Schloss Hummelshain spiegelt sich in einem Teich
Schloss Hummelshain spiegelt sich in einem Teich. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Nach 20 Jahren Schloss Hummelshain soll abbezahlt sein

Die Landesentwicklungsgesellschaft LEG kann "sehr kurzfristig" mit einer Überweisung in Höhe von etwa 550.000 Euro für Schloss Hummelshain rechnen. Der umstrittene Eigner will die offen gebliebene Kaufsumme in Höhe von rund 309.000 Euro plus Fälligkeits-Zinsen aus fast 20 Jahren zahlen. Er kommt damit der angekündigten Zwangsvollstreckung zuvor. Ministerpräsident Bodo Ramelow hatte das Vorhaben als "ersten Schritt bezeichnet", das Kulturdenkmal Schloss Hummelshain zu retten.

von Michaela Schenk

Schloss Hummelshain spiegelt sich in einem Teich
Schloss Hummelshain spiegelt sich in einem Teich. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Die Zahlung von Lutz Rothe kommt plötzlich. Wer Rothes sonstiges geschäftliches Agieren kennt, ist aber nicht wirklich überrascht. Der Leipziger selbst macht auch keinen Hehl daraus: Er zahle jetzt, sagte Rothe am Mittwochabend MDR THÜRINGEN, "wegen des Zwanges, ja, wegen der Notwendigkeit".

Rothe spürt Druck. Erstmals nach fast 20 Jahren hat die Landesentwicklungsgesellschaft LEG ihre offenen Forderungen angemahnt und ihm die Zwangsvollstreckung angekündigt. Dass Rothe das Geld aber noch aufbringt, will niemand erwartet haben. Fest steht, mit der Zahlung ist der vorgesehene Vorstoß von LEG und Land in Sachen Schloss Hummelshain zunichte gemacht.

Denn eigentlich sollte das Schloss endgültig weg von dem umstrittenen Eigner, um den Erhalt des Schlosses bedenkenloser zu fördern als bisher: Aktuell werden zugesagte Gelder für den Erhalt des Schlosses über einen Förderverein ausgereicht. Damit soll verhindert werden, dass Geld an den bisher säumigen Eigner fließt.

Ausschuss sollte erst am Freitag entscheiden

Lutz Rothe auf Schloss Hummelshain
Lutz Rothe auf Schloss Hummelshain Bildrechte: MDR/Michaela Schenk

Um dieses Konstrukt zu beenden, sollte die LEG bei einer Zwangsvollstreckung aktiv werden. Das Schloss sollte in Landesbesitz zurückgeholt und gleich weitergegeben werden. Weg von dem umstrittenen Leipziger - hin zu einem Investor, der neben einer Kaufsumme von 200.000 Euro rund zwei Millionen aus eigener Tasche in Aussicht gestellt haben soll. Für erste dringliche Sanierungsarbeiten. An erster Stelle für das Dach, für das schon rund eine Million Euro veranschlagt wurde. So ist es in der Vorlage des Finanzministeriums zu lesen, die dem Finanz- und Haushaltsausschuss des Landtages am Freitag zur Abstimmung vorliegt. Die Abgeordneten sollten Grünes Licht für diese Pläne geben. Nach jetzigem Stand - mit der Zahlung Rothes - wäre diese Abstimmung überflüssig. Aber kein Grund, Schloss Hummelshain von der Tagesordnung zu nehmen. Denn die Zahlungsbereitschaft Rothes nach fast 20 Jahren ist nicht die einzige Neuigkeit.

Neue Grundschuld belastet das Schloss

Nach MDR THÜRINGEN vorliegenden Informationen wird Schloss Hummelshain mit einer neuen Grundschuld belastet. Die Summe beläuft sich auf 1,1 Millionen Euro, die ein Geschäftsmann und ehemaliger Geschäftspartner Rothes aus dem Raum Leipzig geltend machen kann. Die höchste bisher eingetragene Forderung. Wer jetzt noch Kaufinteressen für das Schloss hegt, müsste diese Grundschuld mit übernehmen. Die neue Grundschuld wurde erst Anfang der Woche im Grundbuch wirksam eingetragen. Am selben Tag, an dem per Grundbucheintrag auch die erste Tranche der zugesagten Fördergelder von Bund und Land in Höhe von 217.000 Euro gesichert wurde. Allerdings nachrangig.

Erst Parlament informieren

Insgesamt haben Bund und Land schon über eine Millionen Euro für das Schloss zugesagt. Ob diese Gelder weiter fließen werden - und an wen, welche Konsequenz die neue Grundschuld haben kann, diese Fragen sind offen. Auf entsprechende MDR-Anfragen reagierte der Sprecher des Finanzministeriums - nach Rücksprache mit der Ministerin - mit der Bitte um Verständnis: "Wir werden erst den Ausschuss informieren, beraten und entscheiden lassen. Ich bitte um Verständnis für die parlamentarischen Gepflogenheiten." Nach bisheriger Planung tagt der Finanz- und Haushaltsausschuss am Freitag in öffentlicher Sitzung.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Oktober 2017 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2017, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

26.10.2017 20:15 Jena637 4

Wenn es zutrifft, dass die LEG Thüringen 20 Jahre lang nichts unternommen hat, um den Restkaufpreis einzuklagen, dann sind strafrechtliche Konsequenzen gegen diese Landesgesellschaft wegen etwaiger Untreue und eine Haftung der LEG-Geschäftsführung zu prüfen. Auch, dass nun der fragwürdige Eigentümer mit erheblichen öffentlichen Mitteln gefördert wird, mutet sehr merkwürdig an. Ein Fall für eine Sonderprüfung des Landesrechnungshofs?

26.10.2017 19:18 Fermestal04 3

@1, Ernst: Man kann im Kaufvertrag vereinbaren, dass die Eigentums-Umschreibung erst dann veranlasst wird, wenn der Kaufpreis vollständig bezahlt ist.

Sowas ist bei Immobilien-Geschäften durchaus üblich, um den Verkauf abzusichern. Wenn das hier nicht gemacht worden ist, trotz der hohen Summen, dann ist da ein ziemlich dummer handwerklicher Fehler passiert.

Unabhängig von der Eigentumsumschreibung kann der Käufer natürlich schon vorher Besitzer werden und über die Immobilie verfügen, sobald der Kaufvertrag unterschrieben ist.

Die Eigentumsumschreibung ist aber eine endgültige Sache. Sowas lässt sich im Nachhinein nur noch schwer rückgängig machen. Selbst wenn der Kaufpreis nicht vollständig bezahlt worden ist. Das muss man vorher alles vertraglich regeln, sonst kann es böse Probleme geben.

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