Der Bogenschütze und dreifacher Paralympics-Teilnehmer Mario Oehme.
Der Bogenschütze und dreifacher Paralympics-Teilnehmer Mario Oehme. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sommerspiele 2016 Thüringer Athleten auf dem Weg zu Olympia in Rio

Speerwerfer Thomas Röhler, die Bahnradsportler Kristina Vogel und René Enders sowie Bogenschütze Mario Oehme sind Thüringer Kandidaten für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2016. Schaffen sie die Norm, buchen sie das Ticket nach Rio de Janeiro? MDR THÜRINGEN wird sie auf ihrem Weg begleiten.

Der Bogenschütze und dreifacher Paralympics-Teilnehmer Mario Oehme.
Der Bogenschütze und dreifacher Paralympics-Teilnehmer Mario Oehme. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Röhler, Vogel, Enders und Oehme sind vom Thüringer Olympiastützpunkt für Rio nominiert und müssen jetzt die Norm schaffen, um an den Olympischen und Paralympischen Spielen in Rio im kommenden August und September teilnehmen zu können. MDR THÜRINGEN wird ihnen in den kommenden Monaten beim Training und bei Wettkämpfen über die Schulter schauen und die Sportler werden uns von ihren Erlebnissen berichten. Packen die vier die Vorgaben, werden sie im Flieger nach Rio de Janeiro sitzen? Und gewinnen sie die ersehnte Medaille?

Die Bahnradsportlerin Kristina Vogel steht lachend in einem Hörfunkstudio
Bahnradsportlerin Kristina Vogel zu Besuch bei MDR THÜRINGEN - Das Radio. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Für den Rollstuhlsportler Mario Oehme wäre es die dritte Medaille bei seinen vierten Paralympics, die Olympischen Spiele für Athleten mit Behinderung. Es soll der Höhepunkt seiner langen Karriere als Bogenschütze werden. Danach soll Schluss sein mit dem Leistungssport, dann will Mario Oehme den Nachwuchs trainieren.

Thomas Röhler vom Leichtathletikclub Jena gehört zu den besten Speerwerfern der Welt. 12. ist er aktuell in seiner Sportart. Im Wettkampf peilt er Weiten um die 85 Meter an. Über seine Olympia-Vorbereitung sagt er: "Jetzt wird langfristig auf Rio gearbeitet, da werden auch Abstriche gemacht, um 2016 zu optimieren. Das mache nicht nur ich so, das macht die ganze Welt so."

Und das macht auch die Radsportlerin Kristina Vogel so. Ihr ständiger Trainingspartner ist der Weltklassesprinter René Enders. Gegenseitig motivieren sie sich ständig zu Höchstleistungen. Immer wieder wird die Schnellkraft trainiert. 58 Kilogramm pure Energie - das ist Kristina Vogel. Und ihre bisherige Bilanz kann sich sehen lassen: Sie war in London Olympiasiegerin und holte mehrfach Gold bei Weltmeisterschaften. Enders wurde 2013 im Teamsprint Welt- und Europameister. Beide sind in Rio Favoriten auf einen Olympiasieg.

Bahnradsportler René Enders

Enders wuchs im thüringischen Auma im Landkreis Greiz auf und begann im Jugendalter mit dem Radsport beim SSV Gera. Er trainierte in den beiden Thüringer Landesleistungszentren Gera und Erfurt und besuchte in Erfurt das Sportgymnasium. Heute ist er bei der Bundespolizei angestellt.

Den ersten Erfolg feierte René Enders 2004 mit dem Gewinn der deutschen Junioren-Meisterschaft im Teamsprint. Ein Jahr später belegte er bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Wien den dritten Platz im Keirin und holte im Teamsprint den Titel. 2006 wurde er Europameister im Teamsprint.

2008 nahm Enders in Peking erstmals an Olympischen Sommerspielen teil. Hier holten die Deutschen die Bronzemedaille im Teamsprint. Im Frühjahr 2011 gab es eine Silbermedaille im Teamsprint bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2011 in Apeldoorn. Nach der Aberkennung der Goldmedaille des französischen Teams wurde daraus Gold. 2012 gab es für Enders und sein Team den Europameister-Titel und eine Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen.

Im zweiten Lauf des Bahnrad-Weltcup 2013/2014 gewannen René Enders und sein Team den Sprint. In der Qualifikation fuhren die drei Sportler einen neuen Weltrekord. 2013 wurde Enders im Teamsprint Welt- und Europameister.

