Gesundheitswesen : Notfallambulanzen müssen Hausarztmangel auffangen
Der Mangel an niedergelassenen Ärzten in Thüringen treibt offenbar immer mehr Patienten in die Notfallambulanzen von Krankenhäusern. Wie eine Umfrage des MDR THÜRINGEN bei mehreren Kliniken ergab, steigt die Zahl der Patienten in den Notfallambulanzen seit Jahren an. Als Gründe dafür nennen die Kliniken unter anderem fehlende Hausärzte, zeitliche Probleme von Patienten wegen ihres Berufes sowie die bessere Infrastruktur der Ambulanzen.
Die Universitätsklinik in Jena registriert nach eigenen Angaben seit zwei Jahren eine deutliche Zunahme der Patientenzahl in der Ambulanz. Als Gründe für ihren Besuch dort gäben die Patienten vor allem Urlaub oder Abwesenheit des Hausarztes und lange Wartezeiten auf Termine beim Hausarzt an, hieß es.
Das Waldklinikum Gera behandelt nach Angaben einer Sprecherin etwa 40.000 Patienten pro Jahr in seiner Notfallambulanz. Die Zahl der Patienten sei in den vergangenen Jahren um etwa vier Prozent jährlich gestiegen. Als Gründe nannte die Sprecherin die zunehmende Zahl älterer Patienten sowie einen Mangel an Fachärzten und überlaufene Wartezimmer bei Hausärzten. Manche Patienten gäben auch an, aus Sorge um ihre Jobs nicht an Werktagen zum Arzt zu gehen und stattdessen am Wochende die Notfallambulanz aufzusuchen.
Geballte Kompetenz im Krankenhaus
Im Klinikum Weimar ist die Zahl der Schwerkranken und Schwerverletzten in der Notfallambulanz rückläufig, während die Anzahl der "Sprechstunden-Patienten" steigt. Auch hier wird zur Erklärung dieser Entwicklung auf das Fehlen von niedergelassenen Ärzten verwiesen. Die Sprecherin des St.Georg-Klinikums in Eisenach, Isa Berndt, sagte, man sehe sich auch als Ersatz für wegfallende Hausarztpraxen. Jedoch habe ein Krankenhaus auch den Vorteil für die Patienten, alle möglichen Fachärzte und notwendige Geräte für Untersuchungen und Diagnosen an einem Ort greifbar zu haben.
In der Klinik für Intensiv- und Notfallmedizin in Meiningen sind in diesem Jahr nach Angaben von Chefarzt Georg Braun rund 30.000 Notfallpatienten versorgt worden - etwa 2.000 mehr als im Vorjahr. Patienten hätten vor allem in ländlichen Gebieten zunehmend Schwierigkeiten, zu einer adäquaten Behandlung zu kommen, sagte Braun mit Blick auf Lücken in der flächendeckenden Versorgung mit niedergelassenen Ärzten.
Auf lange Wartezeiten beim Hausarzt verweisen nach Angaben des Sprechers der Thüringen-Kliniken "Georgius Agricola" GmbH, Stephans Breidt viele Patienten in den Notfallambulanzen. Lieber sitze mancher zweieinhalb Stunden im Warteraum der Ambulanz als vier Stunden beim Hausarzt, sagte er. Spitzenzeiten bei der Patientenzahl erlebe man unter anderem während der Urlaubszeiten von Hauszärzten. Die Thüringen-Kliniken GmbH betreibt Krankenhäuser in Rudolstadt, Saalfeld und Pößneck.
