Bekämpfung des Rechtsextremismus
SPD fordert Initiative für neues NPD-Verbotsverfahren
Ein von der NPD angemeldeter "Gedenkmarsch" für den kürzlich verstorbenen Neonazi Jürgen Rieger in Pößneck erregt die Gemüter. Das Landratsamt im Saale-Orla-Kreis hat ihn inzwischen untersagt. Dennoch hat zwischen Koalition und Opposition in Thüringen nun eine neue Diskussion über ein NPD-Verbotsverfahren begonnen.
Anlässlich eines für Sonnabend in Pößneck geplanten Aufmarsches der rechtsextremen NPD hat die Thüringer SPD-Landtagsfraktion Innenminister Peter Huber (CDU) aufgefordert, sich zu einem neuen NPD-Verbotsverfahren zu bekennen. Es sei nicht hinnehmbar, dass mehrere Hundert Neonazis durch Pößneck marschieren, sagte der SPD-Abgeordnete Peter Metz am Freitag. Ein klares Signal aus Thüringen für ein neues NPD-Verbotsverfahren sei "überfällig". Er erinnerte daran, dass sich der neue Landtag bereits einmütig für einen solchen Schritt ausgesprochen habe. "Diesem Ansinnen müssen jetzt auch Taten folgen."
Erstaunen über SPD-Forderung
Der Sprecher des Thüringer Innenministeriums, Bernd Edelmann, zeigte sich verwundert über das Ansinnen von Metz. Diese Forderung sei "längst Sachstand", sagte er. Minister Huber sei für ein neues Verbotsverfahren, wenn es Aussicht auf Erfolg habe.
Auch der Chef der Landtagsfraktion der Linken, Bodo Ramelow, forderte die Landesregierung auf, aktiv zu werden, "um dem braunen Spuk ein Ende zu bereiten". Er nannte es allerdings absurd, dass SPD-Mann Metz seine Forderung nur an den Innenminister von der CDU richtete, nicht aber gleichzeitig an den Justizminister Holger Poppenhäger von der SPD. "Wer die Hälfte der Ministerposten der Landesregierung besetzt, kann es nicht dabei belassen, nur an die Minister des Koalitionspartners zu appellieren", sagte Ramelow.
Der Generalsekretär der Thüringer FDP, Patrick Kurth, sieht ein neues NPD-Verbotsverfahren skeptisch. Die Forderung sei zwar gut gemeint, könne aber erneut nach hinten losgehen, sagte er. Das Problem des Rechtsextremismus werde mit solchen Verbotsmaßnahmen nicht gelöst.
NPD-"Gedenkmarsch" für Rieger verboten
Das Landratsamt im Saale-Orla-Kreis hat den für heute geplanten "Gedenkmarsch" der NPD für den Ende Oktober verstorbenen rechtsextremen Aktivisten Jürgen Rieger unterdessen abgesagt. Die Sicherheit der Öffentlichkeit sei nicht gewährleistet, so die Begründung. So stünden nicht genügend Polizeikräfte bereit, um etwaige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten zu verhindern. Laut Landratsamt wollte die NDP mit etwa 800 Teilnehmern in Pößneck aufmarschieren. Ein "Lokaler Aktionsplan für Vielfalt" hatte eine Gegenveranstaltung mit etwa 500 Teilnehmern angekündigt.
Ringen um das "Schützenhaus"
Den Ort ihres Aufmarschs hatte die NPD nicht zufällig gewählt. Das "Schützenhaus" in Pößneck ist Eigentum der von Rieger gegründeten und von ihm kontrollierten Wilhelm Tietjen Stiftung Ltd. Die Stadt Pößneck hat nach dem Tod Riegers den Zugang zur Immobilie gesperrt, nach eigenen Angaben zur Sicherung der Ansprüche von Riegers Erben. Die NPD versucht indes, die Kontrolle über das "Schützenhaus" zu erlangen. Nach Medienberichten vom Mittwoch und Donnerstag soll ein Rechtsanwalt aus Sachsen im Auftrag des NPD-Bundesvorstandsmitglieds Thomas Wulff Ansprüche auf das Haus angemeldet haben.
Zuletzt aktualisiert: 14. November 2009, 11:28 Uhr

