Nord-Thüringen

Hachelbich | Kyffhäuserkreis : Überreste von Römischem Heerlager entdeckt

In Nordthüringen sind die Überreste eines Marschlagers des Römischen Heers gefunden worden. Wie das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege am Freitag mitteilte, kann damit erstmals nachgewiesen werden, dass die Römer auf Thüringer Boden operiert haben. Ein sicherer Bezug zu Feldzügen, die in antiken Quellen genannt werden, sei noch nicht möglich. Die wenigen Gegenstände, die bisher ausgegraben wurden, stammen vermutlich aus dem ersten bis dritten Jahrhundert. In Frage kommt ein Feldzug, den im Jahre 9 vor Christus der Feldherr Drusus gegen die Germanen führte: Der Bruder des späteren Kaisers Tiberius soll mit mehreren zehntausend Mann vom Main aus durch Thüringen bis an die Elbe marschiert sein.

Archäologie: Hier lagerte das römische Heer: Der Fund von Hachelbich

Graben des römischen Marschlagers bei Hachelbich im Kyffhäuserkreis während der Ausgrabungen. Die Überreste des Spitzgrabens (braun) des römischen Marschlagers von Hachelbich während der Ausgrabung. Beschläge und Nägel von Sandalen römischer Legionäre am Fundort des römischen Feldlagers Hachelbich.

Die Legionäre kamen auf Sandalen und zogen bald weiter: Erstmals ist der archäologische Nachweis einer römischen Truppenpräsenz in Thüringen gelungen. Im Kyffhäuserkreis wurden die Überreste eines Marschlagers entdeckt. [Bilder]


Der sensationelle Fund gelang nach Angaben der Behörde bei einer "bodendenkmalpflegerischen Routinemaßnahme" im Vorfeld eines Straßenneubaus. Die Experten hätten das Gelände für eine neue Trasse der Landesstraße 2290 von Hachelbich nach Goellingen unweit des Flusses Wipper untersucht. Dabei sei ein so genannter Spitzgraben entdeckt worden, der für römische Lager charakteristisch ist. Ein solcher Graben sei bisher im Süden und Osten auf jeweils 425 Meter Länge nachgewiesen. Sollten sich die Gräben im Norden und Westen fortsetzen, ergäbe sich eine Anlage von mindestens 18 Hektar. Auch seien bisher eine Backofenanlage mit acht Öfen und einer Arbeitsgrube und ein Lagereingang nachgewiesen worden. Bei dieser "Titulum" genannten Eingangsform wird ein Segment im Lagerzaun freigelassen und frei stehend außen errichtet. Die bisher gefundenen Gegenstände sind nach Angaben der Archäologen "nicht sehr zahlreich". Dazu gehörten Beschläge und Nägel von Sandalen römischer Legionäre.

Derartige Marschlager dienten den römischen Heerführern der Unterbringung ihrer Truppe auf Feldzügen. Sie konnten von den Legionären innerhalb weniger Stunden angelegt werden und waren nur eine Nacht bis einige Tage in Betrieb. Das Landesamt geht davon aus, dass die Legionäre aus dem Werra- oder Wesertal über das Obereichsfeld ins Tal der Wipper zwischen Hainleite und Windleite ins Thüringer Becken, das mittlere Saalegebiet und das östliche Harzvorland unterwegs gewesen sein könnten.

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2014, 09:46 Uhr

2. Werner Thiel:
Mit dem Fund des römischen Marschlagers zwischen der Werra und der Elbe sehe ich die von mir erarbeitete VARUS-Theorie wissenschaftlich untermauert. Danach lage das Sommerlager der VARUS auf dem Burgberg bei Hedemünden/Werra. Von dort unternahmen kleine Abteilungen im Sommer 9 n.Chr. Arbeitsaufträge in Richtung Elbe zur Optimierung der Infrastruktur (Straßen, Wege, Brücken u.a.) nach Römischen Vorstellungen. Das Lager könnte von Drusus errichtete und von Varus-Legionären genutzt worden sein. Wernner Thiel, Greven/NRW [...]* * Externen Link gelöscht - MDR.DE-Redaktion
12.05.2014
15:56 Uhr
1. R. Günther:
Endlich! Ich hatte schon befürchtet, wir müssen noch weitere Jahrzehnte warten, dabei musste doch was zu finden sein. Die Funde reichten nun schon bis kurz vor die Landesgrenze. Buddelt bitte weiter, findet den ganzen Weg bis zur Elbe!
10.05.2014
16:50 Uhr

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