Bogenschütze Mario Oehme

Der Weimarer Mario Oehme war eigentlich ein Leichtathlet. Er betrieb als Jugendlicher Hoch- und Weitsprung, außerdem auch Voltigieren und später Dressur- und Springreiten in Mellingen. Während seiner Lehre bei der Wismut war er im Schießsport aktiv. In dieser Zeit absolvierte er eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer.

Nach einem Arbeitsunfall begann Oehme 1989 beim SV Gera-Leumnitz mit dem Behindertensport in den Sportarten Rollstuhlleichtathletik - Kugelstoßen, Diskus- und Speerwerfen, Rollstuhlbasketball und Rennrollstuhl über Kurzstrecken im Stadion bis hin zum Halbmarathon.

Bekanntheit erlangte er jedoch als Bogenschütze. Bei seiner ersten Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft belegte Oehme den vierten Platz hinter Udo Wolf, dem damals erfolgreichsten deutschen Bogenschützen im Behindertensport.

Im Oktober 1993 wurde Oehme in die Nationalmannschaft aufgenommen. Er hat einen Trainerschein erworben und trainiert Schüler der Regenbogenschule Altenburg, der Regelschule Dietrich Bonhoeffer in Altenburg und der Freien Waldorfschule Erfurt.

Bei den Sommer-Paralympics 1996 erzielte er in der Mannschaftswertung mit Udo Wolf und Hermann Nordmann Gold und bei dem Sommer-Paralympics 2004 in Athen die Goldmedaille im Einzel. Bei den Paralympics 2008 erreichte er nur Platz 30, obwohl er damals Führender der Weltrangliste war.

Bahnradsportlerin Kristina Vogel

Kristina Vogel stammt aus Kirgisistan. Bereits als Zehnjährige entdeckte sie den Radsport für sich - erst auf der Straße, später wechselte sie auf die Bahn.

Bereits nach einem Jahr auf der Bahn wurde Vogel 2006 zum ersten Mal Meisterin, 2007 und 2008 dann sechsfache Junioren-Weltmeisterin. 2009 musste sie einen schweren Rückschlag verkraften, als ihr im Straßenverkehr die Vorfahrt genommen wurde. Die Folgen: Koma, Krankenhaus und Reha.

Doch der Ehrgeiz brachte Vogel zurück in den Sattel - und wie: 2010 gleich dreifaches Gold bei den Deutschen Meisterschaften. 2012 krönte sie ihre bisherige Karriere und holte bei den Olympischen Spielen 2012 in London Gold.

2013 stellte Vogel in Aguascalientes beim zweiten Lauf des Bahnrad-Weltcups mit 10,384 Sekunden einen neuen Weltrekord über 200 Meter bei fliegendem Start auf und gemeinsam mit Miriam Welte mit 32,153 Sekunden einen neuen Weltrekord im Teamsprint über 500 Meter.

Kristina Vogel fährt für den RSC Turbine Erfurt und arbeitet als Polizeimeisterin der Bundespolizei.

Speerwerfer Thomas Röhler

Thomas Röhler wurde 1991 in Jena geboren, wo er auch das Sportgymnasium besuchte und heute studiert. Er startet für den Leichtathletik Club Jena e.V.

Seit seinem siebten Lebensjahr trainiert er Leichtathletik in Sprung und Mehrkampf und wechselte Ende 2009 zum Speerwurf - mit Erfolg: 2010 wurde Röhler in die Speerwurf-Nationalmannschaft aufgenommen.

Seitdem hat er an vielen nationalen und internationalen Großwettbewerben teilgenommen und kann auch so einige Erfolge vorweisen. So wurde Röhler 2012 Deutscher U23-Meister sowie 2012 bis 2014 Deutscher Meister im Speerwurf.

Als internationale Erfolge sind stellvertretend ein siebter Platz 2011 sowie ein dritter Platz 2013 bei den Europameisterschaften U23, ein zweiter Platz bei den Team Europameisterschaften 2013 und ein zwölfter Platz bei den Europameisterschaften 2014 zu nennen.

Röhler hatte seine aktuelle Bestleistung kurz vor der Abreise zur WM in Peking auf 89,27 Meter verbessert.

