe, dass die Anschuldigungen haltlos seien.

Hunderte interne Ermittlungsverfahren

Die internen Ermittler des LKA sind eine eigene Abteilung, die sich mit Strafvorwürfen in der Polizei befasst. Die Gruppe mit bis zu sieben Beamten hat den Auftrag, beim Verdacht einer Straftat Ermittlungen gegen die eigenen Kollegen zu führen. In den vergangenen beiden Jahren sind die Ermittler knapp 560 mutmaßlichen Straftaten nachgegangen, dass geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Landtagsanfrage der Linken zurück. Demnach gab es am häufigsten den Verdacht der Körperverletzung oder der Strafveretilung im Amt. In einer ganzen Reihe von Fällen ging es um Diebstahlsverdacht, Beleidigung, Nötigung oder den Verrat von Dienstgeheimnissen. Über 400 Verfahren wurden an eine der vier Thüringer Staatsanwaltschaften abgegeben. Nach Angaben des Innenministeriums kam es zwischen 2010 und 2012 zu sechs Gerichtsverfahren die abgeschlossen wurden. In drei Fällen gab es Geldstrafen, die anderen Verfahren wurden eingestellt. Zu aktuell laufenden Gerichtsverfahren machte das Ministerium keine Angaben.

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2012, 21:28 Uhr

4. Klapse:
Ich frage mich allerdings inzwischen etwas ganz anderes: Welche moralische Wertikeit hat eigentlich noch unsere Polizei, nimmt sie es doch selbst immer und immer wieder mit den Gesetzen nicht so genau, vom Klopapier bis zur Dienstwagenaffäre?
21.12.2012
19:18 Uhr
3. ....kopfschüttel:
womöglich ist ab einem bestimmten Hierachie-Niveau die strafprozessualen, dienstaufsichtlichen Möglichen falsch verstanden bzw. Beachtung finden. Dies nährt sich ggf. weil Polizisten nicht nur vom Bürger "drangsaliert" werden, sondern Verantwortliche alle Mühe haben bei Versprechen auf Veränderungen und Besserungen so unverbindlich wie möglich zu bleiben oder bei selbst gesetzten Termine ohne Erklärung diese vertreichen lässt. Dieser womöglich seit Jahren anhaltender Missstand führt ggf. zu "inneren Kündigung" und flächendeckendem Unmut. Um im völlig unzulänglichen System von Leistungsbemessungen bis hin zu Beförderungen Vorteile sich zu verschaffen - greift man ggf. zu überzogenen Mitteln die - wenn der Gewerkschafter Recht haben sollte - mit dem aktuellen Gesetzten nicht konform sind! Ich wünschte mir eine funktionierende, motivierte und damit bürgerfreundliche Polizei - ein zu großer Weihnachtswunsch!
21.12.2012
18:38 Uhr
2. Intrigantenstadel:
Wenn man dies als Bürger so liest, kommt man zu der Auffassung, dass in der Polizei weder das Management noch die Umgangskultur stimmen. Und diese Polizei soll mich absichern? Der Minister sollte endlich mal für Ruhe und Ordnung sorgen!
20.12.2012
21:56 Uhr
1. Autofahrer:
Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Minister benutzt Dienstwagen Privat und baut dabei einen teuren Unfall und braucht noch nicht mal für den Schaden aufkommen. Minister Fliegen mit den Flugzeug ins Ausland und lassen ihren Dienstwagen nachkommen. Weitere Kommentare verkneif ich mir lieber.
20.12.2012
18:34 Uhr

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