Nach Liftpanne Oberhof verteidigt Investitionen für Winter-Tourismus

Nach dem Zwischenfall mit sechs festsitzenden Skifahrern hat der Fallbachlift in Oberhof am Wochenende seinen Dienst für diese Saison eingestellt. Ob der alte Doppelsessellift noch repariert werde, sei unklar, so Betriebsleiter Ronald Kabitzsch. Es hänge von den Kosten der Reparatur ab. Er wolle sehen, ob es sich lohne, den Lift für den Sommerbetrieb noch zu reparieren - damit etwa die Radfahrer des Bikeparks den Lift noch nutzen können. Der Lift aus den 1970er-Jahren habe treue Dienste geleistet - in dieser Saison seien am Wochenende täglich rund 600 bis 700 Skifahrer mit dem Lift gefahren. Unter der Woche seien es täglich zwischen 300 und 400 Gästen gewesen.

Auf einem verschneiten Hang steht ein Skilift. Am Fuße des Hangs steht eine Pistenraupe.
Ob er seinen 50. Geburtstag noch erlebt? Der Fallbachlift in Oberhof. Bildrechte: MDR/Stephanie Schettler

Ein neuer Lift könnte zehn Millionen Euro kosten

Kabitzsch sprach von einer "super Saison". Allerdings hätten Besucher gelegentlich anstehen müssen. Das solle ein neuer Lift mit mehr Plätzen ändern. Der Doppelsitzer-Lift mit 80 Plätzen solle noch in diesem Jahr gegen einen Vierer-Lift mit 100 Sessel ausgetauscht werden. Hang und Lift gehören nicht mehr der Stadt Oberhof. Alle Sportanlagen und die Therme werden von der Oberhofer Sportstätten GmbH betrieben, gehören dem landeseigenen "Zweckverband Thüringer Wintersport". Dessen Vorsitzender Thomas Schulz rechnet mit Kosten von rund zehn Millionen Euro für einen neuen Fallbachlift. Seiner Einschätzung zufolge wird der alte Lift in der neuen Saison nicht mehr fahren.

Wanderer, 1992
Als Ort für Ganzjahrestourismus sieht sich Oberhof - oder wie es der Bürgermeister nennt: "Die Zeiten, in denen das Geld im Winter verdient und im Sommer ausgegeben wurde, sind vorbei." Bildrechte: dpa

Laut Schulz rechnet sich die Investition, weil der Lift nicht nur im Winter, sondern das ganze Jahr über genutzt werden kann. Rund 70 Prozent der Umsätze mache der Tourismus in Oberhof außerhalb des Winters - die "Wandermonate" lockten viele Gäste. Oberhof sei kein reiner Wintersportort - alle Beteiligten machten sich Gedanken um Ganzjahresnutzung der Lifte. "Die Zeiten, in denen das Geld im Winter verdient und im Sommer ausgegeben wurde, sind vorbei." Der Fallbachlift etwa arbeite kostendeckend.

Das Land Thüringen bekomme pro Jahr sieben Millionen Euro Umsatzsteuer aus den touristischen Einrichtungen in Oberhof - das sei mehr als je nach Oberhof geflossen sei. Als Bürgermeister rege ihn die Diskussion um Sinnhaftig- oder Sinnlosigkeit in solche Investitionen auf. "Oberhof ist nur ein kleines Rad - doch alle reiben sich daran. Steinach kriegt Geld, der Inselsberg wird aufgehübscht, die Therme in Masserberg entschuldet und nach Schmalkalden fließen Millionen für die Landesgartenschau: Tourismus ist Wirtschaft. Das haben Österreich, Spanien und Griechenland verstanden - sie leben davon. Nur in Thüringen ist das noch nicht überall angekommen. Wir müssen das nutzen, was wir haben."

Winter funktioniere - zur Not mit Kunstschnee

Es müsse keiner neidisch sein: Das Land investiere in seine eigenen Sportstätten. "Da kommen keine dicken Schecks nach Oberhof", so Schulz. Marietta Schlütter vom Regionalverbund Thüringer Wald erklärte, Oberhof werde im Thüringer Wald immer eine große Rolle spielen. Der Winter sei wichtig und solle nicht abgewählt werden - die Aufwertung und Ausstattung der Skigebiete mache aus ihrer Sicht absolut Sinn.
Mit technischer Beschneiung funktioniere Winter auch dann, wenn kein Schnee falle. Der Thüringer Wald müsse gegenüber Harz, Bayerischem Wald oder Schwarzwald konkurrenzfähig bleiben. Es sei also wichtig, die "Spitzengebiete" auszubauen. Kleinere Lifte hingegen könnten nicht auf Förderung hoffen - hier seien die Gemeinden selbst gefragt. Investitionen in die "Leuchttürme" müssten auch das ganze Jahr über etwas bringen. "Wir investieren nur in den Wintersport unter dem Aspekt der Sommernutzung." Alle Mittelgebirgsregionen denken die Sommernutzung mit", so Schlütter. Auch sie nennt die Mountain-Biker als Beispiel, die den Fallbachhang im Sommer hinunterfahren, sich unten eine Karte für den Lift kaufen und sich wieder hoch fahren lassen. Sie schätzt, dass das Thema Fahrrad/Mountainbike im Thüringer Wald zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der Regionalverbund denkt zum Beispiel über leichtere Kinder-Mountainbike-Strecken mit weniger Gefälle nach, etwa in Heubach.

