Erfurt | Gera Verdächtige Briefe mit weißem Pulver entdeckt

Bei einer Serie von verdächtigen Briefen in Justizgebäuden in mehreren deutschen Städten waren am Mittwoch auch Gera betroffen sowie das Landesamt für Verfassungsschutz in Erfurt. Wie die Polizei mitteilte, hatten gegen 7:30 Uhr zwei Mitarbeiter des Geraer Justizzentrums in der Poststelle einen Brief mit weißem Pulver entdeckt und Alarm ausgelöst. Daraufhin waren Polizei und Feuerwehr mit einem Großaufgebot angerückt. Ein Gebäudeteil, in dem Gerichtsverhandlungen anberaumt waren, wurde gesperrt.

Feuerwehrfahrzeuge auf Straße vor Hochhaus
Feuerwehreinsatz am Verfassungsschutz Bildrechte: MDR/Wichmann TV

Im Thüringer Amt für Verfassungsschutz begann am Mittag ein Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei. Die Haarbergstraße im Süden der Stadt wurde gesperrt. Ein Mitarbeiter hatte einen Umschlag geöffnet und erst dann das Pulver entdeckt. 16 Personen, die damit in Verbindung kamen, wurden isoliert. Alle anderen wurden laut Polizei in ein Krankenhaus gebracht und auf einer vor Ort aufgebauten Kontaminierungsstrecke untersucht. Um welche Substanz es sich bei dem Pulver handelt, ist noch nicht geklärt. Die Ermittlungen dauern an.

In Gera seien zwei Justizbeamten in der Poststelle direkt mit der Substanz in Kontakt gekommen und sollten bis Donnerstag noch im SRH-Waldklinikum bleiben, sagte eine Kliniksprecherin. Sie sollen aber keine gesundheitlichen Schäden davongetragen haben.

Die Feuerwehr hatte mit Schutzanzügen das Gebäude abgesucht und die verdächtige Substanz herausgeholt. Sie wurde gesichert und wird jetzt in einem Speziallabor in Bad Langensalza untersucht. Ein Ergebnis soll laut einem Sprecher der Feuerwehr aber erst in den nächsten Tagen vorliegen.

Inzwischen ist das Justizzentrum in Gera wieder geöffnet. Laut Feuerwehr wird die benachbarte Poststelle derzeit durch eine Fachfirma gereinigt. Danach könne auch dieser Bereich wieder genutzt werden.

Verkürztes Prozess-Programm

 Zwei Einsatzkräfte in grünen Schutzanzügen werden dekontaminiert.
In Schutzanzügen durchsuchte die Feuerwehr das Gebäude. Bildrechte: MDR/Arne Schein

Trotz des Alarms begannen zwei Prozesse planmäßig - allerdings in verkürzter Form, sagte Gerichtssprecherin Kerstin Böttcher-Grewe MDR THÜRINGEN. So sei im Prozess um Bandendiebstahl nur die Anklageschrift verlesen worden. Angeklagt ist ein 36 Jahre alter Mann. Er soll zwischen Sommer 2015 und Januar 2016 mit Komplizen Luxusautos im Wert von einer Viertelmillion Euro gestohlen haben. Im Prozess mit dem Vorwurf um Vergewaltigung und sexuelle Nötigung sei der erste Zeuge gehört worden. Die beiden Verhandlungen wurden nach dem Alarm vom Schwurgerichtssaal in das alte Gerichtsgebäude verlegt werden.

Neben Gera wurden am Mittwoch auch im Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe sowie in Justizeinrichtungen im oberfränkischen Coburg, München, Wolfratshausen, in Eisleben (Sachsen-Anhalt), Chemnitz und in Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern Briefe mit weißem Pulver entdeckt. Auch dort sind die Hintergründe noch unklar. In Eisleben entpuppte sich das Pulver nach Polizeiangaben inzwischen als harmlose Backzutat, in Karlsruhe als Puderzucker.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - das Radio | Fazit | 11.01.2017 | ab 18:00 Uhr MDR THÜRINGEN - das Radio | Fazit | 11.01.2017 | ab 18:00 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11.01.2017 | 19:00 Uhr MDR THÜRINGEN - das Radio | Fazit | 11.01.2017 | ab 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2017, 20:13 Uhr