Thüringen

Nach Enttarnung von NPD-Kader als V-Mann : Linke: Trinkaus wollte andere Parteien unterwandern

Der frühere NPD-Funktionär und V-Mann des Verfassungsschutzes Kai-Uwe Trinkaus hat in den vergangenen Jahren nach Angaben der Partei Die Linke massiv versucht, andere Parteien und Organisationen zu unterwandern. Das geht aus einer Übersicht der Thüringer Linke-Landtagsfraktion hervor, die dem MDR THÜRINGEN vorliegt. Darin heißt es auch, Trinkaus habe gegen mehrere Linke-Politiker "besonders perfide Methoden der öffentlichen Denunziation und Verleumdung" eingesetzt. Trinkaus war von Frühjahr 2007 bis Sommer 2008 Vorsitzender des Kreisverbandes Erfurt-Sömmerda der rechtsextremen NPD. In dieser Zeit war er auch V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes.

Kai-Uwe Trinkaus in einem grauen Anzug, eine schwarze Brille und hat kurzes, strubbeliges Haar sowie einen Oberlippen- und einen Kinnbart.
NPD-Mann Kai-Uwe Trinkaus im Jahr 2007

Der Darstellung der Linken zufolge hat der damalige NPD-Funktionär unter anderem die Linke-Landtagsabgeordnete Susanne Hennig massiv bedrängt. Bei einem Tag der offenen Tür im Landtag am 9. Juni 2007 habe sich Trinkaus "demonstrativ" auf dem Stuhl von Hennig im Plenum niedergelassen und sich mit einem mitgebrachten NPD-Schild fotografieren lassen. An diesem Tag hätten Trinkaus und weitere NPD-Mitglieder auch versucht, im Landtagsgebäude den Flur der Linke-Fraktion zu betreten. Außerdem habe Trinkaus später die Abgeordnete Hennig mit E-Mails und Blumensendungen belästigt. Hennig habe gegen den NPD-Mann Anzeige wegen Beleidigung erstattet. Das Verfahren sei bis heute nicht rechtskräftig beendet.

Neonazi gezielt als Praktikanten bei Linken eingeschleust

Die von Trinkaus gegenüber dem MDR THÜRINGEN erwähnte Einschleusung eines NPD-Spitzels bei der Linke-Fraktion bestätigt die Partei. Ende August 2007 habe sich der 21-jährige Rechtsextreme Andy F. über ein Mentoring-Programm und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in die Fraktion eingeschlichen und als Praktikant bei dem Abgeordneten Frank Kuschel gearbeitet. F. sei zu dieser Zeit Schatzmeister des Vereins "Alleinerziehende in Not e.V." gewesen, dessen Vorsitzender Trinkaus damals war.

Nachdem die NPD erklärte, F.'s Tätigkeit als Praktikant in der Fraktion sei langfristig vorbereitet gewesen, sei diesem umgehend gekündigt worden. Später sei F. in Begleitung von Trinkaus bei Kuschel erschienen und habe die Fortsetzung seines Praktikums gefordert. Später habe er dem Abgeordneten zu Unrecht Straftaten vorgeworfen. Kuschel habe deswegen am 3. September 2007 Anzeige gegen F. wegen Verleumdung und Vortäuschung einer Straftat erstattet sowie eine Unterlassungsverfügung auf den Weg gebracht.

In ihrem Papier verweist die Linke auch auf Aktionen des Rechtsextremen Trinkaus gegen Politiker anderer Parteien, zum Beispiel den CDU-Landtagsabgeordneten Egon Primas. So habe Trinkaus den CDU-Politiker im Juli 2007 wegen dessen Vorgehen gegen die Unterwanderungsversuche von Neonazis beim Bund der Vertriebenen beleidigt. Primas ist Vorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Thüringen.

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2012, 17:11 Uhr

1. Teilchenbeschleuniger:
Die Meldungen werden immer schlimmer. Konsequenzen werden einfach nicht gezogen. Alles bleibt beim Alten. Stell Dir aber vor, es wird berichtet und keinen interessiert es. Die Pressefreiheit läuft sich tot.
08.12.2012
11:00 Uhr

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