Wegen eines technischen Defekts am Oberhofer Fallbachlift hatten am Samstag sechs Skifahrer fest gesessen. Sie mussten von der Bergwacht aus dem Lift befreit werden. Zwei Fahrgäste wurden über eine Drehleiter in Sicherheit gebracht, die anderen abgeseilt. Laut Betreiber war ein "kurzfristig irreparabler Schaden" an der Umlenkscheibe der Bergstation entstanden, der die Anlage zum Stehen gebracht habe. Der Skilift am Fallbachhang stammt aus den 1970er-Jahren. Bis 1999 war er in Österreich in Betrieb. Dann wurde er in Oberhof neu installiert. Ersatzteile gibt es seit 20 Jahren nicht mehr. Entsprechend störanfällig ist der Lift: Allein in der Wintersaison 2015/2016 war er an zwölf Tagen wegen technischer Störungen außer Betrieb.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13.03.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2017, 16:19 Uhr

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4 Kommentare

14.03.2017 13:11 martin (ein anderer) 4

Nicht nur weitere 10 Mill. € - nein: alles Geld nach Oberhof! Genau! Und der restliche Rennsteig wird dicht gemacht. Tolles Konzept.....

Wer zahlt die Stromrechnung für die Schneekanonen? Dann wird das Tagesticket so teuer wie in den Alpen? Warum sollten Gäste dann hierher zum Skifahren kommen, wenn sie zum gleichen Preis richtige alpine Pisten bekommen?

Fördergelder nur für die großen, weil es die kleinen eh nicht auf die Reihe bekommen? Dann würde ich mal die Betriebstage der letzten Jahre zwischen der kleinen Skiarea Heubach und dem Fallbach vergleichen. Das sollte den Oberhofern aber so die Schamesröte ins Gesicht treiben, dass selbst der Kunstschnee im Skitunnel schmilzt!

13.03.2017 23:07 Tourismus im Thüringer Wald weiter im Untergang 3

Was für ein Schwachsinn alles Geld für den Tourismus in Oberhof zu stecken, wobei die Rennsteigdörfer dem Erdboden gleich gemacht werden. Hier muss sofort die Bahnlücke zwischen dem Bahnhof Rennsteig und der Stadt Neuhaus am Rennweg geschlossen werden. Wie soll man hier zur Rehaklinik nach Masserberg kommen oder weiter nach Neuhaus am Rennweg zu einer ärztlichen Notversorgung mit Krankenhaus, Einkaufzentrum, vorhandene Glasindustrie, nach Saalfeld zu den Feengrotten, zur Berg- und Schwarzatalbahn Oberweißbach-Cursdorf- Sitzendorf, nach Lauscha, Steinach, Sonneberg zum Spielzeugmuseum und damit nach Bayern. Hier wurde dies bereits von Politiker in Sonneberg und Bayern direkt angefordert. In Thüringen ist die R2G- Regierung nicht auf den Tourismus in ganz Thüringen sondern nur auf Oberhof fixiert, obwohl die Thüringer Wintersportleistungen International am Boden sind und Oberhof ein Schatten seiner selbst darstellt mit einen Thüringer Tourismus Rückgang.

13.03.2017 20:04 martin 2

...das Ende in Oberhof naht!

13.03.2017 17:51 Petra Stein 1

Oh nein, bitte keine 10 Millionen von unseren Steuern für diesen Skilift!

Ich bin eher dafür, das Bahnnetz auszubauen und den Rennsteig Shuttle zu erhalten. Davon hätten alle etwas und es wäre dann auch noch "nachhaltig" und ökologisch.
Sollen die Skifahrer ihren Lift doch selbst bezahlen, denn wer fährt schon ernsthaft im Sommer damit? Und muss überhaupt etwas Neues her? Warum soll Reparieren denn nicht nochmal gehen? Und wer weiß, wie der nächste Winter überhaupt ausfällt - oder ob er wieder ausfällt .....

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