Fahnen mit dem Logo von Jenoptik, wehen am 28.04.2015 in Jena (Thüringen) im Wind vor einem Gebäude des Firmensitzes.
Das Land hat am 30. Juni 2011 zu etwa 6,35 Euro 6.296.193 Jenoptik-Aktien gekauft. Seitdem ist der Kurs des TecDAX-Unternehmens um 265 Prozent auf über 23 Euro gestiegen. Bildrechte: dpa

Trotz Kurs-Höchststand Land will Jenoptik-Millionen nicht einstreichen

Bei einem Aktiengewinn von 265 Prozent würden viele Anleger schnell verkaufen. Nicht das Land Thüringen, es hält an seinen Jenoptik-Aktien im dreistelligen Millionenwert fest. Das Geld wird schlicht nicht gebraucht.

Fahnen mit dem Logo von Jenoptik, wehen am 28.04.2015 in Jena (Thüringen) im Wind vor einem Gebäude des Firmensitzes.
Das Land hat am 30. Juni 2011 zu etwa 6,35 Euro 6.296.193 Jenoptik-Aktien gekauft. Seitdem ist der Kurs des TecDAX-Unternehmens um 265 Prozent auf über 23 Euro gestiegen. Bildrechte: dpa

Das Land Thüringen will trotz Kurs-Höchststandes seine Jenoptik-Aktien nicht verkaufen. Der Wert der Anteile ist seit Sommer 2011 von knapp 40 Millionen Euro auf gut 145 Millionen Euro gestiegen. Der Jenoptik-Aktienkurs hat allein seit Jahresbeginn um mehr als 40 Prozent auf über 23 Euro zugelegt. Es ist das höchste Quartalsplus unter den Technologieunternehmen, die zum Börsensegment TecDAX gehören.

Zu viel Geld für zu wenige Start-Ups

Die Fassade des Gebäudes der Thüringer Aufbaubank in Erfurt
Die bm-t ist eine Tochter der Thüringer Aufbaubank (im Bild). Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Die landeseigene Beteiligungsgesellschaft bm-t hatte die Papiere vor knapp sechs Jahren überraschend gekauft. Die Sprecherin der bm-t, Maret Montavon, sagte MDR THÜRINGEN, alle Anlageziele seien "vollumfänglich erreicht" worden. Dennoch verkaufe die bm-t nicht und halte langfristig an der Aktie fest, weil sie für Bankeinlagen derzeit jährliche Strafzinsen in Höhe von 0,4 Prozent zahlen müsse. Außerdem fehle es an Start-Ups und innovativen Unternehmen in die das Geld investiert werden könnte. Schon ohne die Jenoptik-Aktienerlöse stünden aktuell 85 Millionen Euro für entsprechende Investments ungenutzt zur Verfügung. Sie könnten jederzeit abgerufen werden. Montavon sagte, es gebe zwar viele Anträge von Unternehmen und Gründern, aber auch eine hohe Ablehnungsquote. Die Suche nach passenden Investments in Thüringen sei sehr aufwendig.

Erklärtes Ziel der landeseigenen bm-t ist es, das Wachstum innovativer Thüringer Unternehmen und Neugründungen zu fördern. Dafür beteiligt sie sich an den Unternehmen und versorgt sie so mit zusätzlichem Geld. Derzeit profitieren 40 Firmen davon. Die Unternehmen werden in der Regel einige Jahre begleitet. Nach bestenfalls erfolgreicher Entwicklung verkauft die Landesgesellschaft ihre Anteile jeweils möglichst mit Gewinn, beispielsweise bei einem Börsengang.

Größtes bisheriges Investment der bm-t

Angesichts dieser Ausrichtung war der erneute Einstieg des Landes bei der zuvor privatisierten Jenoptik AG sehr ungewöhnlich und umstritten. Es war und ist bis heute das mit Abstand größte Investment der bm-t. In der Regel investiere die bm-t niedrige einstellige Millionenbeträge in einzelne Unternehmen, sagte Sprecherin Maret Montavon. Zudem wurden die Aktien einem anderem Anteilseigner abgekauft, so dass die Jenoptik AG selbst keinerlei Kapital erhalten hat. Der Schritt wurde damals mit guten Wachstumsaussichten und der möglichen Gefahr einer feindlichen Übernahme der Jenoptik AG begründet. Doch zur Übernahmeabwehr taugt der elf-prozentige Anteil an dem Optik- und Rüstungsunternehmen nur bedingt: Denn mehr als 66 Prozent der Jenoptik-Aktien werden ohnehin frei an der Börse gehandelt. Bei der bm-t heißt es auf Nachfrage, der Landesanteil könne jedoch im Falle eines Übernahmeversuchs erhöht werden.

Auch das Thüringer Wirtschaftsministerium verspricht sich durch den Landesanteil Sicherheit für das Unternehmen. Minister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte MDR THÜRINGEN, Thüringen müsse an einer weiterhin stabilen und ungestörten Entwicklung der Jenoptik AG interessiert sein und halte deshalb an der strategischen Beteiligung fest. Die Landesregierung werde auch zukünftig die Entwicklung und das Wachstum des Unternehmens eng begleiten. Als größter Einzelaktionär stellt das Land auch den Aufsichtsratsvorsitzenden der Jenoptik AG.

Kritik an Aktienkauf vom Bund der Steuerzahler

Diese Position ruft jedoch immer wieder Kritik hervor. So werden ordnungspolitische Gründe vorgebracht, nach denen es nicht Aufgabe des Staates sei, sich an privaten Konzernen zu beteiligen. Dahingehend hatte sich beim Einstieg 2011 unter anderem der Bund der Steuerzahler geäußert und den Aktienkauf als "sehr fragwürdig" bezeichnet. Kritik gibt es außerdem daran, dass der von einer rot-rot-grünen Koalition geführte Freistaat an einem Rüstungsunternehmen maßgeblich beteiligt ist. Und finanziell gesehen dürften vorerst kaum noch neue Höchststände für den Jenoptik-Kurs zu erwarten sein. Davon gehen jedenfalls zahlreiche Aktienanalysten aus.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 01.04.2017 | ab 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2017, 18:15 Uhr

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5 Kommentare

03.04.2017 16:22 Franziska Trepp 5

Wow, ganz schön viel Geld, was da ungenutzt rum liegt und irgendwie schräg: Da drohende Strafzinsen einerseits, aber auf seine Schulden zahlt Thüringen sicher wesentlich höhere Kreditzinsen.

02.04.2017 12:11 Thomas Fritz 4

Startups sind die Zukunft, also sollten sie nach Thüringen gelockt werden! Das muss sich doch machen lassen, wenn schon Geld da ist.

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