Ost-Thüringen

Von Ost nach West : Stasi-Beauftragter Jahn reist in seine Vergangenheit

29 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR hat der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, am Freitag erneut den ehemaligen Grenzbahnhof Probstzella besucht. Gemeinsam mit Schülern aus Suhl und Kronach suchte er im jetzigen Museum die Spuren seiner Vergangenheit und sprach als Zeitzeuge zu den Jugendlichen. Jahn sagte, er wolle das Erlebte für die junge Generation lebendig und nachvollziehbarer machen.

Für ihn ist es das erste Mal, dass er an diesen Ort zurückkehrte. "Das geht unter die Haut. Mit einem Schlag wurde ich damals weggerissen von meiner Familie, Freunden und vielen schönen Erinnerungen", schilderte Jahn. Wie einst fuhr er dann am Nachmittag per Zug über die ehemalige deutsch-deutsche Grenze, um im bayrischen Ludwigsstadt mit Politikern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

In Ketten nach Probstzella

Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik
Roland Jahn machte sich für die Opposition in der DDR stark - später wurde er ausgebürgert.

Der 1953 in Jena geborene Jahn hatte sich in verschiedenen oppositionellen Gruppen der DDR engagiert und war dabei in Konflikt mit der Staatsmacht geraten. So flog er 1977 von der Universität, weil er gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann protestiert hatte. Zudem unterstützte Jahn öffentlich die freie Gewerkschaft Solidarnosc in Polen, die Anfang der 80er-Jahre verboten wurde. Das Zeigen einer Flagge mit dem Schriftzug der im Untergrund weiter existierenden Gewerkschaft brachte Jahn eine fast zweijährige Haftstrafe ein.

Wegen internationaler Proteste wurde er jedoch vorzeitig frei gelassen – und schließlich gegen seinen Willen in den Westen abgeschoben. Am 8. Juni 1983 wurde Jahn in Knebelketten zum Grenzbahnhof Probstzella und von dort in einem verriegelten Abteil eines Interzonenzuges in die Bundesrepublik gebracht. Dort arbeitete er als Journalist und unterstützte weiter Oppositionelle in der DDR.

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2012, 21:40 Uhr

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