Jenaer Fanblock
Für den Erhalt "ihrer" Kurve hatten die Jenaer Ultras sogar eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Bildrechte: IMAGO

Stadionneubau in Jena Einigung im Streit um Südkurve

Die Fronten waren monatelang verhärtet: Die Polizei wollte die Heimfans in die Nordkurve des neuen Stadions haben, für die Ultras dagegen ist ein Wegzug aus der Südkurve indiskutabel. Nun scheint es eine Lösung zu geben.

von Jörg Thiem

Jenaer Fanblock
Für den Erhalt "ihrer" Kurve hatten die Jenaer Ultras sogar eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Bildrechte: IMAGO

Nach monatelagen Streitereien, Mediationen und Gesprächen mit Ministerpräsident und Innenminister sind sich Polizei und Fans des FC Carl Zeiss Jena zum Thema "Südkurve" wohl einig geworden.

Die Anhänger des FCC waren nicht bereit, nach dem Neubau des Ernst-Abbe-Stadions ihren angestammten Platz in der Südkurve zu verlassen. Die Polizei drängte dagegen darauf, dass Jenaer Ultras aus Sicherheitsgründen in die Nordkurve des Stadions umziehen sollten. Sie hatte immer wieder darauf hingewiesen, wie kompliziert die Fantrennung unter den bisherigen Bedingungen sei. Die Ultras wollten allerdings in "ihrer" Südkurve bleiben.

Eine Schleuse für die Gästefans

Nach einem Gespräch am Montag zwischen Vertretern des Vereins, der Stadt, der Ultras und der Polizei zeichnet sich aber eine Lösung ab. Der künftige Investor soll bei seinen Planungen für das Stadion berücksichtigen, dass die Gästefans, die aus südlicher Richtung zum Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, über einen Steg oder durch eine Art Tunnel unter der Haupttribüne an der Saaleseite in den Nordbereich des Stadions kommen.

Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Schließlich beweisen andere Fußballstadien in Deutschland, dass genau solche Lösungen für Fanströme ein sehr probates Mittel sind, um Auseinandersetzungen zwischen Heim- und Gästefans innerhalb der Stadionbereiche zu vermeiden.

Das Ende des "Damoklesschwerts"

Um aber die baulichen Voraussetzungen für eine solche Lösung zu schaffen, wird es nötig sein, den künftigen Investor frühzeitig darüber zu informieren.

Entwurf des FC Carl Zeiss Jena für ein umgebautes Stadion im Ernst-Abbe-Sportfeld.
Entwurf des FC Carl Zeiss Jena für ein umgebautes Stadion im Ernst-Abbe-Sportfeld Bildrechte: FC Carl Zeiss Jena/Knick Design GbR

Diese Aufgabe wird Martin Berger übernehmen. Der Projektleiter für das neue Stadion ist seit zwei Jahren seitens der Stadtverwaltung Jena mit den Vorbereitungen für die Ausschreibung verantwortlich: Er hat Vorlagen gemacht und Pläne entworfen. Berger musste sie  teilweise auch wieder verwerfen - immer vor dem Hintergrund vorhandener oder sich ergebender Schwierigkeiten. Mal war es die Hochwassergefahr, mal waren es Sicherheitsbedenken oder Zufahrtswege, doch immer schafften er und sein Team akzeptable Lösungen. Die Diskrepanz zwischen den Interessen der Ultras und denen der Polizei schwebten dabei allerdings immer wie ein Damoklesschwert über den Planungen.

Nun hoffen Stadt, Polizei, Fans und sicher auch der Verein, dass sich mit der europaweiten Ausschreibung, die im Frühjahr beginnen soll, einer oder mehrere Investoren finden, die nicht nur das 52 Millionen-Euro-Projekt stemmen können, sondern, dass der Investor, der am Ende den Auftrag erhält, in seiner Planung auch genauso eine Tunnel- oder Stegvariante hat. Sollte das allerdings nicht der Fall sein oder die Kosten aufgrund der Zusatzbauten durch die Decke gehen, stehen sich Ultras und Polizei wieder gegenüber - und das kann ja nun niemand in der Stadt wollen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Dezember 2017 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2017, 05:00 Uhr

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10 Kommentare

08.12.2017 14:17 NDHler 10

52 000 000 €uro soll das kosten?!
Das ist der Wahnsinn!
Wie viel davon sind Steuergelder? Oder wird das Projekt zu 100% privat finanziert? Bitte kein zweites Steigerwald Chaos!

08.12.2017 10:51 Schappio5 9

@7...Wer lesen kann ist klar im vorteil

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