Leichtatletin Isabelle Foerder

Isabelle Foerder wurde 1979 in Zwickau geboren. Die Leichtathletin tritt seit 1996 für Deutschland bei den Paralympics an.

Sie ist von Geburt an auf der linken Seite spastisch gelähmt und tritt als Sprinterin in der Startklasse TF37 an.

Foerder absolvierte ihren ersten internationalen Kurzstreckenlauf im Alter von 16 Jahren. Zwei Silbermedaillen holte sie im Jahr 1996 auf der Distanz von 100 und 200 Metern in Atlanta.

Während der Europameisterschaften 2003 stellte sie einen neuen Europarekord über 100 Meter auf. Bei den Spielen in Sydney und Athen erkämpfte sie sich jeweils eine Silbermedaille. In Athen außerdem noch eine Bronzemedaille über 200 Meter.

Foerder tritt bisher für die Vereine HSC Erfurt und TSV Erfurt an. Sie holte bei Weltmeisterschaften bisher vier Gold-, eine Silber- und drei Bronzemedaillen für Deutschland.

Leichtathletin Maria Seifert

Maria Seifert wurde 1991 in Erfurt geboren. Die Athletin ist seit ihrer Geburt halbseitig gelähmt und tritt für den Verein HSC Erfurt in der Klasse T37 bei Leichtathletik-Wettbewerben an.

Zum Sport ist Seifert über eine Lehrerin gekommen, die eine Empfehlung bei ihrer Trainerin Marion Peters aussprach. Seitdem trainierte sie neben Schule und Ausbildung in Erfurt und absolvierte internationale Wettbewerbe.

2008 nahm sie erstmals bei den Paralympics in Peking teil. Dort holte sie mit 17 Jahren zwei Bronzemedaillen über die Distanzen von 100 und 200 Meter Sprint. Ihre bisher weiteste Tour führte die Kinderpflegerin 2011 zur WM nach Christchurch in Neuseeland. Dort belegte sie den zweiten Platz im 100-Meter-Sprint.

Bei den Paralympics 2012 in London gab es Bronze für die Erfurterin. Ebenfalls 2012 holte sich Seifert bei der Europameisterschaft in Stadskanaal den Titel und bei der Weltmeisterschaft 2013 in Lyon den zweiten Platz für Deutschland.

Kraftsportler Mario Hochberg

Mario Hochberg lebt in Gotha und wurde dort 1970 geboren. Seit einem Arbeitsunfall 1995 ist er querschnittsgelähmt.

Schon vor dem Unfall hatte der gelernte Instandhaltungsmechaniker und Dachklemptner 1990 mit dem Kraftsport begonnen. Seit 1999 nimmt er als Gewichtheber im Rollstuhl an internationalen Wettkämpfen teil. Bereits ein Jahr später folgte die erste Teilnahme bei der Olympiade in Sydney.

Sein erstes internationales Gold holter der mehrfache Deutsche Meister 2003 bei der Europameisterschaft in der Slowakei. Insgesamt gab es bei Europameisterschaften jeweils eine Gold-, eine Silber- sowie eine Bronzemedaille für Hochberg.

Bei Weltmeisterschaften belegte er jeweils einen fünften und einen siebten Platz. Der Thüringer nahm schon an vier Paralympischen Spielen teil. Seine beste Platzierung war dabei ein fünfter Platz in Peking.

Sportschützin Nadine Messerschmidt

Die in Schmalkalden lebende Nadine Messerschmidt wurde 1993 geboren. Sie begann 2009 mit dem Schießsport, machte ihre Anfänge im Biathlon. Messerschmidt trainiert im Förderverein Schießsportzentrum Suhl.

Ihre ersten Wettkämpfe absolvierte sie bereits 2010. Als Juniorin nahm die Thüringerin 2011 am World Championship in Belgrad teil und belegte dort den 14. Platz. Mittlerweile gehört sie zur Nationalmannschaft und schießt dort im B-Kader. In diesem Jahr belegte Messerschmidt beim Weltcup in Larnaca Platz sechs im Wettkampf F-Skeet mit der Flinte.

Zuletzt aktualisiert: 04. August 2016, 14:58 Uhr

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1 Kommentar

04.08.2015 15:01 Deutsche Einheit 1

Was soll das?
Nimmt Thüringen als eigener Staat da teil?
Welche Hymne wird denn dann gespielt?
Vorschlag: Rennsteiglied