Ost-Thüringen

City-Tunnel und Hermsdorfer Kreuz : Mitteldeutschlands ewige Baustellen

Eine Verzögerung nach der anderen, ständig neue Probleme und explodierende Kosten - der Großflughafen Berlin-Brandenburg sorgt seit Monaten für Negativschlagzeilen. Aber nicht nur die Hauptstädter haben mit Großprojekten zu kämpfen, die sich als Fass ohne Boden entpuppen. Auch in Mitteldeutschland kann man ein Lied davon singen: zum Beispiel vom Leipziger City-Tunnel und dem Ausbau des Hermsdorfer Kreuzes.

Eine Uhr in der City-Tunnel Station am Leuschnerplatz in Leipzig (Sachsen) steht auf 12 Uhr.

Millionengrab Leipziger City-Tunnel

Das Projekt klingt eigentlich recht simpel: Über einen Tunnel entsteht eine direkte Schienenverbindung zwischen dem Hauptbahnhof im Zentrum und dem Süden von Leipzig. Züge müssen die Innenstadt nicht mehr großräumig umfahren, sondern werden über zwei Röhren darunter durchgeleitet. Auf einigen Strecken verkürzt sich die Gesamtfahrzeit den Bauherren zufolge um bis zu 40 Minuten. Es gibt vier unterirdische Stationen (Hauptbahnhof - Markt - Wilhelm-Leuschner-Platz - Bayerischer Bahnhof) und zwei oberirdische (Leipzig Nord und Leipzig MDR).

Im Jahr 2005 begannen die Tunnelarbeiten an der Westseite des Hauptbahnhofs und am Wilhelm-Leuschner-Platz. Damals war von Baukosten in Höhe von 573 Millionen Euro die Rede. Im Jahr 2009 sollte der Tunnel fertig sein. Wegen Schäden an Gebäuden und dem problematischen Baugrund verzögerten sich die Arbeiten immer wieder, die Kosten stiegen und stiegen. Die Inbetriebnahme wurde zunächst auf 2012 verschoben, aber auch dieser Termin war nicht zu halten. Aktuell heißt es Dezember 2013.

Die Kosten haben sich inzwischen fast verdoppelt - auf rund 960 Millionen Euro. Ein Gutachten des Landesrechnungshofes aus dem Jahr 2011 sieht die Ursachen vor allem in Planänderungen, gestiegenen Baupreisen, Baumängeln und zusätzlichen Sicherheitsanforderungen. Sachsens Rechnungshofpräsident Karl-Heinz Binus sagte außerdem, als Ausgangswert wären statt 572 Millionen Euro eher rund 753 Millionen Euro angemessen gewesen. Die Baukosten seien "zu optimistisch" berechnet worden und bei der zeitlichen Planung sei man von einem "idealisierten Bauablauf" ausgegangen.

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City-Tunnel - die Lichter gehen an

Die Bauzeit für den Leipziger City-Tunnel hatte sich immer wieder verzögert, auch die Kosten explodierten. Im Dezember 2012 gab es eine Lichtprobe am Leuschner-Platz.

20.12.2012, 21:45 Uhr | 01:49 min

Dauerbaustelle Hermsdorfer Kreuz

Auch Thüringen hat seine eigene Dauerbaustelle: den Neubau des Autobahnkreuzes von Autobahn 4 und Autobahn 9 bei Hermsdorf. Geplant sind unter anderem der dreistreifige Ausbau der A9 in diesem Bereich sowie größere Kurvenradien der Übergänge zwischen beiden Autobahnen. Außerdem soll eine zusätzliche Verbindungstrasse zwischen A4 und A9 entstehen, die Fahrzeugen aus Richtung Erfurt einen schnelleren Übergang auf die A9 in Richtung Berlin ermöglichen soll.

Das Projekt sollte ursprünglich schon im Jahr 2010 starten. Wegen fehlender Mittel im Bundeshaushalt wird der Baubeginn jedoch seit Jahren verzögert. Derzeit wird über einen möglichen Start im Jahr 2015 diskutiert. Ein weiterer Grund für Verzögerungen ist eine Klage der Stadt Hermsdorf gegen den Planfeststellungsbeschluss. Die Stadt kritisiert die aus ihrer Sicht unzureichenden Vorkehrungen zum Lärmschutz. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Wegen der Verzögerungen ist der ursprüngliche Kostenrahmen von etwa 35 Millionen Euro mittlerweile nicht mehr zu halten. Nach Angaben des Thüringer Landesamtes für Bau und Verkehr wird mittlerweile mit 80 Millionen Euro kalkuliert. Da das Bundesverkehrsministerium dieses Geld aber nicht zur Verfügung hat, will das Land wenigstens zusätzliche Mittel für die Instandhaltung des Autobahnkreuzes aushandeln.

Dauerbaustellen in Mitteldeutschland - Audios und Videos

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2013, 22:22 Uhr

2. Enrico Pelocke:
Laßt doch das Hermsdorfer Kreuz wie es ist. Wenn 2015 die direkte NBS fertig ist, können die Leute mit richtigen Fahrzeugen viel schneller mit 300 km/h direkt zwischen Erfurt und Halle/Leipzig fahren. Mit den eingesparten 80 Mio € können dann mehr Züge bestellt werden.
14.01.2013
20:08 Uhr
1. Westsachse:
Bevor wieder die Schreihälse kommen, dass sowieso alles falsch geplant ist und somit die Planer schuld sind. Da halte ich gegen und sage, die Planer bekommen die Vorgaben wieviel es kosten DARF und keinen Cent mehr. Somit wird jedes Projekt auf die Kundenwünsche (hier der Preis) hingeplant und im Nachhinein ist der Planer der Dumme, weil er es so gemacht hat wie der Auftraggeber (meist der Bund, Land, Gemeinden) es wünschte, diese sich aber an ihre Vorgaben nicht erinnern können. Was will man auch von Politikern erwarten, die nur Geld im Kopf haben, aber von tuten und blasen keine Ahnung haben und irrwitzige Forderungen an die Planer stellen.
14.01.2013
15:54 Uhr

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